Harun Yahya

Was bedeutet es, eine Frau in Afghanistan zu sein?


Es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Entwicklungsgrad eines Landes und die Wertschätzung ihrer Frauenrechte. Man kann nicht von Zivilisation reden, wenn Frauen in einer Gesellschaft unterschätzt werden. Wenn in einem Land den Frauen die Freiheit fehlt, bedeutet das die Katastrophe für dieses Land. Egal wo auch immer Frauen unterdrückt werden, dort werden damit auch Menschenrechte missachtet. Für solche Länder ist der Untergang unumgänglich.

Mit den heutigen Stand und ihrer Vergangenheit ist Afghanistan ein Beispiel für diese Verallgemeinerungen. Es sieht so aus, als ob sich das Land mit Elend, Fanatismus, Zurückgebliebenheit und Gewalt gegenüber Frauen identifiziert hat.

Zu Zeiten des Taliban Regimes

In den 90´er Jahren hat Afghanistan in Bezug auf Frauenrechte die dunkelsten Jahre ihrer Geschichte gehabt. Ab dem Zeitpunkt als die Taliban das Regime unter ihrer Kontrolle hatten, begann für afghanische Frauen ein grauenvoller Zeitabschnitt. Das Taliban Regime hat gegenüber Frauen einen immensen Druck aufgebaut und Gewalt ausgeübt. Frauen wurde nahezu alles verboten: gepflegt zu sein, zu lachen, feiern, die Schule zu besuchen, zu arbeiten, sich von männlichen Ärzten untersuchen zulassen, die Meinung frei zu äußern, mit Männern zu reden. Frauen wurde auch verboten ohne die Erlaubnis ihres Mannes oder einen männlichen Verwandten als Begleitung, auf die Straße zu gehen. Es wurde angeordnet, dass die Hausfenster entweder zugemauert wurden oder mit Farbe bemalt. Die fanatische Talibanlogik verbot es das Vögel in Käfig gehalten wurden, doch laut den Gesetzen müssen Frauen in ihren Häusern wie in Zellhaft leben.

Wenn Frauen sich an die Gesetze nicht hielten, wurden sie erbarmungslos bestraft. Sie wurden öffentlich vor Zuschauern geschlagen, ausgepeitscht oder gesteinigt. Die Strafe für Frauen die Nagellack benützten ist die Abtrennung ihres Fingers. Die ganze Welt ist Zeuge wie unschuldige Frauen die radikale Ideologie der Taliban untersetzt sind. Es gab Nachrichten, welche sich in unsere Gedächtnisse eingravierten. Zum Beispiel die Geschichte von Bibi Aisa, welche mit 12 mit einem Krieger verheiratet wurde. Ab dem Ersten Tag ihrer Zwangsehe wurde sie täglich verprügelt. Und als sie sich scheiden lassen wollte, trennte ihr Mann mit einem Messer ihre Nase und Ohren.

Das nicht endende Drama der afghanischen Frauen

Eines der Besatzungsgründe der NATO und USA im Jahre 2001 war es, die Frauen von der Unterdrückung zu befreien. Jedoch ist dieses Ziel nur wörtlich geblieben. Schauen wir einmal was die angesehenen internationalen Organisationen in ihren täglichen Berichten schreiben, damit wir noch einmal verstehen wie schwer es ist eine afghanische Frau zu sein.

⁃  Laut den statistischen Angaben ist Afghanistan eines der Länder indem man als Mutter oder Kind am gefährlichsten lebt.

⁃  Jede neunte von zehn Frauen widerfährt sexueller wie auch körperliche Gewalt.

⁃  85 % der Frauen sind Analphabeten und kennen nicht einmal die Basisbildung.

⁃  Im Durchschnitt bekommt eine Frau 6 Kinder.

⁃  Das Durchschnittsalter der Frauen in Afghanistan ist 51 Jahre.

⁃  Ca. 50 % der afghanischen Mädchen werden vor ihrem 12 Lebensalter verheiratet.

⁃  Manche Familien verheiraten ihre Töchter um ihre Schulden zu begleichen.

⁃  Es das Land indem während der Schwangerschaft und bei der Geburt die meisten Todesopfer gezählt werden.

Dies beunruhigenden Ziffern und Informationen haben sich in den letzten Jahren um ein wenig verbessert. Doch afghanische Frauen sind trotz dessen Gewalt, psychischem Druck, Ungleichheit, Diskriminierung und Ungerechtigkeit ausgesetzt. Ihre bisherige Lebensbedingungen haben sich nicht verbessert. Ihre Situation kann man immer noch als Gefangenschaft bezeichnen. Dafür gibt es zwei Hauptgründe.

Die Taliban hat vor allem in den Gebirgsgebieten wieder an Macht gewonnen und lässt das durch Terrorakte die Regierung immer wider spüren und fordert sie damit heraus. In den Regionen in der die Taliban die Oberhand ergriffen hat, geht die Gewalt und Unterdrückung gegenüber Frauen weiter. Um die Bildung der Mädchen zu verhindern werden Schulen verbrannt, Schülerinnen und Lehrerinnen werden angegriffen, Frauenrechtler wurden ermordet, Frauen werden bedroht und somit klein gehalten.

Ein anderer Grund für die Unterdrückung der Frauen ist das verbohrte, falsche Verständnis der afghanischen Gesellschaft, was Frauenrechte anbelangt. Auch die traditionellen und kulturellen Werte, welche aber nirgends im Koran zu finden sind, tragen dazu bei. Immer noch gibt es in der afghanischen Regierung und im Parlament Meinungsführer, welche gegen Frauenrechte und Freiheit der Frauen sind. Manche von ihnen sagen ihre Meinung offen, doch einige fürchten sich vor dem Westen und machen deshalb halbherzige, unehrliche Äußerungen.

Das sind die Gründe warum den frommen afghanischen Frauen die wirtschaftlichen und kulturellen Rechte beschnitten werden und sie auf diese Weise weiter leben müssen. Durch die Unterdrückung ihrer Familien wie auch durch ihren Stamm werden sie zermürbt und zum Schweigen gebracht. Die afghanischen Institutionen sind bekannt für ihre Korruptheit und deshalb sind Frauen die sich beschweren wollen zum Schluss auch noch selber schuld, obwohl sie natürlich im Recht sind.

Die neue afghanische Regierung

Ohne Zweifel hat die neue afghanische Regierung und der neue Regierungspräsident Aschraf Ghani große Probleme vor sich. Doch das wichtigste ist das der Druck, die Gewalt, die Belästigung, die Bedrohung und alle anderen Schwierigkeiten welche Frauen erleben, schnellst möglich aufgehoben werden. Denn solange die Situation der Frauen sich nicht bessert, wird Afghanistan auch keinen Aufschwung erleben.

Auch wenn in naher Zukunft eine nationale Abmachung zwischen der Taliban und der Regierung nicht in Sicht ist, gibt es ein fundamentales Thema welches zu beachten sei: Die Regierung darf auf keinen Fall die Rechte und die Freiheit der Frauen in dieser Abmachung verletzen, dass wäre nicht hinnehmbar.

Kanzler Ghani sagt offen dass das Thema Frauenrechte, eines der Probleme sei welche Priorität hat. Ob das nur ein politisches Versprechen ist, wird sich mit der Zeit heraus stellen. Zudem gibt es die Hoffnung das die Frau des Kanzlers Rula Ghani, welche libanesische Wurzeln hat, sich zu diesem Thema aktiv bemühen wird. Doch leider wird das Bestreben des Kanzlers und seiner Frau und der Regierung allein nicht ausreichen.

Die Lösung zur Ausweglosigkeit

Der Grund warum afghanische Frauen diese Grausamkeiten erleben, beruht sich auf die sehr alten abergläubischen Riten und Überlieferungen, welche dem Islam beigefügt wurden. Die falsche kulturelle und traditionelle Ansicht der afghanischen und gleichzeitig muslimischen Gesellschaft gegenüber Frauen, haben ihre Quellen in diesen abergläubischen Riten und Überlieferungen. Das bedeutet, das durch Tadeln oder beharrender, aufgezwungener Politik sich die Probleme nicht lösen werden.

In Wahrheit beinhaltet der Islam kein System welche Frauen unterdrückt. Der Koran vergleicht Frauen mit Blumen, sie sind der Schmuck und die Schönheit des irdischen Lebens. Sie sind ein Segen für uns und haben einen hohen Stellenwert. Das wiederum zeigt das die Lösung des Problems darin steckt, die falsche, fanatische, bigotte Ideologie in den Köpfen zu ändern. Man sollte der afghanischen Gesellschaft den Stellenwert der Frau, den Allah im Koran uns zeigt, erklären. Es sollte eine ernste, ehrliche und bestrebte Bildungskampagne gestartet werden. Dies ist der einzige Weg wie Afghanistan, aus der Ausweglosigkeit wieder gerettet werden kann.

Das war der Artikel von Herrn Adnan Oktar, welcher in den Zeitungen Daily Times und Daily Mail veröffentlicht wurde.

 

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