Harun Yahya

DIE HEILIGE ABSTAMMUNG DES PROPHETEN MUHAMMAD (S.A.W.S)

“Sayyid” ist der Titel, den in der islamischen Kultur die Nachfahren von Hassan (r.a) tragen, dem Enkel unseres Propheten (s.a.w.s), Sohn seiner Tochter Fatima (r.a). In früheren Zeiten wurden auch die Nachfahren von Hussein (r.a), dem anderen Enkel des Propheten (s.a.w.s), als Sayyiden tituliert. Später jedoch wurden diese als Scharifen bezeichnet. Heute ist diese Unterscheidung verschwunden. Die Linien beider gesegneter Enkel des Propheten (s.a.w.s) werden in der muslimischen Welt als Sayyiden bezeichnet.
 
Das arabische Wort “Sayyid” entspricht dem deutschen “Herr”, “Oberhaupt” oder “Führer”. In den Hadithen wird der Begriff benutzt im Sinne von “Stammeshäuptling” oder auch “herausragendes Mitglied einer Gemeinschaft”. Sayyiden werden in manchen islamischen Ländern auch als “Habib”, “Emir” oder “Mir” bezeichnet. Den großen Islamgelehrten Imam al-Bukhari und al-Tirmidhi zufolge wurde dieser Titel zuerst vom Propheten (s.a.w.s) selbst verwendet und zwar für Hassan (r.a). Rasul al-Akram sagt, daß, als der Prophet (s.a.w.s) eines Tages auf der Kanzel saß, er in den Reihen der Menge auf Hassan (r.a) zeigte und dabei sprach: “Dieser meiner Enkel ist ein Sayyid. Wir wollen hoffen, daß Allah durch ihn Frieden stiftet zwischen zwei muslimischen Gemeinschaften”. (al-Bukhari, Sulh, 9; Fada’il al-Ashab, 22; Tirmidhi, Manaqib, 31) In einem weiteren Hadith sagte unser Prophet (s.a.w.s): “Hassan und Hussein sind die beiden Sayyiden der jungen Menschen des Paradieses”. (Tirmidhi, Manasik, 31)
 
Der Prophet Muhammad (s.a.w.s) verkündete außerdem die frohe Botschaft, daß der gesegnete Mahdi, der in der Endzeit kommen und von allen Muslimen freudig erwartet wird, ebenfalls von ihm abstamme:
 
“Wir sind die Sayyiden des Volkes des Paradieses, der Söhne von Abd al-Muttalib. Ich, Hamza, Ali, Jaffar, Hassan, Hussein, und der Mahdi.” (Ibn Majah, 34)
 
Muslime behandelten die Sayyiden immer mit Liebe und hohem Respekt
 
Die Muslime haben die Zuneigung und die Liebe, die sie für den Propheten (s.a.w.s) empfinden, immer auch auf die Sayyiden ausgedehnt. Aufgrund ihrer tiefen Liebe für die Familie des Propheten (s.a.w.s) haben die Muslime die Nachkommen seiner Enkelkinder immer sehr hoch geschätzt. Die Sayyiden genossen eine privilegierte Behandlung in fast allen islamischen Ländern, und man räumte ihnen verschiedene Vorteile und Sonderrechte ein.
 
Der offensichtlichste Ausdruck dessen waren die in früheren Zeiten vorhanden gewesenen besonderen Institutionen, die sich mit den Angelegenheiten der Sayyiden befaßten, und die Tatsache, daß das Oberhaupt dieser Institutionen (der Naqib al-Ashraf) einen der höchsten Ränge innehatte.
 
Wie verteilten sich die Sayyiden auf die verschiedenen Länder?
 
Im Zeitalter der vier rechtgeleiteten Kalifen reisten die Muslime weit umher, um die Botschaft der islamischen Morallehre zu verbreiten. Diese Missionsreisen wurden zu Zeiten Omars (r.a) und Uthmans (r.a) erheblich ausgeweitet. Viele Sayyiden befanden sich unter denen, die sich aufmachten, der Menschheit die moralischen Werte des Quran zu vermitteln. Im allgemeinen ließen sie sich in den Ländern nieder, in die sie reisten, und vermischten sich mit der örtlichen Bevölkerung.
 
Wie viele anderen muslimischen Emigranten verließ jedoch die große Mehrheit der Sayyiden Arabien wegen des harten Regimes der Omayyaden, die nach der Zeit der vier rechtgeleiteten Kalifen die Macht an sich gerissen hatten.
 
Nach dem Martyrium von Hassan (r.a) und Hussein (r.a) wurde die Auswanderungsbewegung noch stärker und man erreichte die Grenzen des islamischen Staates jener Zeit: Den Maghreb (Marokko), den Kaukasus, Transoxianien, Khurasan, Tabaristan, und den Jemen. Dank dieser Migrationsbewegung wurden zahlreiche Dynastien begründet, wie die Idrisiden in Marokko, die Süleymanen im Jemen und die Zaydis im Iran.
 
Viele Sayyiden ließen sich in den mongolischen und den Turk-Gebieten nieder und verschmolzen mit der lokalen Bevölkerung. Manchmal nahmen sie ihre Plätze unter den Gründern neuer Staaten ein, wie in der Nogay Dynastie im Kaukasus.




Sayyiden-Familien waren bekannt und wurden von den Menschen der Region anerkannt. Die Familien bildeten eine Gemeinschaft, deren Mitglieder füreinander geradestanden.


*Photokopie eines Dokuments vom 17. Juli 1827 aus dem Archiv der russischen Föderation in Stavropol, Archiv Nr. 48, Band 2, Akten-Nr. 853.
Informationen über die Familiennamen und Familienmitglieder der Nogay-Sayyiden in der Region Kara Nogay und Yediskul.





Familienmitglieder

NAME UND FAMILIE

männlich

weiblich

1. Nugay Kaplanov und Familie

4

3

2. Yusuf Ali Aysoltanov und Familie

2

5

3. Beslen Arslan Kasayev und Familie

2

4

4. Han Muhambet Ismailov und Familie

3

-

5. Muhambet Kantemirov und Familie

8

9

6. Mengligirey Tilenchiyev und Familie

3

-

7. Yanseyit Abdullayev und Familie

2

4

8. Gazý Ýnal Batýrburzayev und Familie

5

7

9. Hayati Ahmetov und Familie

3

3

10. Nemin Yasenbi Adjiyev und Familie

8

5

11. Alibey Mamayev und Familie

3

3

12. Musousov und Familie

2

3

13. Alibek Soltanaliyev und Familie

4

-


14. Bekmurza Karamurzayev und Familie

3

2

15. Aslangirey Temirhanov und Familie

3

3

16. Alibey Temirov und Familie

2

3

17. Ali Mamayev und Familie

3

1

18. Beymurza Isterekov und Familie

4

3

19. Tausultan Temirhanov und Familie

7

-

20. Mamay Arslanov und Familie

1

-

21. Magomet Utepov und Familie

3

3

Gesamtzahl Personen

75

61
 





Photokopie eines Dokuments vom 17. Juli 1827 aus dem Archiv der russischen Föderation in Stavropol, Archiv Nr. 48, Band 2, Akten-Nr. 853.
Dieses historische Dokument enthält Details zu den Identitäten und Familien der Nogay Sayyiden aus den Kara Nogay und Yediskul Regionen. Der Eintrag über die Familie Beslen Arslans, des Großvaters von Harun Yahya steht unter Punkt 3 der Liste. Harun Yahyas Großvater wurde im Kaukasus geboren und ließ sich 1902 in der Kleinstadt Bala der Provinz Ankara nieder. Ömer Beys Vater war Haci Yusuf, und Haci Yusufs Vater war Beslen Arslan (Kasayev) eingetragen als Sayyid in dem russischen Archiv.
 
Sayyiden gingen auch in die Türkei
 
Als einziger Erbe des osmanischen Reiches ist der größte türkische islamische Staat, die Türkei, ein Land, in dem sich zahlreiche Sayyiden niedergelassen haben. Sie leben heute hauptsächlich in Ankara, Siirt, Sanliurfa, Erzurum, Elazig, Erzincan, Adana, und Igdir. Die meisten von ihnen kamen im Zuge der ersten Einwanderungen von Sayyiden nach Anatolien. Doch die Einwanderungsbewegung auf türkischen Boden ging weiter. Besonders während des osmanisch-russischen Krieges und des russisch-kaukasischen Krieges verließen viele kaukasische Sayyiden ihre Heimat und siedelten in Zentral-Anatolien. Unter ihnen war die Familie von Ömer Bey, dem Großvater von Harun Yahya, dessen Werke dieses Magazin zu diesem Thema inspiriert haben.
 
Die Herkunft von Beslen Arslan Kasayev, Ömer Beys Großvater, geht zurück auf die Nogay Dynastie. Die Familie ist auch bekannt als “Arslanogullari” (die Söhne des Löwen), und ihr Name gehört zu den einundzwanzig Sayyiden-Familien, deren Namen 1827 in einem Dokument der kaukasischen Statthalterschaft auftauchen. 1902 verließ die Familie den Kaukasus und siedelte in Bala, einer Kleinstadt der Provinz Ankara.
 
Die Wertschätzung für die Sayyiden in der türkisch-islamischen Kultur
 
Im türkischen islamischen Staat waren Soldaten die respektiertesten, angesehensten und prominentesten Mitglieder der Gesellschaft. Für Staatsbedienstete und die Öffentlichkeit waren die Sayyiden Mitglieder der militärischen Klasse und genossen hohe Wertschätzung. Der Staat befreite sie von allen Steuern und Abgaben und gewährte ihnen Pensionen, damit ihr finanzieller Staus gesichert war.
 
Gelegentlich verstießen die lokalen Behörden gegen diese Rechte und versuchten, Steuern von Sayyiden und Scharifen zu erheben. Doch die Zentralregierung verhinderte dies. Zahlreiche Dekrete der Sultane ordneten an, daß die Nachkommen des Propheten (s.a.w.s) nicht schlecht behandelt werden durften, sondern man ihnen höchsten Respekt entgegen zu bringen habe. Viele osmanische Historiker wie Evliya Celebi, stellen fest, daß die Sayyiden im allgemeinen bescheiden waren und moralischen Werten folgten, die sie ihren Status nur zögerlich bekannt machen ließen. Im Lauf der Zeit tauchten jedoch auch Menschen auf, die aus dem Sayyiden-Status Kapital schlagen wollten.
 



Heute leben Sayyiden in allen Teilen der Türkei, besonders aber in Ankara, Siirt, Sanliurfa, Erzurum, Elazig, Erzincan, Adana, und Igdir.
 
Als die Zahl falscher Sayyiden (“Mutasayyid”) stieg, ergriff das Osmanische Reich Schritte, um das starke Sinken des Steueraufkommens zu stoppen und den Status des Sayyiden zu schützen. Jeder, der behauptete, Sayyid zu sein, wurde genauestens befragt. Eine Behörde, die Naqib al-Ashraf, wurde eingerichtet, Abstammungsnachweise und Genealogie der Sayyiden und Scharifen aufzuzeichnen und zu bewahren. Dies geschah während der Regierung von Sultan Celebi Mehmet. Der Sultan Mehmet der Eroberer löste die Behörde wieder auf, und sie wurde unter Sultan Beyazid II erneut eingerichtet.
 
Besondere Ermittlungsbeamte, die “Naib” (abgeleitet von Naqib al-Ashraf, der in Istanbul lebte und als Oberhaupt der Sayyiden angesehen wurde) wurden ernennt und in die Provinzen geschickt, um falsche Sayyiden zu enttarnen. Diese Beamte führten
Untersuchungsaufzeichnungen, die auf existierenden Beweisen für den Sayyiden-Status basierten. Anhand dieser Aufzeichnungen war es für die Zentralbehörde ein leichtes, festzustellen, ob jemand, der behauptete, Sayyid zu sein, ein Betrüger war oder nicht. Der Chef dieser Institution, der Naqib al-Ashraf, spielte eine wesentliche Rolle am osmanischen Hof. Bestieg ein neuer Sultan den Thron, so war dieser Beamte der erste, der ihm seine Loyalität versicherte. Bei offiziellen Anlässen eröffnete er die Zeremonie mit einem Gebet, wenn der Sultan den Empfangssaal verließ und sich auf den Thron setzte.
 
Bei der Krönungsfeier und anderen staatlichen Zeremonien erhob sich der Sultan aus Respekt vor dem Naqib al-Ashraf, wenn dieser ihm gratulierte.
 
Nach dem Naqib al-Ashraf waren die wichtigsten Führer der Sayyiden die Bannerträger, die den Titel “Alemdar” führten. In Kriegszeiten rückten sie mit der Armee aus und trugen das Banner des Propheten (s.a.w.s). Der Naqib al-Ashraf und andere Sayyiden nahmen an den entsprechenden Zeremonien teil, wobei sie beim Ausrücken und beim Wiedereinzug des Banners Takbir und Gebete für den Propheten (s.a.w.s) rezitierten.
 
Die meisten in Anatolien lebenden Sayyiden waren Mitglieder der Ulama Klasse (Religionsgelehrte) und dienten als Imame, Schreiber, Richter in Religionsfragen, lokale Registrierungsbeamte und Lehrer in den Koranschulen.
 
Unter den Osmanen reichte es aus, wenn die väterliche Linie zum Propheten Muhammad (s.a.w.s) verfolgt werden konnte, um als Sayyid zu gelten. Man konnte auch durch die Rückführung der mütterlichen Linie als Sayyid anerkannt werden, was in anderen islamischen Ländern nicht üblich war. Im Osmanischen Reich genossen außerdem die Nachfahren der Familie von Abbas, der Linie des Onkels des Propheten (s.a.w.s) großen Respekt.
REFERENZ:
1- Y.N. Kusheva, T.H. Kumikova (Kollektoren), Kabartay-Russian Relations in the XVI-XVII Centuries: Documents und Correspondence, Band 1, (Moskau 1957).

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