Harun Yahya

Winterpläne und Migrationspolitik ohne Lösungen

Der Winter hat begonnen und macht sich nun in der nördlichen Hemisphäre bemerkbar. Viele Menschen haben bereits mit ihren Planungen für ihre langen Winterferien begonnen. Einige planen sich im Skigebiet auszuruhen, andere in der Nähe eines Sees. Einige denken daran, ihre Verwandten zu besuchen oder zu Hause ein Familientreffen zu veranstalten. Jedoch können alle diese Pläne durch unvorhergesehene Entwicklungen misslingen.

- Zum Beispiel können Sie sich ganz einfach den Knöchel verdrehen und an Ihrem ersten Tag im Skiurlaub außer Gefecht sein.

- Sie können während Sie entlang des Sees segeln, aus dem Boot in den See fallen und eine Unterkühlung erleiden.

- Während Sie planen Ihre Verwandten zu besuchen, können Sie einen Verkehrsunfall erleiden und für eine lange Zeit von ihnen getrennt sein.

- Es besteht auch die Möglichkeit, dass sie das Abendessen wegen eines Momentes der Unaufmerksamkeit anbrennen lassen und Ihre Einladung absagen müssen.

Kurz gesagt: Ihre Pläne können sich durch solche oder ähnliche Pannen in Ärger und Enttäuschung verwandeln.

Das alles können Sie auf irgendeine Weise bewältigen: Sie können warten, bis Ihr Knöchel heilt, Sie lassen Ihr Auto reparieren oder bestellen das Abendessen auswärts, wenn Sie es haben anbrennen lassen.

Aber was, wenn Dinge passieren, die Ihre Winterpläne verderben, die Sie nicht bewältigen können? Was, wenn Ihr Haus abbrennt, Ihr Kind einen Unfall erleidet und stirbt oder Ihr Ehepartner vor ihren Augen ertrinkt?

Tragödien, die für viele Menschen nicht in Frage zu kommen scheinen, haben in der Tat häufig am Mittelmeer und der Ägäis stattgefunden. Diese Menschen versuchen lediglich das eigene Leben sowie das ihrer Familien zu retten. Sie verlieren ihr Leben bei dem Versuch, von bewaffneten Konflikten und Bombardierungen zu fliehen. Dies sind die Migranten aus Nordafrika und dem Nahen Osten, die nur ihr Leben wieder irgendwo, wo sie sich sicher fühlen können, aufbauen wolllen. Dort wo keine Konflikte und Bombardements existieren.

Die Vereinten Nationen machen nun auch Pläne für den Winter. Aber diese Pläne sollten die Flüchtlinge nicht unterhalten, sondern am Leben erhalten. Winterbedingungen machen das Leben in den Flüchtlingslagern noch schwerer. Die große Mehrheit dieser Menschen hat weder Häuser, um sich vor der Kälte zu schützen, noch Brennstoff, um sich zu wärmen.

Humanitäre Hilfspakete mit Schlafsäcken, Wärmedecken, Mänteln, Socken, Schuhen und anderen Bekleidungsstücken werden für die Migranten vorbereitet. Unterkünfte für Flüchtlinge sind im Aufbau. Das Winterhilfsprogramm mit einem Finanzvolumen von 1 Milliarde Dollar hofft darauf, 2,5 Millionen Syrern und 700.000 Irakern helfen zu können.

Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge - das verantwortlich für diese Aktivität ist - berichtet, dass 644.000 Menschen Europa auf dem Seeweg erreicht haben, und dass etwa 15 Millionen Menschen in Jordanien, im Libanon, in Ägypten, im Irak und in Syrien vertrieben wurden. *

Die UN fordert Länder wie die Türkei, Jordanien und Libyen auf, alle Ressourcen zu mobilisieren, um die Flüchtlinge am Leben zu erhalten. Lassen Sie uns die Hypothese aufstellen, dass dieser Plan funktioniert, und die Länder und die Vereinten Nationen, die Flüchtlinge in diesem Jahr oder im nächsten Jahr unter den bestmöglichen Umständen angesichts der harten Bedingungen des Winters unterzubringen, egal wie unmöglich dies zu sein scheint.

Wird das das Migrationsproblem in irgendeiner Weise verringern? Oder wird es das Problem lösen, wenn alle Migranten in der Türkei - mit den von der EU für diesen Zweck festgelegten Unsummen - gehalten werden, wie vorgeschlagen? Natürlich nicht.

Der Ansatz der EU für das Migrationsproblem erinnert an den britischen Premierminister Neville Chamberlain kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Chamberlain dachte, dass er die Expansionspläne von Hitler-Deutschland durch eine "Appeasement-Politik" stoppen könnte. Obwohl es gut gemeint war, ist es letztlich zu einem Debakel geworden. Genau wie die Politik Chamberlains, ist der Lösungsansatz, Migranten abzulehnen, Mauern entlang der Grenzen zu errichten oder zu versuchen, sie in der Türkei zu beherbergen, zum Scheitern verurteilt.

Der Zustrom von Migranten wird nicht abreißen, solange die Konflikte und die Politik der bewaffneten Interventionen - die die wahre Quelle des Problems im Nahen Osten darstellen - kein Ende finden. Solange die eigentliche Wurzel des Problems aufgrund mangelnder Bildung nicht behandelt wird, wird auch der Konflikt kein Ende finden.

Es ist sehr wichtig für die europäischen Politiker, sich daran zu erinnern, dass es für niemanden einen sicheren Hafen gibt. Jeder, ob Syrer oder Deutscher, Libyer oder Franzose, kann sich selbst zu jeder Zeit in einer schwierigen Situation vorfinden, egal wo man lebt.

In der Tat ist es nicht relevant, wenn Sie in einem sicheren und wohlhabenden Land leben (man denke nur an Österreich vor der Besetzung durch die Nazis). Invasion, Terroranschläge, eine Wirtschaftskrise oder Naturkatastrophen können Ihr Leben zu jedem Zeitpukt auf den Kopf stellen. Selbst wenn Sie in der Vergangenheit Menschen eine helfende Hand reichten, können Sie sich selbst immer noch in einer ähnlichen Notlage befinden und am Ende hoffnungsvoll selbst eine helfende Hand sehen.

Statt finanzieller Ressourcen sollten Liebe, Zuneigung und Solidarität die wichtigsten Werkzeuge bei der Lösung der Flüchtlingskrise in Europa sein. Liebe und Mitgefühl können alle Hindernisse überwinden. Die von den Vereinten Nationen und ähnlichen Organisationen für die Flüchtlinge festgelegten Pläne sind wert zu schätzen; es ist jedoch wichtig, dass Liebe und Mitgefühl gezeigt wird, bevor die Menschen humanitäre Hilfe benötigen, so dass keines dieser Probleme erst entstehen.

Einige westliche Politiker dürften wohl gedacht haben, "Syrien ist weit weg, und es kann unmöglich eine Wirkung auf uns haben." Sie könnten sich entschieden haben, die Luftangriffe unter der Annahme zu starten, dass die Beseitigung der "Risikokomponenten" die Lösung wäre. In Folge aller Fehlentscheidungen, die zum Krieg anstiften, befinden wir uns in der heutigen Situation. Wären Vermittlungen und friedliche Initiativen von Anfang an zum Einsatz gekommen, würde die Welt, insbesondere der Nahe Osten diese Grausamkeiten nicht erleben, die sie jetzt umhüllen und Europa würde der Migrationskrise - so wie heute - nicht gegenüberstehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass andere Menschen zu lieben, schneller und einfacher zu einer menschlichen und dauerhaften Lösung führt als sie zu bombardieren.


(*) Quelle: http://www.unhcr.org/562a40e56.html

 

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