Harun Yahya

Vorwort



Steht Ihnen Gott nahe genug, der Eine, der Sie erschaffen hat und Sie in diese Welt gesetzt hat, der Sie mit Intelligenz ausgestattet hat und mit einem Körper? Wann haben Sie das letzte Mal zu Ihm gebetet? Beten Sie nur zu Gott, wenn Sie Sorgen haben oder halten Sie Ihn sich ständig in Erinnerung?
Sind Sie sich der Tatsache bewusst, dass Gott Ihnen sehr nahe ist, dass Er alles weiss, was sie flüstern oder auch nur denken? Denken Sie an Ihn als Ihren Herrn, den Herrn aller Menschen? Oder daran, dass Er Ihr intimster Freund ist, der Sie versorgt und dass Sie von Ihm alles erbitten können?
Wie Sie diese Fragen auch immer beantworten mögen, es ist zu Ihrem Vorteil, dass Sie dieses Buch lesen, denn es erklärt, wie nahe Gott Seinen Dienern steht und welche Art Gebet Er von Ihnen verlangt. Gott betont die Bedeutung des Gebets in dem Vers:
Sprich: "Mein Herr kümmert sich nicht um euch, solange ihr Ihn nicht anruft. Doch ihr habt ja geleugnet, und das wird euch nun anhaften." (Sure 25:77 -  al-Furqan)
Auch unser Prophet erinnert die Muslime an das Gebet mit den Worten: "Nichts ist Gott lieber, als einer Seiner Diener, der zu Ihm betet." (Tirmidhi) Es gibt keine Grenzen im Gebet zu Gott und dafür, Ihm nahe zu sein. Darum gereichen das Verständnis des Gebets und die Hingabe im Gebet jedem zum Vorteil.
Das Gebet ist das Band zwischen Gott und den Menschen. Der Mensch besitzt das angeborene Bedürfnis, eine Bindung zu Gott herzustellen: es ist seine ureigenste Natur. Das Gebet ist ein wesentlicher, natürlicher Teil im Leben des Gläubigen, obwohl die meisten Menschen nur in Zeiten von scheinbar unüberwindlicher Not beten. Doch Gott zieht es vor, dass wir sowohl in guten Zeiten, als auch in Zeiten schwerer Mühsal zu Ihm beten. Aus diesem Grund wird im Quran genauestens beschrieben, wie man aufrichtig zu Gott betet.
Der Quran beschäftigt sich in 209 Versen direkt oder indirekt mit dem Gebet, was darauf hinweist, welche Bedeutung das Gebet hat. Wer die Verse liest, versteht das Wesen dieser Form des Gottesdienstes besser.
Beten heisst, Gott anrufen, sich an Ihn wenden, inbrünstig bitten, um Hilfe bitten. Im Quran wird das Gebet auch beschrieben als das "sich wenden an Gott mit seiner ganzen Seele" und als das Eingeständnis der Schwäche und Ohnmacht vor Gottes unendlicher Macht und an Ihn gerichtete Bitte um Hilfe.
Jeder, der an Gott glaubt, betet zu Ihm in der einen oder anderen Weise. Doch für die meisten Menschen ist das Gebet nur die letzte Zuflucht, nachdem sie in Zeiten der Sorge alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Wenn die Not vorüber ist, vergessen Sie, sich an Gott zu erinnern und Ihn anzuflehen, bis zur nächsten Zeit der Not.
Andere missverstehen das Gebet vollständig. Für sie ist das Gebet irgendein unverständliches Ritual, das von den älteren Familienangehörigen gelehrt wurde. Sie denken nicht an Gottes Existenz, Seine Grösse und Macht, wenn sie beten. Sie denken kaum daran, dass Gott die Menschen immer sehen und hören kann und dass Er auf Gebete antwortet. Sie wiederholen auswendig gelernte Worte, ohne je über deren Bedeutung nachzudenken. Doch die Form des Gebets, die Gott im Quran beschreibt – das Thema dieses Buches – ist etwas völlig anderes.
Dem Quran entsprechend ist das Gebet der einfachste Weg, Gott zu erreichen. Rufen wir uns einige der Eigenschaften Gottes in Erinnerung. Er ist der Eine, der den Menschen näher ist, als ihre eigene Halsschlagader, der Eine, der alles weiss und alles hört... Nicht ein einziger der innersten Gedanken eines Menschen bleibt Gott verborgen. Da dies so ist, reicht es aus, es zu denken, wenn man etwas von Ihm erbittet. Das zeigt, wie leicht es ist, mit Gott in Kontakt zu treten.
Gott ist zufrieden, solange die Menschen sich bewusst sind, Seine Diener zu sein. Entsprechend sind die Hinwendung zu Gott, das Eingestehen der eigenen Fehler und die an Ihn allein gerichtete Bitte um Hilfe die Grundvoraussetzungen, um Gottes Diener zu sein. Jede gegenteilige Haltung bedeutet, überheblich gegenüber Gott zu sein, was dem Quran zufolge zu ewigen Qualen in der Hölle führt.
Heutzutage werden das Gebet wie auch andere Formen des Gottesdienstes von vielen Menschen als eine überflüssige Tradition angesehen. Diese Haltung wird verstärkt von der Vorstellung, die Welt sei selbstständig und unabhängig von Gott. Manche nehmen an, der Mensch habe die Kontrolle über die Ereignisse in seinem Leben, und so fühlen sie kein Bedürfnis, zu Gott zu beten, es sei denn, sie sind in grosser Not oder dem Tode nahe. Es ist ein Wahn, der die Menschen in manchen Fällen sogar glauben lässt, das Gebet sei eine Form von Magie, die bis in unsere Tage hinein überlebt hat. Doch die Wahrheit ist: Das Gebet ist eine Form des Gottesdienstes, die jeden Aspekt des Lebens durchdringt.
Alle Menschen, ohne Ausnahme, brauchen Gebete. Es ist falsch, anzunehmen, ein armer Mensch, der sein Leben unter harten Bedingungen fristen muss, habe das Gebet nötiger als jemand, der wohlhabend ist. Es ist falsch zu denken, jemand der alles, was er wünschte, bekommen hat, habe das Gebet nicht nötig, denn diese Überzeugung begrenzt die Bedeutung des Gebets auf die Befriedigung weltlicher Wünsche. Gläubige beten für ihr Leben in dieser und in der nächsten Welt. Das Gebet wird begleitet von Gott vertrauen, wodurch der Betende zu dem Bewusstsein gelangt, dass der Schöpfer und Richter des Universums Herr der Ereignisse ist, die dem Menschen in seinem Leben widerfahren, seine es unbedeutende oder grosse Ereignisse. Nur das Bewusstsein, dass alle Wege, ein Problem zu vermeiden oder zu lösen, bei Gott dem Allmächtigen sind, und allein das Vertrauen in Ihn und das Gebet zu Ihm geben dem Gläubigen das Gefühl der Erleichterung und der Sicherheit.

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