Harun Yahya

ISIS kann nicht durch einen militärischen Einsatz vernichtet werden, ein Ende des Terrors ist nur durch die Widerlegeung der Ideologie möglich.


Die USA sind seit den Anschlägen des 11. Septembers im Kampf gegen radikal Islamische Organisationen. Zu Beginn war die Rede davon, in dem genannten Gebiet die "Demokratie" einziehen zu lassen, nun spricht man davon die ISIS "dem Erdboden gleich zu machen". Es ist natürlich unmöglich die Bemühungen, die Amerika für die Friedensförderung in den verschiedenen Regionen der Welt beiträgt, wie in Kosovo, außer Acht zu lassen. Darüber hinaus ist es lobenswert, dass die USA trotz seiner wirtschaftlichen Probleme, die Sensibilität für humanitäre Hilfe an jeden Punkt auf der Welt zeigt. Und zweifellos ist es für den Weltfrieden notwendig, dass die Demokratie in der Islamischen Geographie einkehrt und das Grauen der ISIS ganz und gar vollständig verschwindet. Aber wichtig ist es zu wissen, wie das geschehen soll?

Nach dreizehn Jahren militärischem Kampf in den verschiedensten Geographien von Afghanistan bis Libyen, von Nigeria bis Irak gibt es eine konkrete Wahrheit: Der radikale Terror kann nicht durch militärische Methoden, Gewalt und Unterdrückung ausgelöscht werden, im Gegenteil, es gewinnt immer mehr an Macht. 

Die Statistiken weisen auf, dass die USA in Afghanistan und Irak ungefähr sieben Trillionen Dollar ausgegeben haben. Wieder besagen die Statistiken, das Amerika von den Steuergeldern seiner Einwohner jede Stunde zehn Millionen Dollar für den Kampf gegen den Terrorismus ausgibt. Der Verlust der getöteten Menschen ist gar nicht mit materiellen Werten zu messen. Es stellt sich nach so viel Ausgaben und Bemühungen folgendes Bild dar: Es gibt die ISIS, die eine Region unter ihrer Kontrolle hat, nahezu größer als Großbritannien; die Boko Haram, die junge Mädchen mit Gewalt entführen; die El Shabaab, die großes Verderben in Somalia hervorgebracht haben und die radikalen Organisationen, die Libyen in ein Blutbad verwandelt haben. Man kann dieses Bild ändern. Dafür ist es notwendig folgendes zu tun:

1. Jegliche Militäreinsätze, inklusive Luftangriffe, führen zur USA Feindlichkeit. In den betreffenden Ländern führen die Bombenangriffe neben dem Tod von Zivilisten, Schädigung der Städte und dem Vernichten der Infrastruktur weit mehr zur Wut als nur der Einschüchterung. Und diese Wut verschafft am meisten den radikalen Gruppen einen Nutzen. Ohne Zweifel ist es von den USA nicht gewollt, dass sie mit Milliarden Dollar Ausgaben Gegner gewinnen  und somit den Terror Organisationen Zugang zu neuen Mitgliedern verschaffen.

2. Obwohl manche Militäranalysten das Töten von Terrororganisations Führern, als eine wirksame Methode anpreisen, ist es jedoch ersichtlich, dass aus einer breiten Perspektive betrachtet, diese Methode keine Resultate erzielt. Es ist offensichtlich, dass durch das Töten von Osama bin Laden die El Kaida auch kein Ende nahm.  Nächstliegendes Beispiel zeigt, dass nach dem Töten vom Führer der El Shabaab Organisation ein Anschlag auf ein Konvoy des UN durchgeführt wurde und dabei 25 Menschen ums Leben kamen. Wie man sieht, steigt je nach Größe der Verwüstung auch die Gewalt, und das schafft wiederum eine verblendete Spirale der Gewalt.

3. Um diese Spirale der Gewalt zu brechen, sollte man in den Regionen wo der Terror dicht angesiedelt ist, sozio-ökonomische Verbesserungen durchführen. Und es ist auch offensichtlich das Methoden eingeführt werden müssen, wie die Gewährleistung für das Funktionieren von demokratischen Prozessen. Aber um das sicherstellen zu können, muss man die Faktoren richtig erkennen und bewerten, die das regionale Volk beeinflussen. Davon ist der Islam, unangefochten, der einflussreichste Faktor.

4. Die Betonung von Herrn Obama, dass ISIS nicht den Islam repräsentiere, ist ein sehr wertvoller und wichtiger Schritt. Jedoch muss die Ideologie der ISIS richtig erkannt haben. Ja, die ISIS repräsentiert nicht den Islam und auch nicht die Muslime, aber leider lehnen sich die meisten Werte, die sie verteidigen, an Auslegungen, die in manchen Islamischen Grundwerken zu finden sind. Wenn Sunnitisch-Islamisch kulturelle Grundwerke wie Buhari, Müslim, Ebu Davud und Tirmizi aufmerksam analysiert werden, sieht man in diesen Werken primitive und barbarische Bestrafungsmethoden wie „Köpfen oder zu Tode steinigen“, die es im Quran aber nicht gibt. Zunächst muss man diese Auslegungen aus den Islamischen Quellen entfernen und dann zum Kern der Religion, also zum Quran zurückkehren. Es müsste der ganzen Islamischen Welt detailliert erklärt werden, dass es diese Gewalt im Quran nicht gibt und auch ähnliche Auslegungen nicht mit dem Quran übereinstimmen.

5. Grundlegend für das momentane Chaos in der Islamischen Welt ist, das Muslime ein Leben führen, welches weder dem Islam noch dem Quran nahe ist. Ihr Wissen basiert nicht auf den Quran. Diese Tatsache ist auch im Quran wieder zu finden, denn es ist die einzige Beschwerde unseres Propheten Mohammeds (Fsai) über die Muslime. Quransure Furkan: "Und der Gesandte sagt: "O mein Herr, mein Volk mied diesen Qur'an unter Mißachtung."

6. Wenn wir heute möchten, dass in der Islamischen Welt maßgebend der Geist der Liebe, des Mitgefühls, des Pluralismus, des Verständnisses und der Barmherzigkeit herrscht, so führt der Weg zurück zur Moral des Quran, welches seit Jahrhunderten aufgegeben wurde. Der Quran hat schon vor 1400 Jahren mit Aussagen wie „deine Religion für dich, meine Religion für mich“ und „in der Religion gibt es keinen Zwang“, die Grundsteine für den Laizismus, die Demokratie und den Pluralismus gelegt. Wenn man sich nach dem Quran richtet, wird keiner, weil er einer anderen Konfession angehört als Ungläubiger abgestempelt oder weil er Christ oder Jude ist getötet oder weil er eine Schuld begangen hat gekreuzigt oder weil man einer anderen Rasse angehört zum Sklaven gemacht. Wenn man sich nach dem Quran richtet, leben Christen, Juden, Muslime, Atheisten und Ungläubige als Menschen erster Klasse, die Demokratie funktioniert dann problemlos und das globale Recht sorgt für die Sicherung der Gerechtigkeit.

7. Es ist offensichtlich, was in dieser Situation zu tun ist: Man muss die Ungültigkeit der Informationen, die sich die ISIS und andere radikale Terrororganisationen ihrerseits als Beweise nennen und in den verschiedensten Islamischen Quellen aufzufinden sind, mit Beweisen aus dem Quran widerlegen. Es ist möglich durch Bildung tausende von europäischen und amerikanischen Jugendlichen für sich zu gewinnen, die sich der ISIS angeschlossen haben. Nämlich indem man falsche Gedanken durch richtige ersetzt. Statt zehntausende Menschen im Mittleren Osten durch Bomben zu töten.

8. Die USA sind als Supermacht im Besitz einer starken Militärstruktur. Sie sind Spezialisten in den Bereichen der Kriegs- und Besetzungsstrategien. Aber was man von den USA eigentlich erwarten würde, wäre der Aufbau, die Weiterbildung einer Zivilisation und der Beitrag zum Fortschritt. Um dies bewerkstelligen zu können braucht man Erziehung und kulturelle Arbeiten. Mit den richtigen Gedanken muss man auf eine richtige Bildungssstrategie setzen. Nicht die klassische, orthodoxe Auffassung des Islams, sondern eine auf den Quran basierende Belehrung des wahren Islams. Das kann die Menschen, welche momentan die Verteidiger der Gewalt sind, zu Menschen werden lassen, die den Frieden, die Liebe und die Brüderlichkeit vertreten. Dies ist ohne Zweifel eine Methode mit geringeren Ausgaben und es führt zu einem endgültigen positiven Ergebnis als mit Waffen, und den darauffolgenden humanitären Hilfen in Höhe von Trillionen Dollar.  

9. So manches Umfeld in den USA nähern sich mit Bedenken und unterstützen nicht die Lehre des Islam nach dem Quran. Einer dieser Gründe ist, das Amerika den Fehler begeht, den Muslimen nicht zu erzählen, was der wahre Islam ist. Es ist nicht die Aufgabe der USA den Muslimen irgendeinen Gedanken aufzuerlegen, weder einen Gedanken zu diktieren. Die USA, muss den Islam nach dem Quran darlegen, und bei der Verbreitung notwendige kulturelle Arbeiten unterstützen. 

10. In der gebildeten Koalition gegen die ISIS ist es ein schöner Gedanke, dass die muslimischen Länder auch eine Rolle spielen. Aber man sollte nicht vergessen, dass in vielen dieser Länder, die diese Koalition unterstützen, eine Ideologie und radikale Auffassung des Islams herrscht, welche der ISIS Ideologie ähnelt. In den Ländern, von denen die Rede ist gibt es die Todesstrafe durch Köpfung. Frauen werden als zweitklassige Menschen betrachtet, Gedanken- und Meinungsäußerung werden vollständig unterdrückt. Natürlich ist es technisch nicht möglich, dass eine Mentalität, die ihrem Volk so ein grausames Leben bietet, im Irak oder in Syrien gegen die ISIS ankämpft, beziehungsweise den anderen Völkern des Gebietes den erträumten Frieden bringt. Es befinden sich bestimmt im Iran, Irak, Saudi Arabien und in den anderen Ländern der Golfregion anständige, gemäßigte, rationale und moderne Führungspersonen. Aber diese Personen müssen die meiste Zeit unter Zwang der Radikalen handeln, die auch im selben Land leben. Deshalb ist es aus dieser Sicht sehr wichtig diese Personen zu stärken. Wenn die USA sich verbünden will, so muss das mit den Muslimen geschehen, die sich nach dem Quran halten und mit ihnen zusammen eine gemeinsame Strategie zur Lösung entwickeln. 

11. Die muslimische Geographie, insbesondere der Mittlere Osten, beherbergt sehr verschiedene ethnische Kulturen, Glauben und Werte. Diese Elemente haben jahrhundertelang miteinander in Harmonie gelebt. Die nach dem Ersten Weltkrieg definierten Grenzen und neu gegründeten Staaten, sind für dieses Gebiet ein Problem, dies wird von vielen politischen Kommentatoren zur Sprache gebracht. Dies ist eine richtige Feststellung. Falsch ist es neue Grenzen zu definieren, die vorsehen, den Mittleren Osten in noch mehr kleinere Teile, nach verschiedenen ethnischen Wurzeln oder Konfessionen zu teilen. Hunderte von Konfessionen, Glauben, ethnische Wurzeln, die im Mittleren Osten leben, haben nicht den Bedarf an neuen kleinen Staaten, die miteinander im Streit sind, sondern an eine der Europäischen Union ähnelnde Einheit. Den Geist der Allianz.  

12. Einer der Wege, um nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa erneut den Frieden und das Gleichgewicht zu gewährleisten, war die Gründung der NATO, dass durch die Initiative der USA geschah. Auch die jahrzehntelange durch Kriege und Konflikte gebeutelte Islamische Geographie bedarf einer ähnlichen Union. Eine gemeinsam agierende Islamische Welt in der Industrie, Wirtschaft und kulturelle Arbeiten harmonieren, werden der USA ihre Last mindern. Diese Union wird seine Probleme selbst lösen, die Ressourcen der Erde schützen und eine Basis verschaffen, um Konflikte aus dem Weg zu räumen. Das Umsetzen, der hier in kurzen Punkten erwähnten Lösungen, ist nicht nur für den Frieden im Mittleren Osten, sondern auch für den Weltfrieden notwendig. Anstelle von militärischen Operationen, die jahrelang andauern und keine Resultate bringen, ist es rational diese bislang nie versuchten Methoden anzuwenden, die definitiv ein positives Ergebnis liefern werden. Wenn man nicht durch Bildung und kulturelle Arbeiten die Basis des Terrors oder sozusagen den Sumpf trockenlegt, wird es nutzlos sein die Mücken zu bekämpfen. 

Unser gemeinsames Gebet ist es, dass wir so bald als möglich eine Welt erlangen, in der keine Gewalt und kein Terror herrscht und jeder Mensch geschätzt wird, egal welcher Religion, Glaube, Sprache und Rasse man zugehörig ist. Unser Wunsch ist es, dass die USA für das Realisieren dieser Gebete, als Vorreiter für den Frieden und die Brüderlichkeit maßgebend agiert. 

 

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