Harun Yahya

Polarisation ist ein globales Phänomen. Wie weit wird es gehen?

In den Mainstream-Medien erschienen immer mehr Artikel über die Existenz der Polarisierung in der Türkei. Während solche Artikel gelegentlich in der Vergangenheit geschrieben wurden, sind sie heutzutage viel mehr bemerkenswert. Die meisten Artikel deuten darauf hin, dass das Land grundsätzlich um zwei verschiedene politische Ansichten einberufen hat und dass die Kluft zwischen ihnen immer breiter wird. Auch wenn diese Behauptungen in einem Sinn wahr sind, ist die Polarisierung nicht nur in der Türkei ein Problem. In vielen Ländern der Welt sind Grauzonen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur verschwunden. Soweit es Probleme betrifft, haben sich Gesellschaften zu zwei Extremen gravitiert, wo es so scheint, dass es entweder schwarz oder weiß ist. Die Kultur der Versöhnung und des Kompromisses ebnete Wege für extreme Ideen, welche die Menschen weniger tolerant gegenüber oppositionellen Ideen machte. Das ist zweifellos keine gesunde Entwicklung für die Zukunft der Welt. Es sollte nicht vergessen werden, dass der aktuelle Trend der Polarisation den Interessen von einigen Machtgruppen dient. Diese organisieren Revolutionen oder Rebellionen, wie z. B. den arabischen Frühling im Nahen Osten, als Ereignisse in der Welt, die direkt in die Hände derer spielen, die es in den Ruin ziehen wollen.

Das Referendum am 16. April 2017 wird demzufolge der Polarisation in der Türkei von einigen politischen Experten betrachtet, besonders wenn die Ergebnisse sehr nahe waren und die scharfe von den zwei Seiten verwendete Redekunst diese Interpretationen unterstützen. Ähnlich bestimmen viele westliche Demokratien ihre Politik auf der Grundlage von Wahlen, die auch sehr enge Ergebnisse erzielt haben. Als Ergebnis der klassischen Politik gibt es oft ernsthafte Kontroversen zwischen den Seiten. Zum Beispiel, während des neusten Referendums Brexit, die wahrscheinlich Auswirkungen auf die nächsten 100 Jahre Großbritanniens haben wird. Die britische Gesellschaft war praktisch in zwei gegnerische Gruppen aufgeteilt. Vor und nach dem Referendum machten beide Seiten ernsthafte Vorwürfe gegeneinander. Die daraus resultierende Stimme war fast gleichmäßig zwischen den beiden Seiten geteilt. Im Gegensatz zur Türkei, fanden Massendemonstrationen auf den Straßen Großbritanniens statt. Im Parlament und der Justiz wurden Einwände erhoben, um die Entscheidung abzulehnen.

In den US-Wahlen, wo Donald Trump gewann, waren die Ergebnisse nicht viel anders. Am Ende des sehr engen Wettbewerbs zwischen Clinton und Trump, wurde der Sieger erst in den frühen Morgenstunden klar. Wie es sich erinnern lässt, waren nach diesen Wahlen die Straßen in den USA tagelang in Aufruhr, und die Demonstrationen wurden gewalttätig. Aber weder in Großbritannien noch in den Vereinigten Staaten haben diese Demonstrationen das Ergebnis der Wahl geändert. Dies ist ein demokratischer Prozess und wird auch auf keinen Fall erwartet.

Einige Veröffentlichungen britischer- und US-Medien, die darauf hindeuten, dass die Türkei polarisiert ist, verstehen, dass die Situation in ihrem jeweiligen Land viel schlimmer ist. Aber aus irgendeinem Grund ist es für sie vor kurzem interessanter geworden, die Polarisierung in der Türkei zu kritisieren. Die Situation in anderen EU-Ländern ist nicht anders. In vielen EU-Ländern setzt sich der Aufstieg der politischen Parteien fort, die sich am Ende des Spektrums befinden. Dies wird als Zeichen dafür angesehen, dass die Polarisierung in kurz- und mittelfristiger Zukunft schrittweise zunehmen wird. Fakt ist, dass die Polarisierung, die wir in Gesellschaften sehen, tatsächlich ein globales Phänomen ist. In Politik, Sport oder sogar gesellschaftlichen Fragen sind die Menschen leicht geteilter Meinung. Der Extremste und Härteste, wird zum prominentesten Redner. Anstatt sich um einen Tisch zu setzen und nach Gemeinsamkeit zu suchen, versuchen die Menschen ihre Wünsche den Gegnern aufzuerlegen, durch Unterdrückung und sie Demütigung. Im kleinen Maßstab haben die Gesellschaften eine Reflexion von Samuel Huntington‘s These vom "the clash of civilization". Einige dialektische Materialisten handeln mit dem Prinzip, zuerst die Gesellschaften zusammenzustoßen; denn Zivilisationen werden als Folge davon sowieso kollidieren. "Alle Gesellschaften und Zivilisationen sollten sich darum bemühen müssen, diese Art Handlungen zu unterlassen. Insbesondere muslimische Gesellschaften sollten zeigen, dass Gesellschaften und Zivilisationen durch den Kompromiss gestärkt werden und nicht zerfallen.

Die Polarisation ist ein globales Phänomen, dessen Wurzel an Liebesmangel leidet. Die Konsequenzen dafür können für alle Gesellschaften sehr ernst sein. Darüber hinaus dient diese Denkweise den Interessen von einigen Kriegstreibern, die den Zusammenstoß der Zivilisationen inszenieren. Dieses Vorgehen im 20. Jahrhundert kostete 100 Millionen Menschen das Leben. Wenn wir dieselben Schrecken im 21. Jahrhundert nicht miterleben wollen, dann müssen wir dieses künstliche Netz des Hasses aufhalten.

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Adnan Oktar’s Zeitungsartikel, veröffentlicht auf Kaschmir Reader:

http://harunyahya.com/en/Articles/252056/Polarization-is-a-Global-Phenomenon-How-Far-will-it-Go

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