Harun Yahya


EINFÜHRUNG



Während Sie diese Zeilen lesen, wird in der ganzen Welt weiter Krieg geführt, sterben Menschen oder werden verletzt, sind Menschen gezwungen, ihre Häuser oder ihre Heimat zu verlassen. Hunderte Kilometer legen die Flüchtlinge im Regen und Schnee zurück, dabei kämpfen sie gegen den Hunger, den Durst und Seuchen. Doch die Personen, welche diese Tyrannei verursachen, führen mit gutem Gewissen ihr Leben weiter, essen und können friedlich in ihren warmen Betten schlafen. Wenn wir einige Länder auf der Welt betrachten, so können wir feststellen, dass die Gerechtigkeit zu einer Prozedur geworden ist, die von einigen wenigen, wenn sie dies gerade wünschen, angewendet wird. Wenn die Bedürftigen "Mitleid erregen", so reicht man ihnen die Hand und man verhält sich ihnen gegenüber gerecht. Überall auf der Welt machen Menschen ungerechtfertigte Gewinne, beugen die Rechte der Armen und leben in Wohlstand. Während unschuldige Menschen bestraft werden, genießen die wahren Schuldigen einen guten Ruf und Ansehen.

Kurz gesagt, in vielen Ländern der Welt regiert die Ungerechtigkeit. Aber warum? Verstehen die Menschen nicht die Notwendigkeit von Gerechtigkeit?

Eigentlich verstehen alle Menschen unter dem Begriff Gerechtigkeit dasselbe und er wird von den meisten Menschen weltweit akzeptiert. Dabei handelt es sich um eine Gerechtigkeit, die ohne Unterschied alle Menschen einschließt, trotz der Unterschiede in Sprache, Religion oder Abstammung und die darauf abzielt, eine Welt zu errichten, in der nicht der Stärkste regiert und alle Menschen am Recht teilhaben können.

Der Einfluss, unter dem sich die Menschen von dieser Gerechtigkeit, die sie alle akzeptieren, entfernen, liegt im Konflikt mir ihren eigenen Interessen. So weiß beispielsweise jeder, dass Bestechungsgelder kein guter Weg sind und dass es eine Ungerechtigkeit darstellt und unmoralisch ist, diese anzunehmen. Doch einige Menschen legen sich eine Vielzahl von "Begründungen" zurecht, wenn ihnen ein attraktives Bestechungsangebot gemacht wird und denken nicht einmal mehr über die genannten Maßstäbe mehr nach.

Genauso weiß und akzeptiert jeder, dass man vor Gericht als Zeuge unbedingt die Wahrheit sprechen muss und die Wirklichkeit wiedergeben. Dennoch verändern einige Menschen ihre Meinung, wenn sie vor Gericht als Zeugen aussagen sollen und es um einen Vorteil für sich selber oder ihre Nächsten geht und erzählen ohne weiteres Lügen. Diese Menschen akzeptieren prinzipiell die Gerechtigkeit, doch wenn sie im Konflikt mit ihrem eigenen Vorteil stehen, dann beugen sie das Recht ohne zu zögern. Auch würde jeder im Prinzip zustimmen, dass die Güter der öffentlichen Hand gerecht verteilt werden sollten. Doch wenn eine "Hilfskampagne" durchgeführt wird, dann unterdrückt ein Mensch den anderen, um mehr zu bekommen als ein anderer, ja sogar mehr als ihm selber zustehen würde. Und wieder steht der eigene Vorteil über der Gerechtigkeit.

Wir könnten viele solcher Beispiele anführen. Doch letztendlich würden wir nur wieder auf dieselbe Tatsache stoßen: Wenn es um den eigenen Vorteil geht, sind einige Menschen bereit die Gerechtigkeit zu beugen, auch wenn sie an die Notwendigkeit der Gerechtigkeit eigentlich glauben. Weil in manchen Gesellschaften Menschen, die so denken, die Mehrheit bilden, bleibt der Begriff Gerechtigkeit illusionär.

Damit die Gerechtigkeit auf Erden Verbreitung finden kann, braucht die Menschheit ein Moralsystem, das sie davon abbringt, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht zu sein. Diese Moral hat uns Gott beigebracht und aufgetragen, es ist die Moral des Quran. Denn die Moral des Quran sieht keinerlei Unterschied zwischen den Menschen vor und befiehlt eine reine, direkt von Gott gegebene Wahrheit. Gott befiehlt in der Sure an-Nisa, dass jemand auch dann gerecht handeln soll, wenn sich das zu seinen Ungunsten auswirkt:

 












O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Gott steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Gott weiß, was ihr tut.(Sure an-Nisa, 135)












Wie der Vers mitteilt, ist die wahre Gerechtigkeit die Gerechtigkeit, die aus der Ehrfurcht vor Gott entsteht, die durch die Beobachtung von Gottes Barmherzigkeit entsteht und keinerlei Unterschied trifft. Wenn eine solche Gerechtigkeit angestrebt wird, so wird einzig und allein nach dem Gesetz entschieden, ohne auf den persönlichen Gewinn, Freundschaft, Feindschaft oder auf die Weltsicht der Person, ihre Sprache, Rasse oder Hautfarbe zu achten. Eine Gesellschaft, die nach den moralischen Werten des Quran lebt, lebt mit wahrer Gerechtigkeit, wahrem Frieden und in Sicherheit. Denn lediglich jemand, der Ehrfurcht vor Gott empfindet und in seine Berechnung einbezieht, dass am Tag der Abrechnung alle seine Taten in die Waagschale gelegt werden, kann für wahre Gerechtigkeit sorgen.

Das hat uns die Geschichte bewiesen. Denn es gibt, wie Gott uns wissen lässt, zu allen Zeiten der Geschichte Zeiten "... unter denen, die wir erschufen eine Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet und ihr gemäß gerecht handelt" (Sure al-A'raf, 181), also Zeiten, in denen Gerechtigkeit herrschte. Insbesondere zur Zeit der Propheten und auch später, während deren Wegen gefolgt wurde, wurde sehr gerecht regiert und die Gesellschaft lebte in Frieden und Sicherheit. So wurde beispielsweise das Muslimisch-türkische Volk in den vergangenen Jahrhunderten für die ganze Zeit ein Beispiel für wahre Gerechtigkeit. Sowohl in Seldschukischer als auch in Osmanischer Zeit haben die Angehörigen sehr unterschiedlicher Religionen, mit unterschiedliche Sprachen und verschiedenen Gesellschaften unter einer Flagge friedlich zusammengelebt und für Gerechtigkeit in der Gesellschaft gesorgt. Die Muslimischen Türken waren dafür bekannt, dass sie überall dorthin, wo sie auftauchten, Gerechtigkeit brachten und wegen ihres toleranten, friedlichen und barmherzigen Verhaltens wurden sie von den Völkern, die sie eroberten, freundlich empfangen.

Das Ziel dieses Buches besteht darin, die im Quran beschriebene Gerechtigkeit dem Menschen näher zu bringen. Doch vergessen Sie dabei nicht, dass auch Sie etwas dafür tun müssen, um so in Frieden und Sicherheit leben zu können. Falls auch Sie so ein friedvolles Leben führen möchten und den kommenden Generationen Gerechtigkeit und ein sicheres Umfeld bieten möchten, sollten zuforderst Sie die Gerechtigkeit erkennen und den Menschen ein Vorbild sein. Auch Sie haben die Möglichkeit einer von denjenigen zu sein, die in dem Vers als "Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet" beschrieben wird, zu sein. Vergessen Sie nicht: "... Gott liebt die Gerechtigkeit Übenden." (Sure al-Ma'ida, 42)

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