Harun Yahya

Radikalismus kann man mit Wissenschaft und Nächstenliebe besiegen


Der Begriff des Radikalismus' ist auf das 18. Jahrhundert zurückzuführen und wird von dem lateinischen Wort „radix“ abgeleitet, was soviel bedeutet wie „von Grund auf“ oder „an der Wurzel“. Im Laufe der Zeit wurde diese Doktrin auch philosophisch gedeutet und als eine Art der Kritik sowie des Bestrebens nach einer grundlegenden Veränderung der Lebensweise im Hinblick auf soziale und politische Ereignisse definiert.

Die von dieser philosophischen Lehre angetriebenen Organisationen sind aufgrund dessen permanent in der Bemühung, ihre eigenen Ideologien unter Missachtung der Denkweisen und Überzeugungen des Gegenübers in der Gesellschaft zu indoktrinieren. Durch demokratische Regierungen werden solche Organisationen in der Öffentlichkeit häufig als illegale terroristische Gruppierungen bezeichnet.

Es wäre falsch, den Radikalismus als eine auf religiösen Überzeugungen basierende Denkweise zu betrachten. Zunächst einmal werden Terror und Mord in keiner göttlichen Religion toleriert; der Islam verbietet solche Handlungen und verurteilt den Terrorismus aufs Schärfste. Allerdings entsteht aufgrund falscher Auslegung der Religion durch einige Gruppierungen eine solche Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Des weiteren wird vor allem Europa von faschistisch motivierten Morden rechtsextremer Gruppen heimgesucht. Darüber hinaus haben illegale Handlungen solcher links- bzw. rechtsextremer Gruppierungen zur Ergreifung weitreichender Maßnahmen im Rahmen der UN und der Nato geführt. In der globalen Auflistung der Terrororganisationen, wird beispielsweise auch die in der Türkei aktive stalinistische Terrorgruppierung PKK aufgeführt.

Eine große Anzahl von Organisationen, die der oben genannten Beschreibung entsprechen, sind aktuell in vielen Teilen der Welt tätig. Staatsoberhäupter machen regelmäßig auf diese drohende Gefahr aufmerksam und betonen die Wichtigkeit des Vorgehens gegen den Radikalismus. Bei seiner Russlandreise wies der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan kürzlich erneut auf die von radikalen Gruppierungen ausgehende Gefahr hin und schlug eine umfassende Zusammenarbeit gegen solche Organisationen vor. Der türkische Präsident Abdullah Gül bezeichnete diese Gruppen als eine ernsthafte Bedrohung für die Türkei und beschrieb sie als die Hauptverursacher des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten, die Hass und Spaltung in der islamischen Welt schüren.

Auch in Europa muss der Radikalismus häufig Kritik einstecken. So bezeichnete der Politikwissenschaftler Carsten Koschmieder die Rote Armee Fraktion (RAF) während den Ausschreitungen in Hamburg als „radikale Linke“, bekannt ist die Gruppierung für ihre Terroraktionen in den 1970er Jahren.

Besonders Regionen in Asien, Nordafrika und im nahen Osten wurden des Öfteren zu Schauplätzen des Terrors durch radikale/fundamentalistische Gruppierungen in den letzten 50 Jahren. Der Terror dient für solche Gruppen, die aus ihrer Sicht im Namen des Islams auftreten, als Werkzeug, um ihre eigenen falschen Vorstellungen und Ideen an die Gesellschaft zu verhängen. Terrororganisationen wie Al Qaida, Al Nusra, Al Shabaab und die berüchtigte Boko Haram wenden ihre Politik des Hasses und der Gewalt in vielen Teilen der Welt an. Diese Gruppen, die vorgeblich im Namen des Islams handeln, interpretieren den Islam auf eine äußerst verkehrte Weise und gehen entsprechend gewaltbereit gegen alle Andersdenkenden vor. Diese fundamentalistische Denkweise schreckt nicht davor zurück, ihre Terroraktionen in stark belebten Plätzen wie kommerzielle Gebiete, Märkte, Passagierterminals und dergleichen auszuüben, um „sich einen Namen zu machen und die Gesellschaft in die Knie zu zwingen“.

Um noch einige Beispiele zu nennen: Am 16. Januar 2013 nahm eine Gruppierung mit Verbindungen zu Al Qaida 41 Personen in einer algerischen Erdgasfabrik als Geiseln, ein Großteil überlebte diese Aktion nicht. Die sich „die mit Blut unterzeichnenden“ nennende Gruppierung behauptet ihre Feindschaft gegen den Westen durch eine auf den Islam gestützte Methodik ausbreiten zu wollen.

Das militärische Eingreifen Kenias als Vorwand nehmend führte die Terrororganisation Al Shabaab in der kenianischen Hauptstadt Nairobi einen Angriff auf ein Einkaufszentrum durch, bei dem 62 Menschen getötet und 200 verletzt wurden.

Nigeria ist eines der Länder, in der die fundamentalistische Lehre zu starken Ausschreitungen geführt hat. Die im Bundesstaat Borno im Jahre 2002 gegründete Terrororganisation Boko Haram führte bisher ungeheure Terroraktionen in der Region durch. In der lokal gesprochenen Handelssprache „Haussa“ bedeutet „Boko Haram“ soviel wie „westliche Ausbildung verboten“. In einem Interview mit der BBC drückte der ehemalige Führer der Organisation, Mohammed Yusuf, mit der Aussage „Wir wollen keine wissenschaftliche europäische Bildung“ seine verkehrte, durch falsche fundamentalistische Auslegung des Islam erzeugte, Denkweise aus. Auch diese Terrororganisation setzt ihre mörderischen Handlungen auf Grundlage dieser absonderlichen Ideologie weiter fort.

Menschen auf der ganzen Welt werden aufgrund der bestialischen und lieblosen Natur des Radikalismus in Angst versetzt. Andere, dem Islam von Grund auf entgegengesetzte, machen von diesem finsteren Bild Gebrauch, um die Islamfeindlichkeit und die Islamophobie zu verbreiten. Tatsächlich sollte jedoch der Begriff Fundamentalismus-Phobie verwendet werden, da die Quelle für diese Phobie im Radikalismus, einem völlig anderen Glaubenssystem, zu finden ist und nicht im Islam, dessen Wortherkunft auf das Wort „Frieden“ zurückzuführen ist.

Lassen Sie uns nun sehen, in welcher Weise der Islam die These „grundlegenden Eingriff in die Lebensweise von Menschen“ des Radikalismus ablehnt. Die islamische Religion schreibt den Menschen die größtmögliche Freiheit in Punkto Lebensweise, Überzeugung und Meinung zu. So wird diese Auffassung der Freiheit in zahlreichen Versen des Koran ausführlich beschrieben. Eine davon lautet wie folgt:

Kein Zwang im Glauben! Klar ist nunmehr das Rechte vom Irrtum unterschieden. Wer die falschen Götter verwirft und an Allah glaubt, der hat den festesten Halt erfasst, der nicht reißen wird. Und Allah ist hörend und wissend. (Surah Al-Baqara, 256)

Zudem kann eine illegale Doktrin wie die des Radikalismus in keiner Weise mit den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam vereint werden. Im Wesen aller göttlichen Religionen werden Liebe, Frieden, Brüderlichkeit, Toleranz und Gerechtigkeit gelehrt.

Sowohl in der Thora als auch im Evangelium wird den Menschen eine friedvolle und tolerante Lebensweise nahegelegt:

Erweiset allen Ehre; liebet die Brüderschaft; fürchtet Gott; ehret den König. (1. Petrus 2, 17)

Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr. (3. Mose 19, 18)

Wie aus den dargelegten Versen ersichtlich, verurteilen alle göttlichen Religionen Terror und Radikalismus. Sie alle raten zu Liebe, Frieden, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Toleranz und verbieten Gewalt und Extremismus ausdrücklich.

Der Radikalismus im religiösen Sinn tritt hauptsächlich durch den Versuch auf, falsche oder fanatische Lehren der Religion zuzufügen und die Gebote des Koran im Wesentlichen für nichtig zu erklären. Doch der Großteil derer, die diese falschen Lehren annehmen, sind der Überzeugung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Folglich leben diese Leute, die im Morast des Fundamentalismus Terror ausüben, im Glauben, dies im Namen des Islams tun zu können.

Aus diesem Grund wird die Aufklärung der Gesellschaft bezüglich der wahren Aussagen des Koran über Frieden, Ruhe, Zuneigung und Toleranz diese Aufruhr beseitigen. Falsche, radikale Lehren, die dem Islam zugeschrieben und von manchen verteidigt werden, können ausschließlich mit der wahren Quelle des Islam, dem Koran, ausgeräumt werden. Dementsprechend ist es von immenser Wichtigkeit, die wahren moralischen Werte des Koran, die ein friedvolles, liebevolles und ruhiges Miteinander anstreben und Terror, Gewalt sowie Blutvergießen entschieden ablehnen, aufzuzeigen. Dabei sollte ein umfangreicher Einblick in die vorbildliche Moral der Muslime gegeben werden. Denn der Radikalismus wird nicht durch Waffen und Gewalt, sondern durch Liebe und dem intellektuellen Kampf besiegt werden.

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