Harun Yahya

Sehr geehrter Botschafter der USA Herr John Bass,

Sehr geehrter Botschafter der USA Herr John Bass,

Zuerst gratuliere ich Ihrer Person und in ihrem Namen dem amerikanischen Volk für das 239. Jahr der Unabhängigkeitserklärung und beherzige ein unabhängiges, stabiles und sicheres Leben in Wohlfahrt des amerikanischen Volkes bis zum Tag des jüngsten Gerichts. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um Sie auf einige wichtige Themen und einige kritische Punkte im Zusammenhang mit Ihren Erläuterungen, die Sie als Gastgeber bei Ihrem Empfang am Tag der Unabhängigkeitserklärung über die neuesten Entwicklungen in Syrien erwähnten, die aber falsch verstanden werden könnten, aufmerksam zu machen.

1. In Ihrer Erklärung sagen Sie: „Die Führung der USA und die türkische Regierung sind in der Hinsicht dieser Grundsätze sehr konsistent. Wir sind der gleichen Meinung und entschlossen, diese Meinung sowie Erwartungen der PYD mitzuteilen.

Die PYD, die in letzter Zeit die ISIS aus dem Teilgebiet vertrieben hat, muss diesen Grundsätzen treu bleiben.“

Zuallererst möchten wir betonen, dass die PYD keine legitime Organisation ist, der man eine Erwartungsliste übermitteln kann, sondern eine Terrororganisation, was auch von internationalen Institutionen bestätigt wird.

So wie es zwecklos ist, der Taliban, der ISIS oder der Al-Kaida eine Erwartungsliste zu übermitteln, ist es auch zwecklos, die PYD als einen Gesprächspartner zu betrachten und Erwartungen zu übermitteln. Wie es jedem bekannt ist, ist die PYD eine in Syrien aktive Zweigstelle der Terrororganisation PKK, die offiziell im Jahre 2003 gegründet wurde und in ihrer offiziellen Deklaration “Öcalan“ als ihre ideologische Führung anerkennt und in der administrativen Verwaltung sich an die Kongra-Gel (kurdischer Volkskongress) anschließt. Die PYD ist eine untergeordnete Bewegung der KCK und die KCK ist in Europa und im mittleren Osten die Mutterorganisation aller PKK-Strukturen. Sie vertritt angeblich ein konföderales Staatssystem, also den Traum von einem “autonomen kommunistischen Kurdistan“, das alle staatlichen Organe verwaltet, repräsentiert und die PKK sowie PYD in sich einschließt.

Der Exekutivrat der KCK vertritt die Exekutive der Regierung dieses sogenannten unabhängigen kommunistischen Staates “Kurdistan“ und ist angeblich die Regierung dieser Organisation. Die PKK herrscht über all ihre bewaffneten Untergruppen und alle Organisationen im Teilgebiet. Einer dieser Organisationen unter ihrer Führung ist die PYD. Infolgedessen ist die PYD nicht nur eine ideologische, sondern auch eine strukturelle und finanzielle Erweiterung der PKK und unterscheidet sich nicht von der PKK. Die PKK ist, wenn wir uns kurz nochmal daran erinnern, eine Terrororganisation mit Sezessionsbestrebungen, die seit über 30 Jahren in unserem Land bei fast 80.000 Terroranschlägen, zehntausende türkische Staatsangehörige, unter denen sich auch unschuldige Säuglinge, Kinder und Frauen befanden, ermordet hat. Sie ist eine blutrünstige, separatistische Terrororganisation, die für das Fallen von Soldaten und Polizeibeamten verantwortlich ist. Das einzige Ziel dieser Terrororganisation ist nichts anderes als die Gründung eines “kommunistischen Kurdistans“ im Südosten der Türkei, Nordirak und in einigen Teilen des Iran und Syriens. Während die PKK den Versuch plant, den Südosten der Türkei zu trennen und somit den Nordteil des “kommunistischen Kurdistans“ zu gründen, bestrebt die PYD Vorbereitungen zur Gründung des Südteils des gleichen “kommunistischen Kurdistans“. Durch die Ausnutzung der dort herrschenden autonomen Lücke und die Unterstützung der externen Mächte, versuchen sie Land in Syrien und im Irak zu besetzen. Beide Terrororganisationen schrecken nicht davor zurück, für ihr Ziel, jegliche Art von Terroranschlägen auszuüben, Morde zu begehen und Menschenrechte zu verletzen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die PYD und PKK die selbe illegale Terrororganisation sind. Sie sind die gleiche Organisation mit nur zwei unterschiedlichen Namen, die in unterschiedlichen Regionen, die gleichen Attentate begehen. Aus dieser Sicht betrachtet ist es eine Zwei-Standard-Politik, auf der einen Seite die PKK als eine Terrororganisation einzustufen, aber auf der anderen Seite zu versuchen, die PYD zu legitimieren.

Schlussfolgernd kann man sagen, dass zwischen der türkischen Republik und diesen illegalen, separatistischen Terror- und Mordorganisationen, die innerhalb der türkischen Republik und außerhalb der türkischen Grenzen versuchen, die einheitliche Struktur der Türkei zu stören, in keinster Weise, Solidarität, gegenseitige Unterstützung, Zusammenarbeit oder gemeinsame Bewegung stattfinden kann. Diese Organisationen sind auch nie ein Gesprächspartner des türkischen Staates gewesen und werden es auch nie werden.

2. Herr Bass, Sie erwähnen an einer Stelle Ihrer Erklärung, dass die Türkei und die USA im Norden Syriens und an den Grenzen der türkischen Republik, die gleichen Sorgen bezüglich der ISIS teilen und meinen, dass aus Ihrer Sicht ein wichtiger Punkt bestehe, der folgendermaßen lautet: „wer das Grenzgebiet in Syrien kontrolliert, solle zuerst die ISIS bekämpfen und verhindern, dass die ISIS dieses Gebiet kontrolliert.“

Zuerst muss betont werden, dass die von der ISIS verursachten blutigen Attentate im Gebiet nicht zu unterstützen sind und auch nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Es ist aber auch offensichtlich und eine konkrete Realität, dass die ISIS bis heute keine Angriffe gegen die Sicherheit und die territoriale Integrität der türkischen Republik ausgeübt hat und solche Aktionen auch nicht beabsichtigt. Die ISIS ist nicht der Erste in der Rangfolge des türkischen Staates bei der Bekämpfung des Terrorismus, sondern die PKK-PYD und die Kandil-Kooperation, die es sich seit ihrer Gründung zum Ziel gesetzt haben, die einheitliche Struktur der türkischen Republik zu zerstören, um ein “kommunistisches Kurdistan“ gründen zu können und aufgrund dieser Absichten zehntausende türkische Bürger ermordet haben.

Selbstverständlich wird die türkische Republik entlang des Grenzgebietes im Südosten die nötigen militärischen und logistischen Vorkehrungen zum Schutze des eigenen Landes und der einheitlichen Struktur treffen, um gegen jegliche Risiken, die in dieser Region durch Chaos und Unruhen entstehen können, gewappnet zu sein.

Es ist von unserer Seite nicht zu akzeptieren, dass unser Land in ein Chaos und Abenteuer gestürzt wird, weil einige internationale Kreise provokativ darauf beharren, dass die türkische Republik, der ISIS den Krieg erklärt. Wie Sie es auch zu schätzen wissen, ist es ein natürliches Recht, dass die türkische Republik ihre Außenpolitik und ihre militärischen Entscheidungen nach konkreten und nationalen Bedürfnissen zu veranlassen hat.

Ein wichtiger Bereich am syrischen Grenzgebiet wird von der Terrororganisation PYD kontrolliert. Ein viel wichtigeres Thema, auf das man sich konzentrieren sollte, ist, dass es falsch ist, die Strategie einer Terrororganisation zu unterstützen, um die Gewalt des Radikalismus zu stoppen. Während man die ganze Aufmerksamkeit der ISIS schenkt, wird die außermenschliche und ethnische Genozid-Politik der PYD gegen die arabischen und turkmenischen Einwohner, außer Acht gelassen.

Die PYD übt in den usurpierten Teilgebieten, tagtäglich schlimmer werdende Gewalt gegen kurdische Dissidenten und dem dort lebenden Volk aus. Sie unterdrücken und terrorisieren die arabischen und turkmenischen Völker. Mit ihrer Exilmethode betreiben sie eine ethnische Säuberungspolitik. Der Massenmord im letzten Jahr in Kamisli, der von diesen Terroristen begangen wurde, ist immer noch in unseren Erinnerungen. Aus dem letzten besetzten Ort von dieser Terrororganisation, Tal Abjad, wurden die einheimischen Bewohner gezwungen zu fliehen. Den Arabern und Turkmenen, die in die türkische Republik flüchten mussten, werden bis heute die Grenzen geschlossen gehalten und somit die Rückkehr in ihre Heimat verhindert. Die PYD versucht auch die Bevölkerungsstruktur systematisch zu ändern, indem sie Al-Dschazira und Ain Al-Arab neu zu strukturieren und die dazwischen liegenden Kantone im Korridorgebiet neu zu gestalten versuchen. Sie stationieren ihre Kohorten anstatt das einheimische Volk, das sie zur Flucht gezwungen haben. Sie versetzen das kurdische Volk in Angst und Schrecken, das sich gegen ihre Ideologie wehrt. Sie sind in der Bemühung, im Gebiet ein “kommunistisches Kurdistan“ zu gründen, in dem weder das kurdische Volk noch andere Völker in Frieden und glücklich leben können.

Wenn vor Ort solche Verhältnisse herrschen, kann nicht von einem gerechten und objektiven Ansatz geredet werden, wenn man bei dem Thema “ISIS Terror“ sehr empfindsam reagiert, aber über den rücksichtslosen Terror und die Gewaltanwendung der PYD hinwegsieht.

Sehr geehrter Herr Bass,

Die ISIS ist auf dem falschen Weg und in Handlungen verwickelt, die in keinster Weise zu akzeptieren sind. Die ISIS mit Waffen und Bomben zur Vernunft zu bringen, ist unmöglich. Wie auch Herr Obama in seiner letzten Erklärung erwähnte: „Ideologien können nur mit besseren Ideologien besiegt werden.“

Laut dem Koran - der einzigen Quelle des Islam - bringt man jemanden, der auf dem falschen Weg ist, mit Bildung und Beratung auf den richtigen Weg und nicht indem man denjenigen ermordet. Genauso wie ein großer Teil der islamischen Gemeinde, erliegt auch die ISIS der Unwissenheit und begeht den Fehler, sich im Namen des Islam den Radikalismus anzueignen.

Somit ist die beste Maßnahme, die gegen die ISIS angewendet werden kann und auch die einzig wirksame Methode ist, um sie zu stoppen, eine breite und umfassende kulturelle Arbeit gegen den Radikalismus und Fanatismus zu beginnen. Dies ist die einzige Lösung, gegen die ISIS und muslimische Gemeinden, die sich die Ansicht des Radikalismus angeeignet haben, vorzugehen. Den Radikalismus kann man nur dann beenden, wenn man die wahre Religion, die im Koran erklärt wird, mit Beweisen aus dem Koran belegt. Außerdem besagt die Erfahrung, dass Gewalthandlungen, die mit Gegengewalt in Form von militärischen Methoden bekämpft werden, das Ausmaß solcher Gewalttaten nur noch mehr vergrößern und dem Gebiet nichts als Gräuel bringen und sich dieser Gräuel unwiderruflich auf der ganzen Welt verbreitet.

Ein kommunistisches Kurdistan, das in diesem Gebiet gegründet werden soll, wird weder für die türkische Republik noch für den Freund und Verbündeten, die USA, ein Gewinn sein, sondern ein ernsthafter Verlust.

Dass die Terrororganisation PKK-PYD marxistisch, leninistisch und stalinistisch strukturiert ist, bestätigt angefangen von Öcalan, die unzähligen Erklärungen der Anführer, die politische Stellung der Organisation, ihre Aktivitäten und Methoden. Die Organisation pflegt eine intensive marxistische, leninistische und stalinistische Bildungspolitik für seine Anhänger. Bei ihren Diskursen und Gesprächen erwähnen sie immer diese kommunistische Philosophie und versuchen ihren Milizen und Kohorten diese Ideologie aufzuzwingen.

Die Organisation, welche die USA und die westlichen Länder seit Jahrzehnten mit den klassischen kommunistischen Klischees als imperialistische Ausbeuter verurteilt und beschuldigt, hat es leider in letzter Zeit geschafft, die finanzielle und militärische Unterstützung einiger Länder zu bekommen, unter dem Vorwand “modern, westlich und Demokratieliebhaber“ zu sein.

Diese kommunistische Organisation, die sich den “Verrat“ zur Lebensphilosophie gemacht hat, wird sobald sie einen Status erlangt, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, ohne zu zweifeln unter die Herrschaft der Shanghai Union treten. In diesem Fall wird es eine Frage der Zeit sein, bis dieser Satellitenstaat, den die Supermächte in diesem Gebiet als Basis zu errichten planen, plötzlich unter die Herrschaft anderer Blöcke fällt. In diesem Zusammenhang ist der jüngste Besuch der HDP, welche der politische Vertreter der PKK ist, als eingeladener Gast der Kommunistischen Partei Chinas von großer Bedeutung.

Eine Kooperation und Zusammenarbeit mit solchen Strukturierungen wird weder der USA, die seit Jahren den Kommunismus entschlossen bekämpft, noch seinen Verbündeten irgendwelche Vorteile bringen. Wir empfinden es als sehr nützlich, wenn die USA und die Koalitionsregierungen diese Angelegenheit einer neuen Bewertung unterziehen.

Mit freundlichen Grüßen,

Adnan Oktar

Ehrenpräsident der Stiftung zur Erhaltung der nationalen Werte

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