Harun Yahya

Ein eigenartiger Plan für Syrien



Eine Entscheidung bezüglich des seit viereinhalb Jahren ungelösten Syrienproblems wurde letzte Woche aufgrund der belebten Agenda übergangen. Es war die Rede von einer sechsmonatigen Übergangszeit in Syrien gefolgt von neuen Wahlen. Auch wenn verschiedenste Fragen auftauchten wurden sie kaum besprochen. Auf die Frage: „Wie wird ein Staat ohne Bevölkerung gegründet?“ wollte niemand Stellung nehmen. Über die Frage „Was passiert mit den riesigen Territorien, die die IS und andere terroristische Gruppen besetzen?“ hat sich noch niemand Gedanken gemacht. Denn die Entscheidung, die eigentlich die Syrische Bevölkerung treffen sollte, haben die USA und Russland übernommen. Die im Rahmen des Plans diskutierten Regionen bestanden jedoch lediglich aus dem durch das Regime kontrollierte Südwesten Syriens und dem durch die YPG kontrollierten Norden Rojaya.

Die Entscheidungen bezüglich Syriens werden im Detail in einem anderen Artikel erfasst. In diesem Artikel möchten wir die Aufmerksamkeit über die Risiken für die Türkei erwecken.

Es sei daran erinnert, dass die Türkei ihre verschiedenen Sorgen der USA zum Ausdruck gebracht hat. Sie sagte, dass jede militärische Hilfe für die PYD in Syrien als feindlicher Akt gegen die Türkei selbst angesehen werden müsse. Die USA, die während dieser Bekanntmachung seine ausdrückliche Militärhilfe für die PYD bezeichnete und zudem erklärte, dass sie eine Autonomie unter der Führung der PYD unterstützt, änderte ihre Einstellung durch den Einfluss des tiefen Staates zum 4. November und sagte, sie akzeptiere nicht einmal ein semiautonomes System und keine Militärhilfe sei der PYD zu Gute gekommen, vielmehr galt die Unterstützung der arabischen Gruppen in dieser Region.

Die arabischen Gruppen in dieser Region tragen den Namen Al-Raqqa. Diese Gruppe spaltete sich von der Freien Syrischen Armee (FSA) und Sanadid.1 Beide Gruppen sind bekannt für ihre stalinistische Ideologie und wirken zusammen mit der YPG. In der letzten Zeit hält sich der fiktive Name „Demokratische Kräfte Syriens“, so heißt es, im Kampf gegen die IS im Vordergrund. Diese symbolisiert in der Tat eine Gruppierung einschließlich der oben erwähnten arabischen Gruppen und der YPG (dem bewaffneten Flügel der PYD). Mit anderen Worten erreichen die US-Waffen die YPG lediglich unter einem anderen Namen. Der US-Tiefen Staat spielt also Wortspiele in dem Bemühen, die Türkei für sich zu gewinnen und den internationalen Klagen zu entkommen.

Internationale Klagen sind der Grund für die Änderung der US-Einstellung. Jüngste Berichte internationaler Gruppierungen zeigten den Ernst der Lage bezüglich der YPG. So veranlasste Human Rights Watch (HRW) einen Bericht im Juni, in dem die Verletzungen der Menschenrechte durch die YPG dokumentiert wurden². In einem zweiten Bericht im Juli beschrieb sie die Schrecken des Einsatzes von Kindersoldaten der PYD.³ Im Oktober dokumentiert die Amnesty International wie die YPG US-Bomber in Richtung der Bereiche mit Zivilbevölkerung richtete und erklärt in ihrem Bericht die YPG-Politik der Unterdrückung der lokalen arabischen Bevölkerung.4

Amnesty International erklärt, dass die YPG Kriegsverbrechen in der Region ausübt und das Völkerrecht verletzt. Zur gleichen Zeit führte das kurdische Volk in dem kurdischen Gebiet Syriens gewaltsame Proteste durch. Diese Proteste waren gegen die YPD / YPG, sie waren ein Aufstand der lokalen Bevölkerung gegen die PYD aufgrund seiner Verletzung des humanitären Völkerrechts.

Genau hier beginnt die Zurückhaltung der USA. Eine direkte Bewaffnung der stalinistischen YPG, einem dokumentierten internationalen Kriegsverbrecher, drang die USA in eine Situation, die für sie schwer zu erklären war.

Die internationale Gemeinschaft mag diese Änderung der Einstellung Amerikas geglaubt haben, jedoch glauben nur sehr wenige Menschen in der Türkei daran. Die türkische Regierung und das türkische Volk, welche bereits Experten in Bezug auf die stalinistisch, terroristische PKK und ihre Niederträchtigkeit wurden, mit diesem Manöver versuchen überzeugen zu wollen, ist eine ganze falsche US-Politik.

In der unmittelbaren Folge dieser Entwicklung wurde die Frage um Dschrabulus, dem einzigen Bereich, den die YPG an der Süd-Linie der Türkei nicht besetzen konnte, seitens der USA neu aufgenommen. Dscharabulus ist seit langem in den Händen der IS; die USA wolle die IS aus dieser Region vertreiben.

Die schrecklichen Folgen die aus den Schritten des US-Tiefen Staates resultieren, um die IS aus den verschiedenen Gebiete Syriens zu entfernen, kann aller Wahrscheinlichkeit nur die Türkei erkennen. Es ist, als ob eine stalinistische YPG Linie entlang unserer Grenze uns von den islamischen Ländern trennen und der PKK einfacher machen soll, sich auf türkischem Territorium niederzulassen. Es ist traurig zu sehen, dass unser Verbündeter die USA diesen Plan unterstützt.

Die Strategie ist bekannt; die USA bombardiert Ziele basierend auf Koordinaten, erhalten von der YPG. Daraufhin besetzen YPG Militanten genau diese Gebiete. Erinnern wir uns ein Mal an Tal Abyad, von wo aus die Turkmenen und Araber vertrieben wurden, nachdem die YPG die Kontrolle übernahm. Die vereinigten Staaten präsentierten der Öffentlichkeit die schwingende FSA Fahne, um zu beweisen, dass die USA in diese Region nicht die PKK/YPG platziert hat. Doch diese Flagge gehörte eigentlich keinem Anderen als der Suwal Al-Raqqa, die sich bereits zuvor von der FSA trennte und nun mit der YPG zusammen arbeitet. Mit anderen Worten, es wurde ein Spiel unter dem fiktiven Namen „Demokratische Streitkräfte Syriens“ ganz nach den Vorstellungen der YPG gespielt. Nun will der US-Tiefe Staat mit einer ähnlichen Strategie und der Hilfe der Türkei die IS aus Dscharabulus entfernen. Doch die türkische Regierung bekommt auf die Frage „Was passiert, wenn die IS geht?“ immer noch keine Antwort. Denn der Vorschlag der Türkei entlang der Marea-Linie eine Sicherheitszone zu einzurichten, wurde erneut auf dem G-20 Gipfel diese Woche in der Türkei von der USA abgelehnt. In dieser Situation bleibt eine letzte Alternative – in diese Region die fiktive „Demokratische Streitkräfte Syrien“ zu setzen. Mit anderen Worten, in diese Region die PKK zu setzen.

Es ist für uns schwierig, die Idee der Hilfe aus der Türkei nachzuvollziehen, um dann die PKK, dem alleinigen Feind der Türkei, entlang der türkischen Grenze zu setzen. Aber es wird durch Namensänderungen, politische Manöver und einer verschleierten politischen Sprache einfacher, solche Vorschläge zu eröffnen.

Die beharrliche US-Unterstützung gegenüber der PYD ist für Russland von Bedeutung. Russlands langjähriges Ziel ist es, die Baath-Herrschaft in Syrien zu stärken. Die Voraussetzung dafür ist aber keine Assad- sondern einer Baath-Mentalität. Da die PYD an einer ähnlichen Ideologie festhält wie die Baath, scheint die PYD die einzige gemeinsame Komponente der USA und Russlands in Syrien zu sein. Wenn die Zukunft Syriens auf diesen stalinistischen, terroristischen gemeinsamen Komponenten aufgebaut wird, wenn die Entscheidung über Syrien in Wien drauf basiert, wird den Nahen Osten ein noch viel schlimmeres Unheil erwarten. Wir hoffen, dass die vernünftigen Anführer der USA und Russland dies verstehen, bevor es zu spät ist.

 

1- http://haber.star.com.tr/yazar/abd-pydye-silah-vermiyor-mu/haber-1067818
2- https://www.hrw.org/report/2014/06/19/under-kurdish-rule/abuses-pyd-run-enclaves-syria
3- https://www.hrw.org/news/2015/07/10/syria-kurdish-forces-violating-child-soldier-ban-0
4- https://www.amnesty.org/en/press-releases/2015/10/syria-us-allys-razing-of-villages-amounts-to-war-crimes/

Adnan Oktar's in den Arab News veröffentlichter Artikel:

http://www.arabnews.com/columns/news/838611

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