Harun Yahya

SOZIALDARWINISTISCHE STERILISATIONS- UND EUTANASIEGESETZE


Eine weitere auf den Sozialdarwinismus zurückgehende Praxis war die Eugenik, eine sogenannte Wissenschaft, die mit Züchtungsmethoden "bessere" Menschen erzeugen wollte. Der Begriff wurde 1883 erstmals verwendet von Darwins Vetter Francis Galton und ist eine Zusammensetzung der griechischen Wörter "eu" (gut) und "genet" (Geburt). Zusammengeschrieben, bedeutet das so entstandene Wort etwa "Gutgeburt" oder "genetisch gesund". Doch im Gegensatz zu seiner linguistischen Bedeutung bedeutet es in der Praxis barbarische Grausamkeit.

Ein Foto von 1914 aus einer Eugenik-Trainingsklasse.

Die Verfechter der Eugenik behaupteten, dass ihre eigene Rasse oder Klasse geschützt und verbessert werden müsse, wohingegen andere Rassen der „künstlichen Selektion“ unterworfen werden müssten. Laut Galton galt ersteres aber nur für die britische Oberklasse. Deshalb trat er dafür ein, die Armen, Kranken, Schwachen und Ungebildeten an der Vermehrung zu hindern.

Die Nazis behaupteten ihrerseits, alle nicht gesunden Arier seien eine Last für den Staat und müssten deshalb durch Sterilisation oder Sterbehilfe eliminiert werden, und das setzten sie auch hemmungslos in die Tat um. Einerseits wurden Hunderttausende im Rahmen ihrer Eugenik-Politik sterilisiert, andererseits wurden weitere Hunderttausende getötet, weil sie krank, verkrüppelt, geistig behindert, alt, unausgebildet oder familienlos waren. Entweder wurden sie in die Gaskammern geschickt, vergiftet oder man ließ sie einfach verhungern.
Die Verfechter der Eugenik gehen davon aus, dass die meisten Charaktermerkmale eines Menschen vererbt werden. Das gilt ihrer - vor allem Galtons - Meinung nach auch für unerwünschte „Charaktereigenschaften“ wie Faulheit und Armut. Unter der Annahme, dass faule Eltern auch faule Kinder zeugen, versuchten sie zunächst, entsprechende Männer und Frauen an der Heirat zu hindern.

Die auf den Darwinismus zurückgehende Eugenik verursachte unendlich viel Leid. Wenn man ihre Entwicklung betrachtet, versteht man besser, auf welch unhaltbaren theoretischen Voraussetzungen sie beruhte. Deshalb muss man untersuchen, welche Haltung Darwin selbst dazu einnahm. Vorweg sei gesagt: Er hat sie ermutigt und unterstützt. Die Ursprünge der Eugenik reichen zurück bis zu Platons Politeia (Der Staat), aber erst durch den Darwinismus bekam sie ihren wissenschaftlichen Anstrich und galt als eigene Wissenschaftsdisziplin. Karl Pearson, über dessen Rassismus wir schon gesprochen haben, war stark von Galton beeinflusst und machte keinen Hehl daraus, dass die Eugenik undenkbar sei ohne die Evolutionstheorie Darwins:


Die moderne Eugenik ist im 19. Jahrhundert entstanden. Das wachsende Interesse an der Eugenik in diesem Jahrhundert hat verschiedene Wurzeln. Die wichtigste war dabei die Evolutionstheorie, denn Francis Galtons Vorstellungen von Eugenik - er hat den Begriff geprägt - war eine logische Weiterentwicklung der Theorie seines Vetters Charles Darwin.103

Darwins Vermächtnis an seinen
Vetter Galton: Eugenik



Nach den Eugenikern müssten die älteren Leute als schwache Individuen eliminiert werden. Diesen Menschen wurde weder Respekt noch Liebe gezeigt und man glaubte daran, dass sie aus der Gesellschaft entfernt werden müssen.


Die theoretischen Grundlagen der Eugenik wurden von Malthus und Darwin gelegt. Der Aufsatz von Malthus, für Darwin der Quell der Inspiration, enthielt bereits die Grundideen, aus denen später die Eugenik hervorging. Malthus behauptete, Menschen könnten sich nach den gleichen Methoden vermehren, die in der Tierzucht angewendet werden:


Es scheint jedoch nicht ausgeschlossen zu sein, dass bei einiger Achtsamkeit bestimmte in der Tierzucht angewandte Methoden auch auf Menschen anwendbar sein könnten. Ob dies bei der Übertragung des Denkvermögens möglich ist, mag zweifelhaft sein. Aber Größe, Stärke, Schönheit, Aussehen und eventuell sogar Langlebigkeit sind gewiss in bestimmten Maßen übertragbar.“104


Aus dieser und vielen anderen Textstellen bei Malthus geht zweifelsfrei hervor, dass er menschliche Wesen nur als höhere Tiere verstand. Genau das war der Grundgedanke, den Darwin aufgriff und aus dem er seine Thesen entwickelte, die wiederum zur Voraussetzung der Eugenik wurden. In seinem Buch Die Abstammung des Menschen drückte er seine Besorgnis darüber aus, dass infolge bestimmter sozialer Praktiken die Schwachen nicht ausgesondert würden und dadurch eine rückwärts gewandte biologische Entwicklung eintreten könne. Laut Darwin werden in der Natur die mängelbehafteten Exemplare einer Gattung mehr oder weniger schnell ausgemerzt. Deshalb sei es ein schwerer Fehler, mangelhaft ausgestattete menschliche Individuen in einer zivilisierten Gesellschaft durch Fürsorge und Medikamente am Leben zu erhalten. Man solle besser dem Beispiel von Tierzüchtern folgen und durch künstliche Selektion auch in menschlichen Gesellschaften die Schwachen und Kranken eliminieren:


Niemand, der weiß, wie Tiere gezüchtet werden, wird bezweifeln, dass solche Methoden, auf Menschen angewandt, menschenverachtend sind. Es ist überraschend, wie schnell ein Mangel an Fürsorge oder falsch angewandter Fürsorge bei der Tierzucht zu Degeneration führt. Doch mit Ausnahme des Menschen selbst dürfte wohl kaum jemand so ignorant sein, seinem schlimmsten Feind im Tierreich die Fortpflanzung zu erlauben.105

Bei den Wilden werden die körperlich und geistig Schwachen schnell ausgesondert, während die überlebenden Exemplare normalerweise bei guter Gesundheit bleiben. Andererseits unternehmen wir zivilisierten Menschen alles Mögliche, um den Prozess der Eliminierung zu steuern: Wir bauen Pflegeheime für Behinderte, Krüppel und Kranke. Wie erlassen Armenschutzgesetze, und unsere Ärzte geben bis zuletzt ihr Bestes, um Menschenleben zu retten - mit dem Ergebnis, dass die Schwachen innerhalb der Gesellschaft sich fortpflanzen können.106

Diese Aussagen wurden zur ideologischen Grundlage für Rassismus, Eugenik und Militarismus und verursachten schließlich grauenhafte menschliche Katastrophen. Gegen Ende seines Buches Die Abstammung des Menschen hin stellt Darwin noch eine Reihe weiterer unwissenschaftlicher Thesen auf, wie zum Beispiel, dass der Kampf ums Überleben die Humanität befördere, dass die Begabteren in diesem Kampf erfolgreicher seien als die weniger Begabten und dass ohne diesen Kampf die Menschen in Trägheit versinken würden. 107


Mit solchen Thesen hat Darwin die Grundlagen für die Anwendung der Eugenik geschaffen. Die Evolutionstheorie, als wissenschaftlich geltend, hat zu einer Politik der Eugenik und des Rassismus geführt, die akzeptiert und verwirklicht wurde.

Eugenik in Großbritannien



Galton macht eine unlogische und erfolglose Studie, um die allgemeinen genetischen Merkmale von Kriminellen auf Grund von Fingerabdrücken und Gesichtsform festzustellen.


Wie schon erwähnt, war der Begründer und Anführer der Eugenik Darwins Vetter Galton. Aber auch Darwins eigener Sohn, Leonard Darwin, gehörte zum Kreis der britischen Eugenik-Verfechter. Später reihte sich übrigens auch Winston Churchill in diesen Kreis ein.108
Galton behauptete, das Prinzip des „Überlebens des Stärkeren“ müsse ergänzt werden dadurch, dass nur die Stärksten an der Welt teilhaben dürften. Ihm zufolge war die Menschheit an einem Punkt angelangt, an dem sie Herr ihrer eigenen Evolution geworden sei und selbst eine Herrenrasse entwickeln könne. Galton formulierte offen seinen Glauben an eine überlegene Herrenrasse und eine Herrenklasse. Schwarzen sprach er einen von vornhereinniedrigen Grad von Intelligenz zu:


"Die Anzahl der Neger, die man als nur halbintelligent bezeichnen muss, ist sehr groß. Jede Publikation über Negerbedienstete in Amerika ist voll von Beispielen dafür. Ich selbst habe dies während meiner Reisen durch Afrika jedes Mal bestätigt gefunden. Die Fehler, die die Neger selbst in ihren eigenen Angelegenheiten machten, waren so kindisch, dumm und tölpelhaft, dass ich mich manchmal für meine eigene Gattung schämte."109


Galton ging so weit, zu behaupten, dass bestimmte Hunderassen intelligenter seien als manche Menschenrassen.110 Aber bei seiner Beurteilung von Schwarzen und Sklaven hat er einen wichtigen Punkt übersehen: Dass nämlich die meisten Bücher über Sklaven von weißen Sklavenhaltern geschrieben wurden. Hinzu kommt, dass die Sklaven in eine Gesellschaft eingesogen wurden, die ihnen völlig fremd war, in eine Kultur, die sie nicht verstehen konnten. Natürlich erschien den weißen Herren ihr Verhalten deshalb als unwissend. Keine Frage, dass ein Weißer, der in einem afrikanischen Dorf leben müsste, exakt die gleichen Probleme der Anpassung und Einordnung hätte.
Darüber hinaus haben Galtons abenteuerliche Behauptungen über Schwarze keinerlei wissenschaftlichen Wert, sondern stützten sich ausschließlich auf Spekulationen verschiedener Pseudowissenschaftler, die im damaligen wissenschaftlichen Primitivismus tätig waren und eine Gehirnwäsche im Geist des Materialismus durchlaufen hatten.

Undurchdacht und vorurteilsbeladen, wie er war, vertrat Galton noch weitergehende waghalsige Thesen. Zum Beispiel forderte er, dass alle Individuen einer Gesellschaft mit zu geringer Intelligenz daran gehindert werden sollten, sich zu vermehren, während man die Intelligenteren dazu ermuntern solle - all das, um den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern. Andernfalls käme es zum gesellschaftlichen Kollaps. Offensichtlich ist es in Wirklichkeit genau umgekehrt: Zu einem gesellschaftlichen Kollaps kommt es nämlich genau dann, wenn die Forderung Galtons und seinesgleichen verwirklicht werden. Denn sie laufen hinaus auf Massaker, Gewalt und Krieg. In einem Vortrag am Huxley Institute im Jahr 1901 behauptete Galton: „Das Denkvermögen unserer Nation liegt in unseren höheren gesellschaftlichen Klassen.“111 Keineswegs überraschend forderte er deshalb, dass Kinder aus diesen Klassen identifiziert und ihre Familien für sie mit 1000 Pfund belohnt werden sollten.112 Weiter schlug er vor, dass Frauen aus der Oberschicht mindestens eine weitere Tochter und einen weiteren Sohn gebären sollten.112
Galtons Überzeugung, dass eine Vergrößerung der Oberschicht zu sozialem Fortschritt führen würde, war unlogisch und unwissenschaftlich. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die dies bewirken. Die wichtigsten sind jene moralischen Werte und Tugenden, mit denen die Gesellschaft wirklich aufwächst und lebt. Nur eine Gesellschaft, deren Mitglieder über klare moralische Werte und Tugenden verfügen, wird sich schnell und dauerhaft entwickeln. Derartiges ist jedoch nicht genetisch übertragbar. Wenn jemand möchte, dass sich seine Gesellschaft nach vorn entwickelt, muss er seine Aufmerksamkeit der geistigen Stärkung der Individuen widmen und zwar durch verschiedene kulturelle und erzieherische Maßnahmen. Galton und seinesgleichen jedoch wollten die Anzahl der Reichen steigern und jene der Armen senken, indem sie menschliche Wesen buchstäblich als Tiere behandelten in all jenen Ländern, wo sie Einfluss hatten. Dabei schreckten sie nicht zurück vor entsprechend begründeten Morden und unvorstellbarer Grausamkeit und unbeschreiblicher Ignoranz.
Auf Galtons Vorschlag hin begann die Verwirklichung der Eugenik in Großbritannien mit der Geburtenkontrolle. Diese Maßnahme zielte jedoch ausschließlich ab auf Angehörige der sozialen Unterschicht und Angehörige der angeblich minderwertigen Rassen.
In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts galt die Tatsache, dass die Größe der Unterschicht stieg, während die der Oberschicht sank, als Bedrohung. Im Jahr 1925 schrieb deshalb Julian Huxley im Magazin Nature:


"Der Anteil der Erwünschten sinkt, der Anteil der Unerwünschten steigt. Wir müssen diese Situation in den Griff bekommen."113

Den Eugenikern zufolge war der erste Schritt, um ein Gleichgewicht zwischen „Erwünschten“ und „Unerwünschten“ herzustellen, die sogenannte Rassenhygiene. Zunächst ging es darum, zu definieren, wo Rassenhygiene angebracht war und wo nicht. Es wurde dabei zu schier unglaublichen Kriterien gegriffen. In Großbritannien und den USA begann man damit, die Schädelgröße zu vermessen. Unter Galtons Federführung versuchte man daraus auf den Intelligenzgrad der Betroffenen zu schließen. Wie spätere wissenschaftliche Forschungen jedoch ergeben haben, besteht keinerlei Zusammenhang zwischen Schädelgröße und Intelligenzgrad.

Im Anschluss an diese Schädelvermessungen begann man damit, Intelligenztests einzuführen. Je nach Ergebnis wurde entschieden, ob die betreffenden Personen sterilisiert oder unter lebenslange staatliche Aufsicht gestellt werden sollen. Es dauerte jedoch einige Zeit, bis man feststellen musste, dass die Ergebnisse dieser Intelligenztests unzuverlässig waren. Dies war nichts anderes als Ausdruck der mangelhaften wissenschaftlichen Methodik der damaligen Zeit. Faktoren wie Sozialisation und Ausbildung der Probanden wurden schlicht vernachlässigt. Untersucht wurde nur die direkt abfragbare intellektuelle Leistung. Jedenfalls waren die Ergebnisse dieser Methoden völlig unzureichend, verhinderten aber nicht, dass Arme, Kranke und Schwarze als minderwertig und unterlegen qualifiziert wurden.


Eugenik in den USA



Die Universität von Heidelberg ehrte H. Laughlin, einen prominenten Eugeniker für sein Werk über "Die Wissenschaft der Rassenhygiene". Dieser Zeitungsausschnitt zeigt den fraglichen Bericht.


The New York Eugenics Record Office (ERO) and Charles B.


Nach dem Tod Galtons verlagerte sich das Zentrum der Eugeniker in die USA. Die bekanntesten Erben Galtons wurden Henry Goddard, Henry Fairfield Osborn, Harry Laughlin und Madison Grant.

Ganz oben auf der Liste der Eugenik-Unterstützer in den USA standen das Rockefeller Institute und die Carnegie Foundation. Das Rockefeller Institute finanzierte wiederum das Kaiser-Wilhelm-Institut, das in Deutschland federführend in der Eugenik-Forschung war und 1920 sogar ein eigenes Gebäude für die Forschungsarbeit von Professor Ernst Rüdin baute, einem besonders hartnäckigen Anhänger der Rassenhygiene. Auch das Mental Hygiene Movement in den USA wurde finanziell massiv vom Rockefeller Institute unterstützt. Selbst der Nobelpreisträger Alexis Carrel am Rockefeller Institute applaudierte erfreut zu den Schandtaten der deutschen Eugeniker und hatte keine Einwände gegen die Massenmorde an Geisteskranken und Gefängnisinsassen.114

Der Einfluss der Eugeniker führte zur Verabschiedung von Zwangssterilisationsgesetzen in einer ganzen Reihe amerikanischer Bundesstaaten. Insgesamt 100.000 Menschen wurden, meist gegen ihren eigenen Willen, zwangssterilisiert. Dafür möge ein Beispiel genügen: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden allein im Bundesstaat Virginia 8000 „ungeeignete“ Personen zwangssterilisiert. In manchen Bundesstaaten wurde die Zwangssterilisation bis 1974 praktiziert.115



Die angebliche wissenschaftliche Basis der Eugenik ist die Evolutionstheorie. Ein Poster, auf welchem die Eugeniker den Zusammenhang zwischen Eugenik und Evolution hervorheben.
 
 

Einer der führenden amerikanischen Eugeniker war Charles B. Davenport, bekannt als Verfasser von Artikeln, in denen die Verbindung von Darwinismus mit Genforschung propagiert wurde. Doch seine darin formulierten Forderungen stützten sich nur auf neue unhaltbare Thesen. 1906 beharrte er, dass die American Breeders' Association Untersuchungen über Eugenik durchführte. gründete er das Eugenics Record Office (ERO), das bis zu 13-29 % seines Budgets bereitstellte für die „Station for Experimental Evolution“ (Station für experimentielle Evolution). Diese Einrichtung war damit finanziell wesentlich besser ausgestattet als so manch andere Forschungseinrichtung dieser Zeit. Es bildete eine ganze Reihe von Propagandisten für die Eugenik aus. Seine Studenten wurden zu Spezialisten für die Durchführung und Bewertung von Intelligenztests, wie zum Beispiel Stanford-Binet-Test, die in eugenischer Praxis häufig benutzt werden.116

Die American Eugenics Association gab Unterricht auf staatlichen Messen und hielt Wettbewerbe ab, bei denen die "tauglichste" Familie gewählt wurde.

Die Studenten am ERO waren auch damit beauftragt, in ihrem jeweiligen Arbeitsfeld Statistiken anzulegen, mit deren Hilfe das ERO versuchte, seines Erachtens nach zum Heiraten und Kinderzeugen ungeeignete Paare an der Ehe zu hindern. 1924 legte das ERO eine Sterilisationsentwurf vor, in dem vorgeschlagen wurde, Menschen zu sterilisieren, die verdächtig waren, krank zu sein.

Vor Vernunft und Gewissen ist es nicht zu verantworten, Menschen gegen ihren Willen zu sterilisieren. Menschen mit Erbschäden, Krankheiten und körperlichen und geistigen Behinderungen müssen Zuneigung und Mitleid entgegengebracht werden. In Gesellschaften, in denen religiöse, moralische Werte gelten, werden solche Menschen geschützt und ihre Bedürfnisse so gut wie möglich befriedigt. Es ist Barbarei, Menschen zu zwangssterilisieren, nur weil Eugeniker glauben, sie verfügten über „kriminelle Energie“. Man kann ihnen helfen durch geeignete Kulturprogramme und sie zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft machen. Selbst bei Menschen, denen nur schwer zu helfen ist, muss die bestmögliche und ethisch vertretbare Lösung gesucht werden, statt sie zu eliminieren.

In den späteren Jahren machte ihr Menschenverstand den Amerikanern klar, dass Eugenik nur eine verschleierte Form der Barbarei ist, weshalb die notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden, um dem Einhalt zu gebieten. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten die Nazis bereits die amerikanischen Gesetze als Vorbild übernommen und verschärft, sodass es in Deutschland zur Zwangssterilisation von zwei Millionen Menschen kam. 117
Wie die angeführten Beispiele deutlich zeigen, beabsichtigen alle Falschheiten des Sozialdarwinismus strotzende trügerische Propaganda, die Menschen gefühllos gegeneinander zu machen und Sympathie und Mitleid aus ihren Köpfen zu vertreiben, damit sie sich gegenseitig im wörtlichen Sinn wie Tiere behandeln. Dies ist das genaue Gegenteil jener Tugenden, zu denen uns die religiösen, moralischen Werte verpflichten. Der Quran verlangt von uns, sich um die Schwachen und Bedürftigen zu kümmern, die Kranken zu schützen und jenen zu helfen, die niemanden mehr haben. Gott fordert von uns, ganz gleich in welcher Situation, dass wir das Wohlbefinden anderer höher bewerten als unser eigenes, dass wir geduldig und altruistisch sind. Für alle, die Gutes tun, indem sie Geduld üben, hat Gott eine frohe Botschaft:






Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der Nahrung selbst bedürfen: "Seht, wir speisen euch um Gottes willen. Wir wollen weder Belohnung von euch noch Dank. Seht wir fürchten einen finsteren, unheilvollen Tag von Seiten unseres Herrn." Darum wird Gott sie vor dem Übel dieses Tages bewahren und ihnen Licht und Freude gewähren und Er wird sie für ihre Standhaftigkeit mit einem Garten und (Kleidern aus) Seide belohnen. (Sure 76:8-12– al-Insan)







Eugenik in Nazideutschland



Die Hitler-Biographie von Ian Kershaw (1998) zeigt auf, wie eng die Verbindung zwischen Sozialdarwinismus, Eugenik und Faschismus in den 1920er Jahren tatsächlich war:


"Integraler Nationalismus, Nationalsozialismus, Sozialdarwinismus, Rassismus, biologistischer Antisemitismus, Eugenik und Elitarismus vermengten sich in unterschiedlichem Maß..."118

Dr. Robert Youngson, Wissenschaftshistoriker, kommt zum Ergebnis, dass der Eugenik-Gedanke, obwohl ein eminenter wissenschaftlicher Fehler, die geistige Grundlage der Nazimorde war:


"Der tragisch-grauenvolle Höhepunkt der Eugenik war zweifellos Adolf Hitlers Versuch, eine "Herrenrasse" zu schaffen durch Ehen zwischen Menschen aus der arischen Rasse einerseits, und der Ermordung von sechs Millionen anderer Menschen mit angeblich minderwertigem Erbgut andererseits. Es wäre unfair, Galton den Holocaust anzulasten oder die Konsequenzen, die sich aus seiner völlig falschen Theorie später ergaben. Aber zumindest war er der Architekt der Eugenik, jener Idee, von der Hitler so besessen war. In diesem Sinn muss er allerdings als einer der größten wissenschaftlichen Blender aller Zeiten gelten."119

Galtons irrationale und unwissenschaftliche Anschauungen lediglich als wissenschaftliches Blendwerk zu bezeichnen, ist allerdings eine allzu wohlwollende Beurteilung. Denn immerhin waren Galtons Auffassungen und die seiner Nachfolger die geistige Grundlage für vorher noch nie dagewesene Barbarei. Die unvorstellbaren Katastrophen, die in der Übernahme der sozialdarwinistischen Ideen wurzelten, werden eine unvergessliche Lektion dafür bleiben, was daraus entstehen kann.

Die Nazis machten das systematische Töten von "minderwertigen, behinderten, fehlerhaften und kranken" Menschen zu einer Staatsphilosophie, weil solche Menschen angeblich die Reinheit der arischen Rasse beschmutzten. In den Worten Hitlers:

Eine große Anzahl von Kindern blieb vernachlässigt und ungeliebt, weil sie nicht von der Arischen Rasse abstammten und es wurden häufig Anstrengungen unternommen, sie zu töten oder unter verschiedenen Vorwänden zu sterilisieren.



„... Menschen zu verderben... Auf lange Sicht eliminiert die Natur alle ungesunden Elemente. Man mag abgestoßen sein von diesem Naturgesetz, das von allen Lebewesen verlangt, sich gegenseitig zu verschlingen. Die Fliege wird von der Libelle gefressen, die Libelle wiederum von einem Vogel, der seinerseits einem größerem Vogel zum Opfer fällt ... Die Gesetze der Natur zu kennen, macht es uns möglich, ihnen zu gehorchen.“120

Hitlers unverzeihlicher Denkfehler bestand darin, zu behaupten, man könne Vorgänge, die in der Natur für ein natürliches Gleichgewicht sorgen, auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Wenn Tiere sich gegenseitig als Beute betrachten, bedeutet das nicht, dass Menschen sich gegenüber ihren Mitmenschen ebenso verhalten dürfen. Tiere haben kein Bewusstsein. Menschen hingegen verfügen nicht nur über ein Bewusstsein, sondern auch über ein Gewissen. Deshalb können sie unterscheiden zwischen richtig und falsch, gut und schlecht, und sie besitzen Urteilsfähigkeit. Nur Psychopathen wie Hitler können ernsthaft behaupten, dass sich Menschen wie Tiere im Überlebenskampf verhalten sollten. Genau das hat nämlich Hitler in folgenden Worten formuliert:


"Wenn ich an einen göttlichen Befehl glauben könnte, so wäre es dieser: "Du sollst die Art erhalten." Das Leben des Einzelnen darf in seinem Wert nicht zu hoch angesetzt werden. Wenn der Einzelne in den Augen der Natur wichtig wäre, würde sie sich um seinen Erhalt kümmern. Von den Millionen Eiern, die eine Fliege legt, werden nur einige wenige ausgebrütet - aber trotzdem blüht und gedeiht die Fliegenart."121 

Das Leben eines jeden Menschen hat seinen Wert, unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Sprache. Jeder mit einem Gewissen sollte deshalb alles in seiner Macht Stehende tun, um andere menschliche Lebewesen zu schützen, ohne Rücksicht auf Rasse oder physische Merkmale. Während des 2. Weltkriegs wurden die aus der Nazi-Ideologie resultierenden Katastrophen weltweit allen Menschen klar. Aus der Weltsicht Hitlers wurde für andere Menschen und Völker ein Alptraum, auch für sein eigenes Volk. Die in Deutschland damals weitverbreitete Eugenik ist dafür nur ein Beispiel.

• Der Aufstieg der Eugenik in Deutschland



Beispiele von eugenische Studien des Kaiser Wilhelm Institutes.

Im Jahr 1900 finanzierte der deutsche Großindustrielle Alfred Krupp einen Wettbewerb um den besten Aufsatz zum Thema „Was können wir von den Prinzipien des Darwinismus lernen für die Anwendung auf Innenpolitik und Gesetzgebung?“

Der 1. Preis ging an Wilhelm Schallmeyer, der Gesellschaft, Kultur, Moralität und sogar „richtig“ und „falsch“ in Begriffen des „Kampfes ums Überleben“ interpretierte. Ihm ging es darum, alle Gesetze in Übereinstimmung mit den darwinistischen Prinzipien zu bringen, um es der weißen Rasse zu ersparen, auf das Niveau der australischen Aborigines abzusinken. Seiner Meinung nach war dies aber unvermeidlich, wenn eine Gesellschaft die physisch und geistig Schwachen in ihrer Mitte schützt. Dr. Alfred Ploetz, jener Sozialdarwinist, der die Rassenhygiene in Deutschland begründete, gab öffentlich bekannt, dass er Schallmeyers barbarische Ideen vorbehaltlos unterstütze. Er selbst schlug sogar vor, in Kriegszeiten rassisch minderwertige Soldaten in die vorderste Frontlinie zu stellen, um so die rassisch reinen Soldaten zu schonen. Dadurch würde eine Schwächung des rassisch reinen Teils des “Volksganzen“ verhindert. Er ging sogar noch weiter, indem er vorschlug, bei jeder Geburt sollten Ärzte begutachten, ob das Neugeborene „geeignet“ genug sei, um zu überleben. Ansonsten solle es getötet werden.122
Derart grauenvolle Vorschläge waren nur die ersten Schritte der Eugenik in Deutschland, noch ehe die Nazis an die Macht kamen. Am 14. Juli 1933, vier Monate nach den Reichstagswahlen, die die Nazis an die Macht spülten, begann der Siegeszug der Eugenik und der Bewegung der "geistigen Hygiene“ in Deutschland. Bis zu diesem Tag war die Zwangssterilisation gesetzlich noch verboten, wenngleich illegal häufig praktiziert. An diesem Tag jedoch wurde sie offiziell erlaubt durch das Gesetz zur Vermeidung von Erbkrankheiten in der Nachkommenschaft, kurz Sterilisationsgesetz genannt. Architekt dieses Gesetzeswerks war Ernst Rüdin, Professor für Psychiatrie an der Universität München und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts. Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes veröffentlichte Rüdin, zusammen mit Nazijuristen und Experten dazu auch einen Gesetzeskommentar. Dessen Kernaussage war, die Nation von „rassisch unreinen und unerwünschten Elementen“ zu säubern, um dem Ideal des rassisch reinen Ariers näher zu kommen.

Hilflose und schutzbedürftige Menschen einer so unmenschlichen Praxis wie der Eugenik zu unterwerfen, kann nur jenen einfallen, die den Täuschungen des Sozialdarwinismus verfallen sind. Denn all diesen Menschen muss wegen ihrer Schwäche und Krankheit geholfen werden. Die Nazis jedoch behandelten sie, wie es ihnen passte und richteten Gräuel unter ihnen an, solange sie an der Macht waren.

Gemäß dem schrecklichen Gesetz, das seit diesem Tag in Nazideutschland Geltung hatte, konnte eine Sterilisation auch gegen den Willen des Betroffenen durchgeführt werden. Ein niedergelassener Arzt durfte, notfalls mit Polizeigewalt, ganz legal eine Sterilisation vornehmen. In seinem Buch Into the Darkness: Nazi Germany Today hat der nazifreundlicheAmerikaner Lothrop Stoddard seine Eindrücke von der angewandten Eugenik während seiner Deutschlandreise wiedergegeben. Ein Beamter der Tuberkulose-Abteilung des staatlichen Gesundheitsamtes sagte Stoddard Folgendes:



"Welche Behandlung ein Tuberkulose-Patient erfährt, hängt teilweise von seinem sozialen Wert ab. Wenn er ein wertvoller Staatsbürger und heilbar ist, wird nicht an den Kosten gespart. Falls er erwiesenermaßen unheilbar ist ... wird nichts mehr unternommen, um sein Leben zu verlängern, weil das sowohl nicht in seinem eigenen wie auch nicht im Interesse der Gesellschaft liegt. Deutschland kann nur eine bestimmte Anzahl von Menschen innerhalb eines bestimmten Zeitraums ernähren. Wir Nationalsozialisten sind verpflichtet, nur Individuen mit sozialem und biologischem Wert zu fördern."123

Gemäß den moralischen Werten des Islam hingegen haben alle Menschen Anspruch auf ärztliche Fürsorge. Menschen dem Tod zu überlassen, weil sie nicht wohlhabend genug sind oder krank sind, ist nichts anderes als Mord, und wenn dies planmäßig und systematisch geschieht, ist es Massenmord.

Der Anwendungsbereich des Nazi-Sterilisationsgesetzes wurde systematisch ausgeweitet. Am 24. November 1933 wurde proklamiert, dass „gewohnheitsmäßige Verletzer der öffentlichen Moral“ zwangssterilisiert werden müssten. In den folgenden Jahren zeigte sich, dass die schrecklichen Pläne der Nazis sich keineswegs nur auf Zwangssterilisationen beschränkten.

• Die Nürnberger Gesetze



Das Sterilisationsgesetz reichte den Nazis nicht, um ihr Ziel zu erreichen. Um dem Ziel einer „gereinigten“ arischen Rasse näher zu kommen, wurden 1935 die Nürnberger Gesetze erlassen. Diese die Barbarei legalisierenden Gesetze zementierten das mörderische Vorhaben, die Reinheit der arischen Rasse herzustellen.

Dieses Vorhaben begann damit, dass alle Staatsbediensteten hinsichtlich ihrer Familienstammbäume ausgeforscht wurden. Alle, die keinen lupenreinen arischen Stammbaum vorweisen konnten, wurden zum Ausscheiden aus dem Staatsdienst gezwungen. Die Nürnberger Gesetze teilten das deutsche Volk in Staatsuntertanen und voll anerkannte Staatsbürger mit entsprechenden politischen Rechten. Juden, Zigeuner und andere ethnische Minderheiten galten als Staatsuntertanen ohne Bürgerrechte. Das Zweite Nürnberger Gesetz "Zum Schutz deutschen Blutes und deutscher Ehre" (bekannt als Blutschutzgesetz) sollte die rassische Reinheit der deutschen Nation sicherstellen.
Nach dem neuen Gesetz war eine Heirat zwischen deutschen Untertanen und deutschen Staatsbürgern "Rassenschande", was als Verbrechen geahndet wurde. Zugleich bot das Gesetz eine Grundlage für spätere Praktiken, um "unerwünschte Subjekte" zu isolieren.

• Rassenunterscheidungsprogramme


Der erste Schritt zur Verwirklichung des Eugenik-Programms bestand darin, festzulegen, welche Rassenmerkmale für die Nazis für rassisch „rein“ waren. Als Merkmale der sogenannten Herrenrasse wurde Folgendes definiert:


Blond, groß, langschädelig, schmales Gesicht, ausgeprägte Kieferform, schmale Nase mit hohem Nasenrücken, weit auseinander stehende blassfarbene Augen, rosige Gesichtsfarbe.124

Solche und ähnliche Kriterien, jedes von ihnen offensichtlich Ausgeburt eines kranken Hirns, sind sowohl ein wissenschaftlicher Skandal, als auch moralisch verantwortungslos. Wie schon mehrfach betont, gibt es keinerlei Grund dafür, Menschen wegen der Farbe iher Haut, ihrer Augen oder ihres Haares zu diskriminieren.




 

Schädelmaße, Haarfarbe, Vitalkapazität und Fingerabdrücke wurden von den Eugenikern verwendet, um die "Nichtüberlegenen" zu identifizieren.



 
 
 


Trotz ihrer Unterscheidungskriterien war es für die Nazis aber keineswegs leicht, unterschiedliche Rassen voneinander zu unterscheiden. Zu diesem Zweck griffen sie zu wissenschaftlich völlig unfundierten Methoden wie der Schädelvermessung und Intelligenztests. Frauen, die den Nazistandards genügten, wurden als Gebärmaschinen in dafür bestimmten Häusern gehalten, wo sie von SS-Offizieren geschwängert wurden. Die Kinder, deren Väter unbekannt blieben, wurden ebenfalls in diesen menschlichen Stutenfarmen zur Welt gebracht. Sie galten als nächste Generation der „Herrenrasse“. Doch zum Leidwesen der Nazis war das unerwartete Ergebnis, dass der durchschnittliche Intelligenzquotient dieser Kinder in der Regel unterhalb von dem der Eltern lag.125


• Das T4-Euthanasie-Programm:
"Wissenschaftlicher" Mord



Die Nürnberger Gesetze wurden zur Grundlage noch viel unglaublicherer Maßnahmen, wie des Massenmordes an geistig Behinderten. Das sogenannte T4-Euthanasie-Programm erhielt seinen Namen nach der Adresse in Berlin, von wo aus es verwirklichlicht wurde: Tiergartenstraße 4.
Gemäß dem T4-Programm wurden Unheilbare, physisch oder geistig Behinderte, Menschen mit psychischen Problemen und ältere Menschen getötet, um die „Reinhaltung der Rasse“ zu ermöglichen. Kinder, Frauen und Alte wurden in Gaskammern gesteckt. Aber auch Abertausende unschuldiger Menschen wurden umgebracht, weil sie als schwach oder machtlos galten. Diese Kampagne ordnete Hitler 1939 an. Offiziell wurde sie 1941 beendet, inoffiziell dauerte sie bis zum Kriegsende 1945.

Hitler war sich der Wichtigkeit der Erbfaktoren für das Nazi-Deutschland bewusst. Die neue Generation, aufgewachsen im Licht der gewundenen NS-Propaganda, war vorgesehen, die Anhänger Hitlers zu werden. Die NS-Propagandaexperten konzentrierten sich hauptsächlich auf die Jugend. Eine Anzahl von jungen Menschen mit überlegenen physischen Merkmalen, wurde in spezielle eugenische Lager gebracht, um sie als private Zuchtstätte zu verwenden. Man glaubte, dass durch diese perverse und unmoralische Methode die deutsche Rasse gereinigt und verbessert würde. Die jungen Leute erhielten durch die Nazis eine Gehirnwäsche und waren dieser Ideologie treu ergeben. Diese Menschen, von der NS-Propaganda von jung auf vergiftet, waren nicht in der Lage Recht von Unrecht zu unterscheiden.




Das T4-Programm galt als „Geheime Reichssache“, und alle damit befassten Personen mussten darüber Stillschweigen bewahren. Einer der Gründe, warum tatsächlich damals wenig über das Euthanasie-Programm bekannt wurde, war die Tatsache, dass alle dabei Mitwirkenden später an die gefährlichsten Frontabschnitte versetzt wurden, zum Beispiel nach Jugoslawien, weil die dort kämpfenden Partisanen in der Regel keine Gefangenen machten. Die meisten Augenzeugen der Euthanasie-Kampagne sind an der jugoslawischen Front gefallen.

In seinem Buch Fundamental Outline of Racial Hygiene (Grundlegung der Rassenhygiene) sprach Alfred Ploetz als einer der ersten vom Töten der Kranken und Behinderten. Ploetz zufolge war es ein schwerer Fehler aus Sicht der Erhaltung der Rassenreinheit, Kranke und Schwache zu schützen und sich um sie zu sorgen - also das zu tun, was in einer gesunden Gesellschaft selbstverständlich ist. Stattdessen plädierte Ploetz für deren physische Ausmerzung. Seine Unmenschlichkeit ging so weit, dass er sogar forderte, dass krank oder behindert zur Welt kommende Neugeborene von dabei anwesenden Ärzten sofort durch eine Dosis Morphium getötet werden sollten.

Aber es gab noch andere in den Fußstapfen eines Ploetz. Schon 1922 hatten der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfred Hoche ein Buch veröffentlicht mit dem Titel The Release of the Destruction of Life Devoid of Value (Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens). In diesem Buch vertraten sie die Auffassung, dass Kranke und Behinderte sich selbst und der Gesellschaft nur eine Last seien. Sie zu töten, sei deshalb kein großer Verlust, im Gegenteil: Die Kosten für die Lebenserhaltung dieser „nutzlosen“ Menschen seien unverhältnismäßig hoch, weshalb es besser sei, wenn der Staat diese Gelder irgendwo anders produktiv investieren würde. Als Lösung schlugen sie vor, die physisch und geistig Kranken zu töten und zu diesem Zweck religiöse und gesetzliche Vorschriften zu lockern oder aufzuheben.126 Eines von Hoches aberwitzigen Argumenten war, dass ohnehin moralische Werte hinsichtlich des Schutzes menschlichen Lebens schon bald verschwinden würden und die Ausmerzung „lebensunwerten Lebens“ eine Selbstverständlichkeit werden würde.127

Eine Karikatur aus 1945 zeigte, wie alle Vorhaben von Hitler in Tod und Grausamkeit endeten

Um eine klare Vorstellung davon zu bekommen, wie unvorstellbar grausam solche „Empfehlungen“ sind, braucht man sich nur vorzustellen, selbst in einer Gesellschaft zu leben, wo Derartiges praktiziert wird. Was wäre, wenn Ihre taube Schwester, Ihre blinde Mutter, Ihr geistig verwirrter Großvater, Ihre gelähmte Großmutter, ihr altgewordener Vater vor Ihren Augen abtransportiert werden würden, um getötet zu werden - im Namen der Wissenschaft und zum Wohl der Gesellschaft? Gewiss würden Sie keiner Wissenschaft zugestehen, Menschen zu töten, die Sie lieben. Sie würden sofort erkennen, dass ein solches Vorhaben nur die Ausgeburt kranker Gehirne sein kann. Eine derartige Barbarei würde unbeschreibliches Leid über Sie bringen und jeden, den Sie kennen. Aber dennoch ist so etwas geschehen, vor allem in Nazideutschland, aber auch in anderen Ländern. Diese Morde im Namen der Pseudowissenschaft Eugenik haben tiefe Wunden im Gewissen der Menschheit hinterlassen.
Die Anstrengungen der Evolutionisten, diese Gräuel zu übersehen oder zu verdrängen, sind zum Scheitern verurteilt. Was auch immer sie unternehmen, um sie zu vertuschen - die Tatsachen bleiben unwiderlegbar. Die Menschheit hat durch die Thesen des Darwinismus schreckliches Leid erfahren und große Verluste erlitten.

Als sich die barbarische Eugenik in Nazideutschland ausbreitete, verbreitete sie sich auch in anderen Ländern, vor allem in den USA. 1935 veröffentlichte Dr. Alexis Carrel von Rockefeller Institute sein Buch Man the Unknown (Der unbekannte Mensch), das in innerhalb von drei Jahren in neun Sprachen übersetzt wurde. In seinem letzten, The Remaking of Man überschriebenen Kapitel empfahl er Eugenik und Euthanasie als Lösungen der sozialen Probleme. Er schlug vor, Geisteskranke und Kriminelle in kleinen Euthanasie-Centern zu vergasen. Diese Mordpläne rechtfertigte er mit folgenden Worten:
 „Also bleibt das bisher ungelöste Problem der enorm großen Zahl von Behinderten und Kriminellen. Für die normalen Gesellschaftsmitglieder sind sie eine entschieden zu hohe Last. Wie schon gezeigt, sind riesige Geldsummen notwendig, um Gefängnisse und Nervenheilanstalten zu finanzieren - und all das nur, um die Gesellschaft vor Kriminellen und Verrückten zu schützen. Aber warum lassen wir diese nutzlosen und angsterregenden Wesen weiterleben? Die Anormalen behindern die Entwicklung der Normalen. Dieser Tatsache müssen wir uns stellen. Warum eigentlich sollte sich die Gesellschaft nicht auf eine vernünftigere Weise der Kriminellen und Geisteskranken entledigen? Wir können nicht weiterhin versuchen, die Verantwortlichen von den Verantwortungslosen zu trennen, die Schuldigen bestrafen und jene verschonen, die trotz ihrer Verbrechen als moralisch unschuldig gelten.“
Wir sind nicht berechtigt, Menschen zu verurteilen, selbst dann nicht, wenn sich die Gesellschaft gegen Unruhestifter und gefährliche Elemente schützen muss. Wie kann das bewerkstelligt werden? Gewiss nicht, indem wir größere und angenehmere Gefängnisse bauen. Und auch nicht, indem wir größere und wissenschaftlichere Krankenhäuser bauen. In Deutschland hat die Regierung energische Schritte eingeleitet, um der Vermehrung minderwertiger Menschen, Geisteskranker und Krimineller Elemente Einhalt zu gebieten. Die Ideallösung wäre, all diese Elemente zu eliminieren, sobald sie sich als gefährlich erwiesen haben.

Bis dahin müssen wir mit Kriminellen effektiv umgehen. Möglicherweise sollten Gefängnisse abgeschafft werden und durch kleinere und billigere Einrichtungen ersetzt werden. Bei Kleinkriminellen sollte man zur Peitsche oder einem etwas wissenschaftlicheren Mittel greifen, einschließlich eines anschließenden kurzen Krankenhausaufenthaltes. Das sollte genügen. Kriminelle mit schwerer wiegenden Straftaten sollten in kleinen Euthanasiestationen untergebracht und dort vergast werden. Ähnlich vorteilhaft sollte verfahren werden mit Geisteskranken, die krimineller Handlungen schuldig sind. Eine moderne Gesellschaft sollte nicht zögern, sich in Bezug auf normale Individuen zu organisieren. Philosophische Einwände und sentimentale Vorurteile müssen angesichts dieser Notwendigkeit verstummen. Die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit ist das Endziel der Zivilisation.“128

Dr. Carrel war der Meinung, dass der Mord an Kriminellen und anderen der Gesellschaft gefährlichen Individuen die beste und „ökonomischste” Lösung sei. Wie schon gezeigt, lässt der Sozialdarwinismus, sobald er eine Lösung für soziale Probleme sucht, immer die Dimension der Menschlichkeit außer Acht und schlägt extrem mechanistische, inhumane, rücksichtslose und grausame Lösungen vor, die unvereinbar sind mit dem menschlichen Gewissen. Er betrachtet Menschen entweder als Tiere oder Leibeigene.
Zugegeben, der Kampf gegen das Verbrechen ist von äußerster Wichtigkeit für eine Gesellschaft. Aber dieser Kampf muss geführt werden auf der Ebene von Ideen. Ein gesellschaftliches Umfeld, das Verbrechen ermöglicht und erzeugt, muss brachgelegt werden, und gleichzeitig muss versucht werden, durch entsprechende kulturelle und pädagogische Maßnahmen all jene zu resozialisieren, die kriminell geworden sind. Irrige Auffassungen jedoch, denen zufolge Menschen nur höhere Tiere sind, bilden nur die Grundlage für alle möglichen Verbrechen: Mord, Diebstahl, Raub, und andere Übel. Den Menschen glauben machen, dass es legal ist, Verbrechen zu begehen, sie dann aber mit dem Tod zu bestrafen, ist völlig widersprüchlich. Aus diesem Grund ist es von größter Wichtigkeit, dass alle, die weiterhin die Evolutionstheorie unterstützen - sei es aus Unwissenheit oder Unkenntnis der Katastrophen, die sie schon verursacht hat - das Ausmaß der Gefahr erkennen. Eine Gesellschaft ins Lot bringen zu wollen durch die Ermordung von Kriminellen, ist grausam und barbarisch. Wesentlich wirksamer und dauerhafter ist es hingegen, die Kriminalitätsrate und die Anzahl der Kriminellen dadurch zu senken, dass man die Gesellschaft geistig stärkt - durch entsprechende Erziehung, Steigerung des Lebensstandards und allgemeines Wohlbefinden. Am allerwichtigsten jedoch ist es, den Glauben an Gott und die Religiosität innerhalb einer Gesellschaft zu stärken. Jemand, der Gott liebt und fürchtet, weiß, dass er nach seinem Tod entweder belohnt oder bestraft wird für seine Taten in dieser Welt. Wer Gott liebt, liebt auch alles, was Got erschaffen hat. Er achtet und liebt andere Menschen und handelt stets entsprechend moralischen Grundsätzen. Umso mehr dieser Gedanke in einer Gesellschaft verankert ist, desto mehr wird es in ihr Wohlbefinden, Frieden und Fortschritt geben.

• Hitlers geheime Todesgarantie



Diese Ermächtigung, bekannt als der "Führer-Befehl", bevollmächtigte Nazi-Ärzte, jene Patienten zu töten, deren Tod sie für nötig hielten. Er begründete die angebliche "legale" Basis für die von den Nazi-Ärzten verübten Verbrechen.


Nach Verabschiedung der nazistischen Rassengesetze wurde es notwendig, öffentliches Einverständnis für die Anwendung der Eugenik und vor allem der Euthanasie herzustellen. Dazu wurden verschiedene Propagandamittel, vor allem Filme, eingesetzt, um die Menschen soweit zu bringen, der Lüge zu glauben, es sei zwecklos, mit großem Aufwand fragwürdige gesellschaftliche Elemente am Leben zu erhalten. Die Zeitungen brachten fortlaufend Artikel und Reportagen darüber, wieviel Geld für geistig Behinderte ausgegeben werden müsse und wie man es besser investieren könne. Diese Propaganda wurde auch auf die Schulbücher ausgedehnt.129

Die ersten Euthanasiemaßnahmen in Nazideutschland setzten 1938 ein, nachdem ein gewisser Herr Knauer aus Leipzig einen Brief an Hitler geschrieben hatte, in dem er um einen Arzt bat, der sein blind geborenes Kind mit nur Teilarmen und -beinen vom Leben erlösen solle. Daraufhin schickte Hitler seinen Leibarzt Professor Karl Brandt nach Leipzig, der wunschgemäß das Kind einschläferte.130
Anschließend unterzeichnete Hitler einen Erlass, der Karl Brandt und Reichsleiter Philip Bouhler ermächtigte, in Sonderfällen Euthanasie zuzulassen. Der entsprechende „Führerbefehl“ lautete folgendermaßen:


„Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann. Gezeichnet: Adolf Hitler“ 131


Diese Ermächtigung, die den Mord zum Teil des Alltagslebens machte, wurde zur Grundlage für die Verbrechen der Nazi-Psychiater. Ironischerweise versuchten die Verteidigeranwälte in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen und ähnlichen Prozessen später, dies herunterzuspielen zum bloßen Befehlsempfang und als strafmildernd zu definieren.


• Die Durchführung des T4-Programms



Rauchende Schlote von den Öfen, die zur Verbrennung der Körper in der Hadamar Tötungsanstalt verwendet wurden.

Mitte 1939 wurden die letzten Vorbereitungen für die Umsetzung des Programms getroffen. Im Oktober wurden von Beratern und Psychiatern erstellte Fragebögen über Geisteskranke an Krankenhäuser und andere Institutionen verschickt. Darin ging es um folgende Dinge: Name des Patienten, Stand, Nationalität, Verwandte. Wird der Patient regelmäßig besucht? Wenn ja, von wem? Wer trägt die Kosten? Wie lange befindet sich der Patient bereits im Krankenhaus? Wie lange ist der Patient schon krank? Diagnose, Hauptsymptome? Ist der Patient bettlägrig? Steht der Patient unter Vorbehalt? Wurde der Patient aufgenommen trotz Unheilbarkeit? Ist der Patient kriegsverletzt? Rassische Zugehörigkeit?
Auch an der Kriegsfont wurden diese Fragebögen verteilt.
Im Rahmen des T4-Programms waren vier Frontgruppen installiert worden, um die Anweisungen des T4-Hauptquartiers zu verwirklichen, und während der Nachforschungen wurde von ihnen der Ursprungsort der entsprechenden Maßnahmen geheimgehalten. Wenn ein Krankenhaus oder eine Familie wegen eines Totenscheins oder der Todesursache nachforschte, war es unmöglich, die Angelegenheit weiter zurückzuverfolgen als bis zur Ebene dieser vier Frontgruppen.

Diesen Gruppen zugeordnet war eine weitere Gruppe, deren Mitglieder auf die Tötung von Kindern spezialisiert war. Sie trug den Namen “Reichskomitee für den wissenschaftlichen Umgang mit Schwerkranken infolge von Erbschäden und Veranlagung“ und fungierte als Mutterorganisation von zwei Unterorganisationen: DerWohlfahrtsverein für den Krankentransport“ war zuständig für den Transport der Patienten zu den Tötungszentren. Die „Wohlfahrtsstiftung für staatliche Fürsorge“ war zuständig für die „Restabwicklung“.

Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln der Bernburg Tötungsanstalt

Besonders zynisch war, dass anschließend den Angehörigen der ermordeten Patienten die Kosten für dieses Verbrechen in Rechnung gestellt wurden, wobei diese oft gar nicht wussten, dass sie die Ermordung ihrer Verwandten bezahlten.

Die Fragebögen wurden ausgefüllt von den Ärzten und Psychiatern, die jeweils für die Patienten zuständig waren. Ausgewertet wurden sie von den zuständigen T4-„Experten“. Keiner der Patienten wurde von ihnen medizinisch begutachtet. Ob ein Patient getötet wurde oder nicht, wurde ausschließlich anhand der Fragebögen entschieden.

Zugleich mit der Verschickung der Fragebögen wurde eine Reihe von Kliniken für Geisteskranke entsprechend dem Bedürfnis nach Tötungsmöglichkeiten um- oder neugebaut. Die Todeskammern in diesen Gebäuden wurden als Duschräume getarnt.
Auf diese Weise funktionierte das ganze grauenhafte System. Sobald die Fragebögen eingetroffen waren, wurde an die für die Ermordung von Patienten verantwortlichen Institutionen ein Vermerk des Inhalts geschickt, dass ein entsprechendes Belegbett für Kriegsverwundete freizuhalten sei, oder dass bestimmte Patienten verlegt werden sollten, um besser behandelt werden zu können. Genau diese Patienten wurden dann von einer der Frontgruppen abgeholt und zu einem der Tötungszentren transportiert. Dort wurden sie schon wenige Stunden nach ihrer Ankunft liquidiert.

Nicht nur die geistig Unheilbaren wurden hingeschlachtet. Je mehr das Euthanasie-Programm sich beschleunigte, desto mehr „Lebensunwerte“ wurden in das Programm aufgenommen. Großzügig wurden Totenscheine ausgestellt für geistig Instabile, Schizophrene, Epileptiker, Parkinson-Kranke, Paralytiker, schwächliche Alte, Menschen mit Multipler Sklerose, Gehirntumoren und anderen neurologischen Erkrankungen. Auch Kinder wurden ermordet. Waisenhäuser und Erziehungsanstalten wurden ausgeforscht, um neue Opfer ausfindig zu machen.

Etwa die Hälfte der damals Ermordeten hätte wieder gesund werden können, wenn man ihnen die Möglichkeit gegeben hätte.132
Um die Taten der T4-Oragnisation zu verheimlichen, wurde Wert darauf gelegt, die Tötungszentren wie normale Krankenhäuser aussehen zu lassen. Das hat Viktor Brack, Leiter der 2. Hauptamtes der KdF (Kanzlei des Führers) bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen gestanden. Brack war einer der Hauptverantwortlichen für das Euthanasieprogramm der Nazis. Er hat gestanden, dass die Todeskandidaten mit Seife und Handtuch in die Gaskammern geschickt wurden, um sie glauben zu lassen, sie würden lediglich duschen.




 
The above picture shows a model of the Bernburg Psychiatric Hospital. Blue arrows indicate the route taken by patients on their way to the killing area, and the circled building contains the crematorium and gas chambers. Far right: Dr. Kathe Leichte, a professor in the field of social sciences, was sent to the Ravensbrück concentration camp in 1940. In 1942, she was gassed to death by the Gestapo at the Bernburg Euthanasia Institute. Right: Margarita Singer, the daughter of a professor of zoology, was killed under the euthanasia program.  
 
 

Hochrangige, Hitler fanatisch ergebene Nazi-Schergen suchten das Personal aus, das die Morde beging, wofür sie vorher ein Spezialtraining erhielten. Anfangs durften sie nur dabei zusehen, dann durften sie Patienten zu den Gaskammern führen und die Gasventile aufdrehen. Dann überwachten sie die Sterbenden in ihrem Todeskampf, stellten deren Tod fest, entlüfteten die Gaskammern und entsorgten die Leichen. So wurden sie zu Mördern an Zigtausenden von Unschuldigen.



All diese Morde wurden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt. Alle möglichen Vorkehrungen wurden getroffen, um nichts nach außen dringen zu lassen. Denn in diesen „Kliniken“ wurden nicht Angehörige anderer Rassen umgebracht sondern die meisten waren Deutsche und Österreicher. Wenn die Bevölkerung je erfahren hätte, dass dort ihre eigenen „Landmänner“ getötet wurden, wären sogar die Nazis in beträchtliche Erklärungsnot geraten.
Die angelernten Euthanasie-Kräfte, die mittlerweile zu Tötungsexperten geworden waren, gewöhnten sich schnell an ihr mörderisches Tun und sie wurden immun gegen das Flehen, die Schreie und das Stöhnen der Opfer. Bei all ihren Handlungen wurden sie selbst überwacht und Berichte darüber von Vorgesetzten erstellt. Der dahinter liegende Gedanke war: Wenn sie keine Skrupel hätten, Angehörige der eigenen Rasse zu töten, dann würden sie erst recht Angehörige „minderwertiger“ Rassen umbringen. Deshalb wurden sie gleichzeitig für „weiterreichende Aufgaben“ geschult. Wenn sie jedoch Schwierigkeiten bei der Ausübung ihrer mörderischen Tätigkeit hatten, oder Widerstand zeigten, wurden sie von ihren Vorgesetzten kurzerhand für den Fronteinsatz in sogenannten Selbstmordkommandos versetzt.
Um zuverlässige “Hinrichter” zu werden, wurde ihnen beigebracht, kaltblütige “makellose Mörder” zu sein - damit sie seelisch den Schreien und Zuckungen der Sterbenden und dem Geruch ihres verbrannten Fleisches standhalten konnten. Denn es kostete auch sie Überwindung, mit den Todgeweihten zur Gaskammer zu gehen und ihnen dabei zu erzählen, es wäre ein Duschraum. Dafür wurden sie auf unterschiedliche Weise belobigt und belohnt - unter anderem durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse in geheimer Reichssache.
Dennoch bekam die Bevölkerung Wind von dem, was in den „Kliniken“ vor sich ging, und Proteste wurden laut. Daraufhin wurde bekannt gegeben, dass Hitler höchstpersönlich die Beendigung dieser schrecklichen Maßnahme angeordnet habe. Das war eine Lüge, man änderte nur die Methode: Statt Vergasung wandte man nun Todesspritzen oder Hungertod an. Die Ermordeten wurden in Massengräbern beigesetzt. Die Euthanasie-Verbrechen endeten erst mit dem 2. Weltkrieg.

• Sonderbehandlung 14f13






 
 
 
Links: "Nazi ermordeten auch 200.000 Kranke."Ein Bericht aus der Milliyet vom 10. Oktober 2003
 
 
 


 

 

Nachdem schon Abertausende ermordet waren, weitete die T4-Organisation ihr Tätigkeitsfeld aus unter dem Codenamen “14f13”. Das vorher nur auf Forschungsanstalten und psychiatrische Krankenhäuser angewandte Programm wurde nunmehr auch ausgeweitet auf deutsche und österreichische Strafgefangene, die wegen ihrer unzumutbaren Haftbedingungen krank geworden waren, aber auch auf Juden, Zigeuner und Polen in den Konzentrationslagern. Die Operation 14f13 begann im Oktober 1941. Sonderkommissionen, die aus Psychiatern bestanden, wurden in die Berliner T4-Organisation integriert, um ihrer Meinung nach kranke Personen auszusuchen und in Konzentrationslager zu verschicken. So sollten die Krankenhäuser und Krankenzentren freigemacht werden für Patienten von der Front. Es gab sechs solcher Tötungszentren für diesen Zweck. Auswahlkriterium der Todeskandidaten war ihre Arbeitsfähigkeit: Wenn sie zu schwach zum Arbeiten waren, wurden sie in den Tod geschickt.
Ab 1943 wurden sogar Kinder in Hadamar ermordet, einem der sechs Tötungszentren. Darunter waren auch Kinder aus staatlichen Kinder- und Waisenheimen.133


Der Unglaube ist die Wurzel
der Skrupellosigkeit



... Und was ihr Gutes tut, siehe, Gott weiß es. (Sure 4:127 – an-Nisa)

Nazideutschland ist ein trauriges Beispiel dafür, was Menschen angetan wird, wenn versucht wird, die Ideen des Sozialdarwinismus in die Praxis umzusetzen. Joseph L. Graves Jr., Professor für Evolutionsbiologie und Verfasser von Des Kaisers neue Kleider und Kritiker des Rassismus, schreibt dazu:


Die Tragödie Nazideutschlands zeigt eindringlich, was geschehen kann, wenn man Eugenik, Rassenhierarchie und Sozialdarwinismus konsequent zu Ende denkt.134

Wie konnte es dazu kommen, dass Menschen soviel Hass und Skrupellosigkeit in sich trugen? Wie konnten sie zu kaltblütigen Mördern und Feinden der Menschheit werden? Die Anwort liegt auf der Hand: Sie wurden im Geist des Darwinismus erzogen. Und das bedeutet: Sie hielten Menschen nur für höhere Tiere und das Leben für ein Schlachtfeld. Sie glaubten, dass im Überlebenskampf alle Mittel gerechtfertigt sind und dass daraus eine „naturgegebene“ soziale Ordnung erwachsen wird. Wer leugnet, dass der Mensch von Gott erschaffen worden ist, und wer leugnet, dass seine unsterbliche Seele ihm von Gott eingehaucht worden ist; wer sich weigert, in seinen Mitmenschen Lebewesen mit Vernunft und Gewissen zu sehen, die sich sehr wohl von Tieren und Pflanzen unterscheiden - solch ein Mensch lässt sich zwangsläufig nicht beeindrucken von Massenmorden und dem Leid hilfloser anderer Menschen. Wenn solche Menschen glauben, dass ihnen selbst oder ihren Interessen Unheil droht, fällt es ihnen leicht, bedenkenlos andere Menschen zu töten oder sie zumindest teilnahmslos einem Leben in Armut und Unglück zu überlassen. Von solch herzlosen Menschen kann man nicht erwarten, dass sie Kranken oder Bedürftigen helfen oder sich anderweitig hilfsbereit zeigen. So jemand wird sich nicht einmal um seine eigenen hilfsbedürftigen Eltern kümmern, schon gar nicht um seinen behinderten Bruder, denn das wäre für ihn nur eine Verschwendung von Zeit, Energie und Geld. Wenn sich diese krankhafte Weltsicht weiter ausbreitet, wird bald jeder unter diesen verderblichen Einfluss geraten. In einer solchen Gesellschaft, in der nicht religiöse, moralische Werte, sondern Zerstörung und Katastrophen herrschen, können natürlich Tugenden wie Selbstlosigkeit, Geduld, Mitleid, Zuneigung, Achtung und Hingabe nicht gedeihen.
 

DİPNOTLAR


103. K. Ludmerer, Eugenics, In: Encyclopedia of Bioethics, Edited by Mark Lappe, The Free Press, New York, 1978, s.457

104. Thomas Robert Malthus, An Essay On The Principle of Population, Sixth Edition, 1826, based on the second edition (1803)

105. Charles Darwin, The Descent of Man, 2nd Ed., s. 133–134, 1887

106. Charles Darwin, İnsanın Türeyişi, s. 171

107. Charles Darwin, The Descent of Man, s. 945  

108. Allan Chase, The Legacy of Malthus, Chicago:University of Illinois Press, 1980, s.136).

109. Francis Galton, Hereditary Genius: An Inquiry into its Laws and Consequences, London:Macmillan, 1892, s. 330

110. Joseph L. Graves Jr., The Emperor's New Clothes, Rutgers Universtiy Press, 2001, s. 96

111. Joseph L. Graves Jr., The Emperor's New Clothes, Rutgers Universtiy Press, 2001, s. 98

112. Joseph L. Graves Jr., The Emperor's New Clothes, Rutgers Universtiy Press, 2001, s. 98

113. Nature, 116 (1925), s. 456

114. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 18

115. http://www.politicalamazon.com/pioneerfund.html

116. Joseph L. Graves Jr., The Emperor's New Clothes, Rutgers Universtiy Press, 2001, s. 116-117

117. Joseph L. Graves Jr., The Emperor's New Clothes, Rutgers Universtiy Press, 2001, s. 119

118. Ian Kershaw, Hitler, volume 1, 1998, s. 134

119. R. Youngson, Scientific Blunders; A Brief History of How Wrong Scientists Can Sometimes Be, Carroll and Graf Pub., New York, 1998

120. A. Hitler, Hitler’s Secret Conversations 1941–1944, With an introductory essay on The Mind of Adolf Hitler by H.R. Trevor-Roper, Farrar, Straus and Young, New York, 1953, s. 116

121. A. Hitler, Hitler’s Secret Conversations 1941–1944, With an introductory essay on The Mind of Adolf Hitler by H.R. Trevor-Roper, Farrar, Straus and Young, New York, 1953, s. 116

122. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 11

123. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s.22

124. J.C. Fest, The Face of the Third Reich, Pantheon, NY, 1970, s. 99–100

125. Jerry Bergman, Darwinism and the Nazi Race Holocaust, http://www.trueorigin.org/holocaust.asp

126. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 17

127. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 17

128. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, II. Bölüm

129. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 32

130. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 32

131. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 33

132. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 40

133. Bernhard Schreiber, The Men Behind Hitler - A German Warning to the World, http://www.toolan.com/hitler/Hitler, s. 40

134. Joseph L. Graves Jr., The Emperor's New Clothes, Rutgers Universtiy Press, 2001, s. 128

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