Harun Yahya

Niemals Vergessen!



Denkt einmal daran, wieviele Einzelheiten es in euerem Leben gibt, die nicht vergessen werden dürfen. Es geht am Morgen mit dem Aufstehen los und den ganzen Tag über gibt es so viele Dinge, bei denen ihr euch immer wieder vorsagt “dies darf ich nicht vergessen”. Vielleicht macht ihr euch extra Notizen um Nichts zu vergessen oder greift zu andere Methoden. Manchmal möchte man nicht einmal daran denken, dass etwas, was einem wichtig erschien, vergessen wurde.

Was würdet ihr also tun, wenn wir euch sagen würden, dass ihr etwas vergessen haben könntet, das mindestens ebenso wichtig ist?

Wir haben dieses Buch vorbereitet, um euch an die wichtigsten Belange des Lebens zu erinnern. Denn der Mensch ist vergesslich, er gibt sich dem Lauf des Lebens hin, und – wenn er seinen Willen nicht benutzt – entfernt sich von den Belangen, die eigentlich seine gesamte Aufmerksamkeit erfordern. Der Mensch vergisst, dass Gott ihn in jeder Beziehung umarmt und umfasst, ihn stets beobachtet, ihm zuhört; der Mensch vergisst, dass er die Rechnung für alle seine Taten vor Gott ablegen wird, dass außer der Existenz von Tod, Grab, Paradies und Hölle und der Göttlichen Vorsehung nichts geschieht und dass alle Ereignisse in seinem Leben einen Nutzen haben.

Außerdem ist der Mensch ein Lebewesen, das leicht der Gedankenlosigkeit verfällt. Man kann einen Fehler machen, gedankenlos handeln, und das richtige Verhalten vergessen, das in diesem Moment erforderlich gewesen wäre. Doch bei einem aufrichtigen Menschen dauert dieses Vergessen nur einen kurzen Moment, dann erinnert er sich und bereut, wendet sich wieder Gott zu und setzt sein Leben Seinen Befehlen entsprechend fort. Den Gläubigen wurde im Quran folgendermaßen von den Gebeten zu Gott berichtet:

... Unser Herr, strafe uns nicht für Vergesslichkeit und Fehler... (Sure al-Baqara, 286)

Sicherlich ist die Vergesslichkeit, von der hier die Rede ist, nicht gleichzusetzen mit der Vergesslichkeit, die einem im täglichen Leben begegnet. Die Art von Vergesslichekit, von der hier gesprochen wird, bezieht sich vielmehr auf das Nicht-Denken, Nicht-Beachten und Vernachlässigen einiger Tatsachen, zu denen der Mensch intelektuell eigentlich in der Lage wäre.

Was ist es also, das die Menschen durch Vergessen vernachlässigen?



Zweifellos ist das lebenswichtigste Thema, das der Mensch vergessen kann, die Existenz eines Schöpfers. Ohne Ausnahme ist jeder Mensch Unserem Schöpfer Gott gegenüber verantwortlich. Der Mensch vergisst auch, dass er als Ergebnis dieser Verantwortung Rechnung ablegen wird, er ins Paradies oder in die Hölle gelangt, und ihn ein endloses Leben erwartet. Die Existenz von Höllenfeuer und paradiesischen Wohltaten ist so tatsächlich, wie der Moment, in dem wir leben. Aber wie dem auch sei, die Menschen glauben, dass sie durch Nicht-Denken vor diesen Tatsachen fliehen können und betrachten sie als einen Gegenstand, der sie selbst nicht besonders interessiert, obwohl die meisten Menschen Kenntnis hiervon haben.

Doch natürlich mindert Vergessen die Verantwortung des Menschen nicht. Der Mensch ist gegenüber Gott verantwortlich, Der ihn erschuf; früher oder später wird er mit dem Tode Bekanntschaft machen, vor Unseren Hernn treten, Rechnung ablegen und im Ergebnis daran entweder endlos im Paradies oder in der Hölle leben. Ebenso wie in dem Vers "Und Wir erschufen den Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist gewiss nicht zu Scherz und Zeitvertreib." (Sure al-Anbiya, 16) mitgeteilt ist, wurde alles, einschließlich dem Menschen zu einem bestimmten Zweck erschaffen. Deswegen sind die Menschen keine herrenlosen Wesen, sondern wurde erschaffen .. dass sie Mir dienen..." (Sure adh-Dhariyat, 56) Doch wenn sich der Mensch von Alltagsgeschäften einnehmen läßt und seinen Verstand nicht benutzt, kann er diese große Tatsache vergessen. Denn nur diejenigen, die lange über die Ereignisse und das Wesen der Umgebung nachdenken, kommen zu diesem bedeutenden Ergebnis.

         Auch wenn der Mensch nur an seine eigene Erschaffung denkt, bemerkt er die Wohltaten, die Gott ihm schenkte und gelangt zu dem Bewußtsein, dass er sich darum bemühen muss, seine Bindung zu Unserem Herrn zum Ausdruck zu bringen. Denn als der Mensch noch nichts war, begann er das Leben als eine winzigkleine, mit dem bloßen Auge noch nicht erkennbare Zelle, und wurde durch die ständige Teilung und milliardenfache Vermehrung der Zellen zu einem Menschen mit hervorragenden Organen. Doch das Wichtigste ist, dass dieses Wesen, als es noch nichts war, bereits über eine Seele verfügte. Ein Tropfen Wasser wurde zu einem Stück Fleisch und dann zu einem denkenden und sprechenden Wesen; dies bedeutet, dass Gott den Menschen aus dem Nichts erschuf. Doch trotzdem vergessen manche Menschen, dass sie erschaffen wurden, bringen verquere Beispiele gegen Gott vor und verleugnen Unseren Herrn. Von dieser Situation berichtet Gott folgendermaßen in den Versen:

Und er stellt mit Uns Vergleiche an und vergisst dabei, dass er selbst eine Schöpfung ist. Er spricht: "Wer belebt die Gebeine, wenn sie zerfallen sind?' Sprich: "Leben wird ihnen Der wiedergeben, Welcher sie zum ersten Mal erschuf, denn Er kennt jegliche Schöpfung. (Sure Ya Sin, 78-79)

         Möchtet auch ihr eine solche Situation vermeiden und euch Unserem Herrn gegenüber nicht undankbar verhalten, dann denkt nach und lasst euch nicht vom Alltag mitreißen. Denn der Mensch erinnert sich nur an Gott, wenn er nachdenkt, und nur dann gelangt er zu dem Bewußtsein, dass er Ihm gegenüber eine Verantwortung hat; nur wenn er nachdenkt, erinnert er sich daran, dass die Welt für ihn nur ein kurzer Aufenthaltsort ist und er eine Rechnung über all das ablegen muss, was er hier getan hat. Nur wenn der Mensch nachdenkt, vergisst er nicht.

         An dieser Stelle ist es sinnvoll auf einen Punkt hinzuweisen: Keines der Themen, auf die wir euch in diesem Buch hinweisen, ist von der Art, die man “wäre gut, wenn ich es nicht vergessen würde” nennen könnte. Kein einziges dieser Belange dürft ihr aus euerem Gedächtnis löschen. Denn für die Dauer eueres Erinnerns verehrt ihr Gott, wie es erforderlich ist und stellt Ihn zufrieden. Vergesst auch nicht, dass ihr nur auf diese Weise Rettung vor der Welt und am Jungsten Tag erlangen könnt.

         Gott prüft euch und zeigt euch zwei Wege, von denen ihr frei sind, einen zu wählen; doch vergesst nicht, dass der eine Weg zu endloser Qual, der andere zu endloser Glückseligkeit führt.

Und ihm die beiden Wege gezeigt? Und doch nimmt er nicht den steilen Weg! Und was lässt dich wissen, was der steile Weg ist? Die Freilassung eines Gefangenen! Oder während der Hungersnot zu speisen Eine verwandte Waise Oder einen Armen, der im Staub liegt! Dann wird er zu denen gehören, die glauben und zu Geduld und Barmherzigkeit mahnen: Das sind die Gefährten der Rechten. Diejenigen aber, die Unsere Botschaft verwerfen, das sind die Gefährten der Linken. Über ihnen schlägt ein Feuer zusammen. (Sure al-Balad, 10-20)

 

Kategorien des Buches

Desktop View