Harun Yahya

Im Kampf gegen den IS Terror muss der Westen die wahren Ursachen des Problems kennen


Laut den Aussagen des amerikanischen Außenministers John Kerry, haben sich seit dem letzten Sommer mehr als 20.000 Menschen der IS angeschlossen. Aus mehr als 100 verschiedenen Ländern stammen diese Menschen, welche mit dem selben Ziel in den Irak oder Syrien gereist sind. Wenn man es mit dem damaligen Auftakt gegen die sowjetische Union vergleicht, hatten sich in Afghanistan in einem Zeitraum von 10 Jahren 20.000 fremde Soldaten der Widerstandsarmee gegen die Sowjets versammelt.

Diese beeindruckenden Aussagen hat Kerry im Weisen Haus am Gipfeltreffen (17-19 Februar 2015) „Im Kampf gegen die Gewalt und den Extremismus“ gemacht. Hochrangige amerikanische Zuständige haben bei diesem Zusammentreffen, in der aus 60 verschiedenen Ländern Vertreter teilnahmen, Reden gehalten. Drei Tage lang wurde in diesem Treffen darüber debattiert und nach Lösungen gesucht, wie man „radikale islamische Organisationen“, besser gesagt die Teilnahme an der IS verhindern kann. Es wurden verschiedene Ideen zur Sprache gebracht, welche die Anziehungskraft der IS vielleicht beeinträchtigen könnte.

Der „Kampf gegen Gewalt und Terror“ Gipfel im Weisen Haus, hat keine ernsthaften Lösungen beitragen können. Man kann dieses Treffen nicht mehr als eine gut gemeinte Anstrengung bewerten. Es ist nicht verwunderlich, dass es erfolglos geblieben ist, denn diejenigen welche die weltweite Politik polarisieren, haben immer noch nicht begriffen was die Hauptursache des radikalen Terrors ist. Dieser Gipfel hat es erneut bestätigt.

Außenminister Kerry hat in seiner Rede noch eine weitere Bemerkung gemacht, er sagte: „Seien wir doch ehrlich, diejenigen welche im Namen der IS nach neuen Anhängern suchen, suchen nicht nach religiösen Menschen welche die Prinzipien des Islam kennen. Sie suchen nach naiven Mitgliedern, die glauben dass diese Terroristen ihren Lebensstil genießen. Zudem sollten diese neuen Mitglieder gehörig sein und alles verordnete ausführen und sich von den „Erfolgen“ der IS blenden lassen.“

Wie man aus diesen Sätzen John Kerry´s erkennen kann, täuscht er sich gewaltig was die IS Mitglieder und deren Sympathisanten angeht. Diejenigen welche sich zur Mitgliedschaft der IS entschlossen haben, wissen genau dass im Irak und Syrien sie ein erbarmungsloser Krieg und Leid aller Art erwartet. Ein Großteil von ihnen hat auf keinen Fall die Träume eines glorreichen Lifestyles. Im Gegenteil sind sie jeden Moment bereit zum Sterben und ohne mit der Wimper zu zucken zu Morden. Der Grund für deren absolute innere Entschlossenheit ist der Glaube, dass dies der Islam sei. Wobei es nicht mehr als ihre eigene Ideologie ist, welche vollkommen auf falsche Quellen basiert. Seit Jahrhunderten wurden Aberglaube und falsche religiöse Informationen zu einer falschen Ideologie vermischt, von der sie annehmen dass dies der Islam sei. Ihre Gedanken sind voll mit sogenanntem islamischen Wissen, welche sie aus abergläubischen Quellen und aus dem sozialen Netz erlernt haben. Und genau diese Quellen beinhalten Extremismus und Gewalt. Jedoch sind diese Informationen nirgends im Koran zu finden und dem völlig gegensätzlich. Vielmehr kann man sie in der sunnitischen Islamkultur und in deren Basiswerke wieder finden. Das bedeutet dass die Ursache des Problems viel umfangreicher und komplizierter ist, als Herr Kerry das diagnostiziert.

Der amerikanische Präsident Barack Obama hingegen hat in seiner Gipfelrede gesagt, dass IS und andere Terrororganisationen bei der Suche die wirtschaftlichen Probleme der neuen Mitglieder nutzen und sie damit anlocken. Weiter sagte er: „Wenn wir ernsthaft gegen Extremismus und Gewalt ankämpfen, müssen wir genauso ernsthaft die wirtschaftlichen Probleme angehen“. Dieselbe Meinung wurde von der Rednerin des amerikanischen Außenministeriums Marie Harf, in einer noch schärferen Ausdrucksweise vertreten. Harf sagte dass die hohe Mitgliedsrate der IS auf die Arbeitsplatzknappheit zurückzuführen wäre und dass dies der Hauptgrund sei.

Die Annahme dass der Radikalismus auf die Arbeitslosigkeit und auf wirtschaftliche Probleme basieren würde, war schon immer eines der größten Hindernisse warum es zu keiner Lösung kam. Doch Tatsache ist das die IS Anhänger wie bei anderen radikalen Gruppen auch, aus jeder sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und ethnischen Schicht kommen. Viele von ihnen stammen aus reichen Familien und viele von ihnen sind hochrangige Karrieremenschen. Um es nochmals zu verdeutlichen, diese Menschen kommen nicht aus den armen Vorstädten oder aus der Armenschicht. Ein nicht zu unterschätzender Teil von ihnen kommt aus westlichen Länder, in denen sie alle Möglichkeiten aufgegeben haben, um sich einem wilden und blutigem Krieg anzuschließen. Diese Tatsache ist momentan jedem bekannt. Daher ist es offensichtlich falsch, die Problem auf die wirtschaftlichen Hintergründe zurückzuführen, denn das bedeutet sich noch weiter von der Lösung zu entfernen.

In dem Gipfeltreffen wurden noch weitere Aussagen über die Beschreibung der IS gemacht. Obama hat in seiner Schlussrede über die „falschen Versprechungen des Extremismus“ berichtet. Der Präsident wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Leader der radikalen Terrororganisationen Personen seien, die nach Eigenvorteilen gieren und dass sie der Ideologie welche sie vertreten überhaupt keinen glauben schenken. Diese Meinung teilte auch Obama´s IS Spezialabgeordneter und General John Allen. Allen beschrieb am 25 Februar im amerikanischen Senat, IS als eine „kriminelle Bande und Todessekte“. Es ist auch kein Geheimnis, dass die weltweite öffentliche Meinung, wie die von Allen ist.

Zu denken dass die IS eine kriminelle Organisation sei, welche mit Terror materielle Dinge erlangen will, ist eines der Fehler westlicher Leader. Es ist Fakt dass die IS eine Ideologie hat, an der sie felsenfest glauben. Auch wenn diese Ideologie nicht richtig ist, würden sie für diese fehlerhaften Werte alles in Kauf nehmen. Die IS Mitglieder haben diesen Weg eingeschlagen, ihr Leben und ihr ganzes Hab und Gut entschlossen und ernsthaft aufs Spiel gesetzt. Banden Mitglieder dagegen sind Personen die aus materiellen Gründen organisiert sind, sie haben keine nennenswerte Ideologie der sie nachgehen.

Im Kampf gegen ideologisch organisierte Gruppen, waren Morddrohungen und das Zudrehen ihrer Geldquellen stets kontraproduktiv und hat das Gegenteil bewirkt. Wenn man eine falsche Ideologie besiegen will, muss man die richtige Ideologie lehren.

Fazit ist, dass die USA wie auch der Westen im allgemeinen gegen IS oder auch andere Terrororganisationen dir falsche Diagnose gesetzt haben, sodass falsche Methoden angewandt wurden, die zu falschen Lösungen führten. Diese sogenannten „Lösungen“ haben den Radikalismus nicht nur verstärkt, sondern die USA in ganz große Schwierigkeiten gebracht. Es ist nun an der Zeit, dass die USA wie auch die Koalitionsmächte die wahre Ursache des Problems erkennen, damit sie die richtigen Lösungen anwenden können. Es gibt nur einen Weg IS oder andere Terrororganisationen zu bekämpfen: die richtige Bildungspolitik anzuwenden, damit die falsche Ideologie erkannt wird.

In den Medien konnte man schon des öfteren verfolgen, wie IS ganz normale Menschen zu kaltblütigen Killermaschinen verwandelt hat. Es sind die abergläubischen Riten, welche die IS Mitglieder zu solchen Menschen verwandelten. Diese abergläubischen Riten, haben den größten Teil der islamische Gemeinde im Griff. Im Sumpf dieser falschen Bräuche und Riten war es unumgänglich, dass grauenvolle Ideologien entstehen. Daraus resultieren und entwickelten sich Gesellschaften deren Handlungen und Denkweisen mit dem Koran völlig gegensätzlich sind.

Wir werden mit folgender Realität konfrontiert: Das Problem das wir zu lösen haben, ist ein ideologisches Problem. Gegen eine falsche Ideologie, kann man nur mit der richtigen Ideologie ankämpfen. Gegen eine Ideologie sind militärische Operationen keinesfalls die richtige und kluge Weg. Für jeden getöteten IS Militanten, wird ein neuer rachsüchtiger und mit Wut erfüllter Militant nachfolgen. Dadurch entfacht sich der Radikalismus. Nur durch die richtige Bildung kann man es aufhalten, dass IS neue Militanten gewinnt. Eine islamische Bildung ohne jegliche Zusätze, nur mithilfe des Koran.

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Dieser zu deutsch übersetzte Artikel von Herrn Adnan Oktar, wurde in den Zeitungen „English Pravda“ und „New Straits Times“ veröffentlicht.

 

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