Harun Yahya

EU, Türkei und das 17. Kapitel



Zu einer Zeit, in der die Welt einer bewegten Tagesordnung hinterhergezogen wird, fand vor kurzem eine wichtige Entwicklung für die Türkei statt.

Kapitel 17 auf der Wirtschafts- und Währungspolitik wurde im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen eröffnet. Dies war das erste Mal seit zwei Jahren, dass ein positiver Schritt in den EU-Beitrittsverhandlungen registriert wurde. Solche Fortschritte wurden letzten Monat im Zuge des Abkommen mit der EU über das Thema Flüchtlinge erwartet. Wenn dies jedoch zusammen mit dem früheren EU-Fortschrittsbericht betrachtet wird, sind eine Reihe von Punkten zur Prüfung sowohl aus der Sicht der Türkei als auch der EU ersichtlich.

In dem von der EU im November veröffentlichten Fortschrittsbericht der Türkei ernten, obwohl an verschiedenen Stellen Lob ausgesprochen wird, bestimmte Aspekte weiterhin Kritik. Auch wenn der Nachdruck aufgrund der Terrorismusbekämpfung und der lokalen Regierung nicht gänzlich nachzuvollziehen ist, müssen die Grundrechte und Freiheiten, die in den Berichten immer an erster Stelle auftauchen, näher betrachtet werden.

Die Türkei hat in dem Prozess der EU-Beitrittsverhandlungen viele Durchbrüche und zweifellos große Fortschritte in der Demokratie erzielt. Allerdings muss dieser Durchbruch in Bezug auf die Türkei und die EU aus einer anderen Perspektive bewerten werden. Die Türkei ist ein europäisches Land, welches gleichzeitig die Tür zum Nahen Osten öffnet. Sie ist seit 90 Jahren ein islamisches Land mit einer tief verwurzelten Demokratie. So hat sie die Verantwortung die Schönheit der Demokratie auf die bestmögliche Art und Weise auszuführen. In diesen Tagen, in denen sich der Radikalismus weiter ausdehnt und ebenfalls nach Europa zieht, erweitert sich der Umfang dieser Verantwortung immens. Die Türkei muss der Welt und vor allem den islamischen Regionen zeigen, dass ein islamisches Land mithilfe der Gemeindeordnung von Medina unseres Propheten (Fsai) eine perfekte Demokratie durchführen kann. Zur gleichen Zeit muss sie, in dem sie die Frauenwerte, Künste und Wissenschaften begünstigt, ein höheres Maß an Modernität und Zivilisation als Europa erreichen.

Das Zufriedenstellen der EU und die Verhandlungsnormen zu erfüllen ist gewiss auch ein Ziel; allerdings muss die Türkei dies für ihre eigene Existenz, ihr eigenes Wohl und aufgrund ihrer Verpflichtung verwirklichen.

Europa bewertet die Kandidatur der Türkei gewiss nicht nur auf Basis der EU-Normen sondern auch auf Basis ihrer islamischen Eigenschaft. Aufgrund dieses Merkmals, das in den Vordergrund tritt, muss sich die Türkei in mehr Punkten beweisen als andere Länder. Das auf Traditionen basierende, abergläubische Verständnis, das sich in vielen islamischen Ländern angesiedelt hat und das Gegenseitige sich bekämpfen der Muslime sind der Grund für die rasche Expansion des radikalen Verständnisses und dem gravierenden Mangel an Qualität. Es entstand ein Konzept, das den kulturellen und ästhetischen Werten Europas den Krieg erklärte, und durch hasserfüllte Diskurse verstärkt wurde. Allerdings ist es für ein Land, dass die Freiheit einschränkt, Frauen erniedrigt und die Wissenschaft und Kunst an zweiter Stelle sieht, nicht möglich seine Existenz zu erhalten. Es ist nicht verwunderlich, dass Europa die Kriterien ausweitet, um ihre Tore einem Land zu öffnen, wenn die islamische Welt den europäischen Präferenzen so fern ist und ihnen sogar den Krieg erklärt.

Das Folgen dieser Kriterien könnten in den Augen mancher Menschen für die Türkei als mühselig erscheinen; jedoch ist es äußerst einfach. Notwendig ist lediglich eine starke Entschlossenheit. Dies setzt das Nichtbeachten wütender Stimmen voraus. Die türkische Verwaltung und Regierung dürfen die Bigotten in keiner Weise auszeichnen und sich von ihrer Kritik und ihren Schuldzuweisungen nicht beeindrucken lassen. Sie muss sich eine starke Strategie zu eigen machen und die Liebe und Freundschaft im Vordergrund halten. Die Türkei ist in Besitz von verschiedenen Verpflichtungen aufgrund ihrer geographischen Lage als auch ihrem historischen Hintergrund. Sie muss diese Verpflichtungen vor allem im Bezug auf die islamische Welt erfüllen, indem sie das Verständnis von Liebe verbreitet. Das Bedürfnis des Nahen Ostens ist nicht das Einschreiten von neuen Spielmachern sondern die Präsentation der Stärke der Menschen, die die Liebe lehren.

Nach dem ersten Weltkrieg sind zuerst England und Frankreich daraufhin Amerika in den Nahen Osten als Spielmacher eingedrungen und ihr Ziel war es dieser schönen Ortschaft lediglich Streitigkeiten und Konflikte zu bringen. Aus diesem Grund muss die Existenz eines Freundes und Bruders, der das Verständnis von Liebe verbreiten möchten wahr werden und nicht von arroganten Spielmachern. Hinsichtlich der Näherung zu Europa muss dieses Verständnis ebenfalls angeeignet werden. Es ist Pflicht die Zurückhaltung der europäischen Völker, die aus der Bigotterie hervorgeht zu beheben. Eine Näherung, die das Mitgefühl des Islam fühlen lässt ist eine Notwendigkeit. Hierfür muss die Türkei, die mit der EU in Verhandlungen ist, in Mitten eines Freundschaftsverständnisses sein, welches vom Koran befohlen wird, alle anderen Religionen umarmen und die tatsächliche Wärme des Islams nach Europa transferieren. Auf diese Weise muss die Kluft zwischen dem europäischen Volk und der islamischen Welt, die nun jahrelang andauert und sich durch den radikalen Terrorismus tiefer verwurzelt, schwinden. Die "Liebe" sollte an diesem Punkt die wahre Gesetzgebung sein.

Solche eine starke Veränderung wird nicht nur für die Türkei und die islamische Welt sondern auch für die Europäische Union ein wichtiger Gewinn sein. Wenn Europa mit der Wärme des Islam bekannt wird, wird sie ihre sich ausbreitende Angst verlieren und dadurch Begriffe wie Selbstlosigkeit und Freundschaft wieder erlangen, die sie mehr und mehr verliert. Sie wird gegen den radikalen Terrorismus, mit dem sie auf eine schreckliche Weise bekannt wurde und mit maroden und wirkungslosen Methoden versuchte entgegenzuwirken zusammen mit wahren Muslimen eine Lösung finden. Wir erwähnen es oft; die einzige Lösung gegen den radikalen Terrorismus, der im falschen Deckmantel "Islam" verbreitet wird und das Resultat einer völlig erfunden Religion ist, ist der Koran. Folglich kann ein Kampf gegen den Terrorismus nur von Muslimen geführt werden, die Beweise aus dem Koran hervorbringen können.

Die Türkei muss ihre Verhandlungen mit der EU mit dem Bewusstsein, dass sie ein andersartiges Land ist, führen. Als ein islamisches Land muss sie mit starken Reformen in der Demokratie, Freiheit, Frauenrechte, Kunst und Modernität hervortreten und mehr als technischen Anforderungen gerecht zu sein sich auf die "Liebe und Solidarität", die Europa von der islamischen Welt erwartet konzentrieren. Die Türkei benötigt diese Reformen, die islamische Welt solche Vorbilder und Europa solch ein Islammodell mehr denn je.

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Adnan Oktar's in The China Post veröffentlichter Artikel

http://www.chinapost.com.tw/commentary/the-china-post/special-to-the-china-post/2016/01/08/455489/p2/EU-Turkey.htm

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