Harun Yahya

ENGLAND'S 11. SEPTEMBER

Am Donnerstag, den 7. Juli 2005 erschütterte eine Serie von Bombenanschlägen die britische Hauptstadt London. Die barbarischen Attacken forderten Dutzende Tote und einige hundert Verletzte und richteten darüber hinaus schlimme psychologische und grosse materielle Schäden an.
Die Ereignisse in London wurden in einer Weise als "islamischer Terror" bezeichnet, die die gesamte islamische Welt tief verletzt. Doch wer so grausam ein solches Blutbad unter unschuldigen Menschen, ohne Rücksicht auf Frauen und Kinder anrichtet, kann sich in keiner Weise auf die Religion berufen. Schon der Begriff "islamischer Terror" bekümmert die Herzen aufrichtiger Gläubiger denn er beschuldigt eine Gemeinschaft, die über eine Milliarde Menschen zählt.
Die Attentate haben nichts zu tun mit dem wahren Islam, wie er von Gott im Quran befohlen wird. Das Konzept des Terrors hat keinen Platz im wahren Islam. Keine der heiligen Religionen erlaubt Gewalt. Wenn wir in den Quran schauen, die einzige Quelle des Islam und auf die Praxis aller muslimischen Herrscher der Geschichte, angefangen mit unserem Propheten - möge Gott ihn segnen und Frieden auf ihm sein lassen - dann sehen wir diese Wahrheit in aller Deutlichkeit.
Der Terrorismus ist eine schreckliche Plage, von der die Welt seit Hunderten von Jahren infiziert ist. Auch wenn sich die Aktionen von Land zu Land unterscheiden mögen, so zielen doch alle Terrororganisationen auf schutzlose Zivilisten.
Bei dem Terrorangriff in Oklahoma in den USA wurden 167 Menschen brutal ermordet, darunter 19 Kinder.
Ein fanatischer Jude, der das Feuer in einer Moschee in Palästina auf betende Muslime eröffnete, erschoss 29 Menschen.
Tausende Menschen verloren im Lauf der Jahre ihr Leben bei Angriffen auf Muslime in Indien.
Seit Jahren werden größere und kleinere Terrorangriffe in Frankreich, Spanien, den Philippinen, Japan und Irland verübt.
Man könnte fortfahren mit solchen Beispielen. Doch im Jahr 2001 sah sich die ganze Welt dem Terror gegenüber. Nach den Attacken auf zwei Grosstädte in den USA, bei denen Tausende getötet und verletzt wurden, wurde das Konzept des Terrorismus erneut debattiert. Denn der Angriff wurde zu einer unerwarteten Zeit gegen ein Land geführt, das als die einzige Supermacht der Welt angesehen wird, und in einer völlig unvorhergesehenen Weise. Der Angriff schuf eine Atmosphäre der Furcht und der Panik, besonders in Amerika.
Nach den Angriffen unternahmen die USA einen großangelegten Kampf gegen den Terror. Viele Länder haben sich ihm angeschlossen und unterstützen ihn. Die Bombenserie in Istanbul, gerade als man glaubte, man habe die Kräfte des Terrors unter Kontrolle gebracht, erinnerte die Menschen wieder an das dunkle Gesicht des Terrors: zuerst die Synagogen, dann das britische Konsulat, dann die Hauptzweigstelle der HSBC Bank...
Das Samstagsgebet, dass dort seit Jahrhunderten abgehalten wird, wurde durch die Bomben vom 15. November beendet. 24 Menschen wurden in den Explosionen in der Neva Shalom Synagoge in Beyoglu Kuledibi und der Beth Israel Synagoge in Sisli getötet, und 300 wurden verletzt. Dutzende mehr ließen ihr Leben in den Explosionen des britischen Konsulats und der HSBC Bank und hunderte wurden verletzt. Bilder, ähnlich denen des 11. September, erschienen auf unseren Fernsehschirmen. Zerstörte Gebäude, in Panik fliehende Menschen, ausgebrannte Busse, Leichen in den Strassen…
Nach den Ereignissen in Istanbul schlug der Terror in Europa zu. Das erste Ziel war Spanien, das über hunderte Jahre Muslime zu Gast hatte. Die Bomben in drei großen Bahnhöfen in Madrid töteten 199 Menschen, 1247 wurden verletzt. Nach den Terroranschlägen blieben die Toten, die Verletzten, Furcht, Wut und Hass, die alle europäischen Muslime unter Generalanklage stellten...
Und nun die Bomben, die in der Londoner Untergrundbahn und dem Bus explodierten, beides öffentliche Verkehrmittel, eine Stadt voll von Toten und Verletzten... Was wir in diesem Artikel betonen wollen, ist, dass der Islam sich gegen Terrorangriffe und das Töten von Unschuldigen wendet. Der Islam verurteilt jede Form terroristischer Angriffe. Nach dem Quran ist es ein großes Verbrechen, einen unschuldigen Menschen zu töten, und jeder der das tut, wird im Jenseits große Qualen erleiden:
… wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. Und zu ihnen kamen Unsere Gesandten mit deutlichen Beweisen; aber selbst dann wären viele von ihnen (weiterhin) ausschweifend auf Erden. (Quran, 5:32)
Dieser Vers setzt das Töten eines Unschuldigen gleich mit dem Umbringen der gesamten Menschheit. Ein weiterer Vers drückt die Bedeutung des menschlichen Lebens aus:
Und diejenigen, welche neben Allah keinen anderen Gott anrufen und niemand töten, wo Allah doch zu töten verboten hat, außer nach Gesetz und Recht; und die keine Unzucht begehen: Wer solches tut, findet Strafe. (Quran, 25:68)
Jeder Muslim, der ehrlichen Herzens an Gott glaubt, der Seinen Versen sorgfältig folgt und die Qual des Jenseits fürchtet, wird nie auch nur einen einzigen Menschen verletzen. Er weiß, dass der Herr der unendlichen Gerechtigkeit ihm alle seine Taten in angemessener Weise vergelten wird. In einem der Hadithen zählt unser Prophet - möge Gott ihn segnen und Frieden auf ihm sein lassen - die Art Menschen auf, die Gott nicht wohlgefallen:
Jene, die grausam und ungerecht handeln in den heiligen Landen, jene, die sich nach dem Weg der Unwissenden sehnen und jene, die fälschlicherweise das Blut der Menschen vergießen. (Sahih Bukhari Hadith)
Der Terror wird verschwinden, wenn die Menschen beginnen, nach den moralischen Werten des Islam zu leben
Im Quran (32:9), enthüllt Gott, dass er dem Menschen, Seiner Schöpfung, Seinen Atem eingehaucht hat, und dass der Mensch sein Vertreter auf Erden ist. (Quran, 6:165). Der wichtigste Unterschied zwischen Mensch und Tier ist, dass der Menschen mit irdischen Wünschen erschaffen wurde und mit einem Gewissen. Jeder Mensch besitzt Wünsche, die ihn zum Bösen verleiten, und er besitzt ein Gewissen, dass ihn anleiten kann, das Böse zu vermeiden. Neben den positiven moralischen Attributen, die vom Gewissen inspiriert sind - Liebe, Opferbereitschaft, Mitgefühl, Bescheidenheit, Zuneigung, Ehrlichkeit, Treue und Freundlichkeit - besitzt er auch zerstörerische, unerwünschte Tendenzen, die von den irdischen Wünschen herrühren. Doch dank seines Gewissens kann der Gläubige zwischen richtig und falsch unterscheiden und sich für das moralisch richtige entscheiden. Ein starker Glaube und Gottesfurcht, Glaube an das Jenseits, eine starke Furcht vor den endlosen Qualen der Hölle und das Streben nach dem Paradies halten die Versuchungen der irdischen Wünsche im Zaum. Darum benimmt er sich stets anständig den Menschen gegenüber, verzeiht, antwortet dem Bösen mit dem Guten, hilft den Bedürftigen und zeigt Mitgefühl, Liebe, Zuneigung und Toleranz.
Terroristen andererseits hören auf ihren irdischen Wunsch nach Gewalt anstatt auf ihr Gewissen, und sie können leicht alle Formen von Bösartigkeit entwickeln. Sie werden lieblose, aggressive Menschen, die ohne den leisesten Gewissensbiss andere verletzen können. Da sie keine Gottesfurcht empfinden, praktizieren sie nicht die Moral der Religion, und nichts hält sie ab, Verbrechen zu begehen. Die herrschenden Gesetze einer Gesellschaft, mit denen die Bürger eingeschränkt werden, greifen nur bis zu einem gewissen Grad. Dank seiner Sicherheitskräfte kann der Staat Strassen und öffentliche Plätze teilweise schützen, und dank einer starken Justiz kann er angemessene Maßnahmen ergreifen, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten und sicherstellen, dass die Verbrechensrate sinkt. Doch da es unmöglich ist, jedes einzelne Individuum 24 Stunden am Tag zu überwachen, ist es notwendig, dass Menschen entsprechend ihres Gewissens handeln. Wer die Stimme seines Gewissens nicht beachtet, kann sich leicht dem Verbrechen zuwenden, besonders unter Gleichgesinnten. So entsteht eine Gesellschaft aus Individuen, die lügen, wenn sie es für notwendig halten, die nicht zögern, ungerechtfertigt Profite einzustreichen und sich nichts dabei denken, die Schwachen zu unterdrücken. Es liegt auf der Hand, dass physische Vorsichtsmassnahmen keine Früchte tragen können in einer Gesellschaft, die keine Gottesfurcht empfindet und die ihre geistigen Werte verloren hat. Religiöse moralische Werte hingegen bringen den Menschen dazu, sich vom Bösen fernzuhalten, selbst wenn er allein ist und niemand ihn für seine bösen Taten bestrafen würde. Es ist evident, dass ein Mensch, der weiß, dass er in Gegenwart Gottes für jede seiner Taten zur Rechenschaft gezogen werden wird und dass ihm entsprechend vergolten werden wird, bei jeder Entscheidung und bei jedem Wort sorgfältig vermeiden wird, Böses zu tun.
Terroristische Organisationen können unmöglich Platz haben in einer Gesellschaft, in der die Menschen das Böse aus freien Stücken vermeiden. Wo die Moral der Religion vorherrscht, werden Probleme, die solche Organisationen gedeihen lassen, die die Anwendung von Gewalt unterstützen, auf natürliche Weise verschwinden.
Wenn die gesamte Gesellschaft hohe Tugenden wie Ehrlichkeit, Opferbereitschaft, Nächstenliebe und Gerechtigkeit besitzt, dann ist kein Platz mehr für Armut, ungleiche Einkommensverteilung, Ungerechtigkeit, Unterdrückung der Schwachen oder Einschränkungen von Freiheit. Im Gegenteil, dann wird es eine soziale Ordnung geben, die die Wünsche der Bedürftigen erfüllt, in der die Reichen die Armen beschützen und die Starken die Schwachen, eine Ordnung, in der jeder die beste Gesundheitsversorgung, die beste Erziehung und die besten öffentlichen Verkehrsysteme in Anspruch nehmen kann. Dann werden Toleranz und Verständnis die Beziehungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen, Religionen und Kulturen dominieren. So ist also eine saubere Moral der Schlüssel zur Lösung so vieler sozialer Probleme. Die einzige Möglichkeit, Zugang zu diesem Schlüssel zu bekommen, ist wiederum der Quran, den Gott als Wegweiser für die Menschheit offenbart hat.
Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass, wenn die notwendigen Maßnahmen nicht ergriffen werden, wenn nicht tiefgreifende Lösungen umgesetzt werden, das 21. Jahrhundert weiterhin eine Zeit des Terrors und der Gewalt bleiben wird, wie schon das 20. Jahrhundert. Die Häuser unschuldiger Menschen werden bombardiert werden, Frauen und Kinder werden umgebracht werden. Der intellektuelle Kampf gegen den Terrorismus muss dringend begonnen werden, und eine Vielzahl von Menschen muss sich daran beteiligen. Dieser Kampf muss auf der Ebene der Gedanken geführt werden, von Menschen, die an Gott glauben, die ihre Nächsten lieben, die vergeben, die mitfühlend und im Vollbesitz ihres Gewissens sind, gegen die Terroristen, die ihre Stärke aus der Unwissenheit und der Gewalt beziehen. Gott offenbart in einem Vers:
Hätte es nur unter den Geschlechtern, die vor euch lebten, mehr Tugendhafte gegeben, welche sich den Missetaten auf Erden widersetzten, außer den wenigen, die Wir retteten, während die Übeltäter ihr üppiges Leben weiter fortführten und sich in Sünde verloren! (Quran, 11:116).
Gläubige sollten jenes Bewusstsein besitzen, dass Gott in diesen Versen einfordert. Während die Terroristen hoffen, ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen, wissen die Gläubigen, dass wahrer Erfolg nur erreicht werden kann, indem man sich unlösbar Gottes' Religion verschreibt und sich entsprechend verhält. Juden, Christen und Muslime werden in diesem Kampf zusammen stehen, im Geist des Respekts für jede Religion, und sie werden, so Gott will, am Ende erfolgreich sein. Das ist Gottes Versprechen an alle Seine gläubigen Diener, dass definitiv in Erfüllung gehen wird.
Hier fällt allen wahren Gläubigen eine große Verantwortung zu, ganz gleich, welcher Religion sie angehören. Die Juden dürfen Aussagen des Alten Testaments, die die Menschheit zu Frieden und Toleranz aufrufen, nicht ignorieren, und sie müssen alle anderen Juden aufrufen, sich dem Terrorismus zu widersetzen. So sollten auch die Christen alle anderen Christen aufrufen, sich die Moral, die Gott am besten gefällt, als Wegweiser zu nehmen. Man darf nicht vergessen, dass der Terrorismus auf falschen Gedanken beruht, und der Kampf gegen den Terrorismus sollte auf der Ebene der Gedanken geführt werden. Die Gläubigen müssen erklären, dass diese Gedanken falsch sind, und dass keine Ideen durch Gewalt, Unterdrückung und Grausamkeiten befördert werden können; Despotismus wird niemals irgendetwas Schönes hervorbringen.
Die terroristische Ideologie ist auf Sand gebaut. Dieses Fundament kann ganz leicht weggespült werden durch eine entsprechende Aufklärungskampagne. Aufrichtige Gläubige in allen Teilen der Welt können die Unwissenheit beenden helfen, die den Terrorismus hervorbringt, indem sie nach Lösungen suchen, indem sie Bücher und Artikel schreiben, Ausbildungsaktivitäten unterstützen und ihr eigenes kulturelles Erbe verbreiten. Das Vorherrschen von Toleranz, Frieden und Sicherheit auf Erden, wie von Gott befohlen, wird den Terrorismus für immer in den Seiten der Geschichte verschwinden lassen. Eine defätistische, pessimistische Haltung ist im Angesicht des Terrors inakzeptabel. Unsere Hoffnung ist, dass das Leid sich nicht wiederholen wird, und dass alle diesbezüglichen Maßnahmen ergriffen werden.
Möge Gott denen gnädig sein, die bei diesen verabscheuungswürdigen Angriffen starben und möge er die Verletzten heilen. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt der gesamten Menschheit.
(Für detaillierte Informationen siehe "Der Islam verurteilt den Terrorismus" und "Nur Liebe kann den Terrorismus besiegen" von Harun Yahya)

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