Harun Yahya

Terror gehört zu keiner Religion




Wir leben in einer Zeit, in der Widerwertigkeiten, Gewalt und Hass in fast allen Ecken der Welt zum Alltag dazu gehören. Die täglichen Nachrichten sind voller Blutvergießen aus den verschiedensten Regionen, und die Gewalt richtet sich meistens gegen die Unschuldigen.

Die Terrorangriffe, die am letzten Wochenende in Kenia und Pakistan ausgeübt wurden, haben erneut den Islam und das Thema Gewalt auf die weltweite Agenda gesetzt. Auch wenn der Islam eine Religion des Friedens und der Liebe ist – und ganz offen sagt, dass Alle wie Erste-Klasse-Mitmenschen behandelt werden müssen, egal welchen Glaubens, Rasse, Sprache und Gedanken – wie kommt es dann, dass es zu so viel Gewalt und Schmerz in der muslimischen Welt kommt?

Keine Religion befiehlt Gewalt. Keine Religion ermutigt zur Rücksichtslosigkeit, Selbstverliebtheit, Lieblosigkeit und Massaker. Gewalt und die Bedingungen, die den Weg zur Gewalt ebnen, ergeben sich, wenn Ideologen der Konfliktverherrlichung die moralischen Werte der Religion, die Menschen als gleichberechtigte Diener ansehen, die von Allah geschaffen wurden und Bescheidenheit, Gedult, Zuneigung und unzuerwidernde Liebe preisen, ersetzen.

Nur weil sich einige Terroristen Muslime nennen, die andere Menschen erschießen, wenn sie nicht die richtige Antwort erhalten, nachdem sie diese über die „Säulen des Glaubens“ gefragt haben, die in ihren Waffen Zuflucht suchen, wenn sie ein „Ja“ auf die Frage „Bist du ein Christ?“ hören, und die rücksichtslos Unschuldige ermorden, macht es sie nicht zu Anhängern der Muslime.

Selbst ein Selbstmordattentat in einer Kirche in Pakistan hat nicht mit dem Islam zu tun. Allah bemerkt im Koran, dass die Kirchen Orte sind, an denen „Allah´s name sehr oft genannt wird“ (22:40) und daher stehen Kirchen unter dem Schutze Allahs. Jeder, der versucht Kirchen zu zerstören, widersetzt sich dem Befehl Allahs.

Konflikte gehen einher mit Lieblosigkeit. Werfen wir einen Blick auf die islamische Welt. In der heutigen Zeit akzeptieren einige der Schiiten Muslime die Sunniten nicht mehr als wahre Muslime an, und einige der Sunniten erachten die Schiiten nicht als Muslime. Jedoch, egal deren Unterschiede, sowohl die Schiiten als auch die Sunniten sind Muslime, die an den gleichen Allah glauben und den gemeinsamen Propheten, die sich an die gleiche Kibla wenden und den gleichen heiligen Koran lesen. Es gibt keinen Unterschied im Koran zwischen den Sunniten und den Schiiten. Warum also gibt es Feindschaft anstatt den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden? Warum wird Blutvergießen und Hass gefördert? Die Antwort ist einfach: Lieblosigkeit. Das Problem ist nicht das Sektierertum. Das Sektierertum ist nur ein andere Name für die Legalisierung von Hass und Gewalt.

Die Kernbotschaft des Islam ist Liebe, Zuneigung und Freundschaft. Muslime sind verpflichtet die Gedankenfreiheit und Glaubensfreiheit, die vom Koran befohlen wurden, zu verteidigen, „Ihr habt eure Religion und ich habe meine Religion“ (109:6) sowie „...es existiert kein Druck, was die Religion angeht“ (2:256). Dieser Ansatz ist die beste Beschreibung für Demokratie und stellt sicher, dass die Anhänger jeden Glaubens, geschützt sind.

Dies gesagt, eine Religion, welche befohlen hat, dass, „...wenn irgendjemand diese [Vergeltung] als Nachsicht übergeht, wird dies als Akt der Sühne angesehen...“ (5:45), selbst für jemanden, der einen Mord begangen hat, Gewalt verherrlicht, ist sowohl ignorant als auch unbarmherzig. Jeder Muslime ist verpflichtet zu glauben, dass „einen Menschen zu töten gleichzusetzen ist als ob die gesamte Menschheit ausgelöscht worden ist, und einem Menschen Leben zu schenken so ist, als ob man der gesamten Menschheit Leben schenkt“ (5:32), ohne zwischen den Religionen, Lebensweisen und Gedanken zu unterscheiden.

Einer der Gründe, dem einige Muslime, die den Terror und die Gewalt als den „richtigen Weg“ umarmen, folgen – obwohl der ausdrücklichen Befehle des Korans – ist der, dass sie sich von der Kernbotschaft des Islam abwenden. Wenn fanatische Mentalitäten, die die falschen Hadiths annehmen, die mit dem Koran im Gegensatz stehen, sich mit Ignoranz zusammentun, dann entsteht eine Struktur aus Hass und Wut.

Der einzige Weg dies zu verhindern, ist, den wahren Geist und die Moral des Koran zu verbreiten, der auf Liebe und Frieden beruht. Die muslimische Welt muss noch vieles vom Propheten Muhammad lernen, der den Christen erlaubt hat ihren eigenen Gottesdienst in der Masjid al-Nabawi (Die Moschee des Propheten in Medina) abzuhalten, seinen eigenen Umhang ausgebreitet hat für seine jüdischen und christlichen Gäste, um sich draufsetzen zu können, und der sich erhob und seinen Respekt zollte, als ein jüdischer Trauerzug an ihm vorbeizog. Um von diesen Lehren zu lernen, muss die muslimische Welt den Koran und unseren Propheten besser kennenlernen. Sie müssen die Schönheit des Islam erkunden mit allen vernünftigen, rationalen, realistischen Gesichtspunkten, die vom Aberglauben befreit sind. Dies kann nur durch Bildung passieren.

Der Westen hat ebenfalls eine Verantwortung, damit der Gewalt ein Ende gesetzt wird; er kann ehrlich sein und den ersten Schritt nehmen, um den Schmerz zu erkennen, den seine Politik, der er seit Beginn des 20. Jahrhundert verfolgt, angerichtet hat. Wenn dies getan ist, wird der Westen erkennen, dass es ein irrationales Unterfangen ist zu versuchen, die muslimische Welt so zu formen, dass sie den eigenen Interessen genügt. Ohne Zweifel denkt jeder Staat zunächst an das Wohlergehen seiner eigenen Leute und dem Land an sich; jedoch müssen sie wissen, dass wenn sie es so machen, dass sie die Rechte der Anderen ignorieren und diese gefühllos behandeln, wird es auf sie zurückprallen, so sicher wie die Nacht dem Tage folgt.

Der einzige Weg diese Probleme, die durch Fehler des letzten Jahrhunderts entstanden sind, zu lösen, ist, eine neue Gesellschaft aufzubauen. Waffenhandel, diktatorische Regime, offener und verdeckter Druck und Unterdrückung werden nie eine Gesellschaft erschaffen. Es kann lediglich durch eine Veränderung im Verhalten der Menschen geschehen. Und darum müssen wir zusammen eine neue Bildungskampagne starten, sowohl für den Westen als auch für den Osten. Lasst uns allen Menschen wieder den friedliebenden, versöhnlichen, moderaten, erbarmungsvollen, verstehenden, reifen Geist lehren, den Allah von uns verlangt. Lasst uns Lehrer der Liebe sein!

Wenn die gelehrten, moderaten, rationaldenkenden Menschen des Westens und der islamischen Welt Verbündete werden, können wir in kürzester Zeit einen signifikaten Wandel erreichen. Lasst uns nicht vergessen, dass das Gute in der Mehrzahl ist, aber wenn sie sich nicht verbünden, wird das Böse effektiver werden, denn das Böse verbündet sich und wird unbeirrt handeln, obwohl es zahlenmäßig unterlegen ist und weniger Menschen ihm folgen.

The Malaysian Insider:

http://www.themalaysianinsider.com/sideviews/article/terror-has-no-religion-harun-yahya

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