Harun Yahya

Die Reise der Türkei auf dem Weg nach Europa


Die Türkei ist das Land dessen Weg nach Europa am längsten währt. Ganze 46 Jahre nach der Anfrage am 31. Juli 1959 an die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft begannen 2005 die Diskussionen innerhalb der Europäischen Union bezüglich des Beitrittes. Als die Diskussionen begannen brach eine Welle der Begeisterung in der Türkei aus und die Medien behandelten tagelang die Änderungen, die aufkommen werden, wenn die Türkei beitritt.

Die Regierung nahm hinsichtlich des EU-Beitritts, den Rücken vom Volke gestärkt, die Demokratisierung, mithilfe gewaltiger Reformen, in Angriff. Tatsächlich hatte die Türkei, bis dahin undenkbar, außerordentlich konstruktive Durchführungen unterzeichnet. Allerdings flaute die Welle der Begeisterung innerhalb kürzester Zeit ab, aufgrund des Widersetzens Frankreichs und Deutschlands bezüglich des EU-Beitritts, der fehlenden Unterstützung Europas gegen die Terrororganisation PKK, die mehr als 30 tausend Opfer auf dem Gewissen hat, die Gegenstimmen im Referendum und die Hals über Kopf durchgeführte Eingliederung der Republik Zypern.

Bei einer Umfrage der gemeinnützige Organisation TESEV im Jahr 2002 bezüglich der Kopenhagener Kriterien stellte sich heraus, dass 64% der Bevölkerung den Eintritt in die EU befürworten. 2013 stimmten jedoch bei einer Umfrage der gemeinnützigen Organisation EDAM lediglich nur noch 33% für die "Inständigkeit bei dem Eintritt in die EU". Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung die Aufrichtigkeit der EU gegenüber der Türkei für unzureichend hält und zudem findet, dass sie die Türkei negativ diskriminiert.

Doch diese Auffassung wird der Bewältigung des Beitrittes der Türkei, wenn die EU bereit ist diese zu akzeptieren, nicht im Weg stehen. Schon einige konstruktive Schritte Europas führen zu einem raschen steigern der Unterstützung des Volkes in Frage des EU Beitrittes.

Der Beitritt in die EU ist genau wie die Ehe; das Entstehen eines Miteinanders basiert auf das beiderseitige Einverständnis. Aus diesem Grund muss das türkische Volk darüber nachdenken, warum die EU den Beitritt der Türkei hinauszögert. Auch wenn die Gründe, die Türkei nicht aufzunehmen in der Politik und der Wirtschaft liegen, existiert ein weiterer, zwar nicht oft an der Tagesordnung liegender aber erheblicher Grund: Die Bigotterie.

Europa fürchtet sich vor der Bigotterie. Denn heutzutage taucht die Bigotterie in einigen islamischen Ländern in Afrika und im Nahen Osten als eine große Gefahr auf. Die europäische Öffentlichkeit befürchtet die Lähmung ihres Lebens, durch die, sich innerhalb des Kontinents verbreitende, Bigotterie-Mentalität ausgehend der Islamischen Geografie. Denn diese Mentalität trägt die Eigenschaft, sich ausbreitend Boden zu finden, und ihr Anliegen zu erzwingen.

In der Türkei wird der Islam von der breiten Masse auf die modernste Art und Weise gelebt, die bigottische Mentalität existiert in der Türkei im weltweiten Vergleich nur sehr gering.

Trotz dessen, sieht Europa auch die Türkei, da sie ein islamisches Land ist, davon bedroht und zögert, die Türen für ein Miteinander zu öffnen.

Die Anhänger der Bigotterie-Mentalität behaupten Musik, Statuen und Kunst seien eine Sünde.

Möchte man die Länder, in denen diese Mentalität vorherrscht genauer betrachten; so sieht man, Afghanistan voran, dass abgesehen davon, man keine Kunst ausüben darf, viele Kunstwerke vernichtet werden. Dort ist es unmöglich auch nur eine wissenschaftliche Arbeit durchzuführen, zudem ist es ausgeschlossen Frauenrechte anzusprechen. Frauen haben keine Teilhabe am sozialen Leben und leider ist ihr Wert beinahe gleich die eines Tieres.

Anhänger dieser Mentalität akzeptieren es nicht, dass Menschen mit einer anderen Lebenseinstellung mit ihnen zusammen leben.

So wie das am Tisch essen, Besteck benutzen, Zähne putzen, tägliches Rasieren, Benutzen von Parfüm, lautes Lachen, Musik hören und tanzen keinen Platz in ihrem Leben haben, stehen sie für die Meinung, dass jeder, der all dies tut, bestraft werden müsste. Menschen mit dieser Einstellung schreiben dies in Büchern nieder, erzählen es im Fernsehen und propagieren es lauthals bei jeder Gelegenheit. Jene die sich nicht so verhalten beschuldigen sie der Ungläubigkeit. In einigen Islamischen Ländern in denen der Zwang der Bigotterie-Mentalität herrscht, ist es möglich, viele solch ähnlicher Ausübungen zu beobachten.

Zweifelsohne möchte niemand mit jemandem zusammenleben, der solch eine Auffassung vorweist und solch einem Verständnis einwilligen. So tragen europäische Menschen, die selbe Angst mit sich. Wenn Sie ein Auge auf Europa werfen, sehen Sie dass wissenschaftliche und künstlerische Aktivitäten in äußerster Dichte vorkommen. Im Leben eines normalen Europäers nehmen Musik, Tanz und Kunst einen wichtigen Platz ein. Er erfreut sich an Kunstwerken, Galerien und Stadtbekannten Statuen. Eine europäische Frau kann sehr leicht ein Unternehmen oder ein Land führen, sich Zurechtmachen wie sie es sich wünscht. Diesbezüglich ist sie unbefangen, sie wird weder verurteilt noch belästigt.

Wäre in islamischen Ländern wie in Europa keine Barriere vor der Meinungsfreiheit, würden auf Menschen seitens Bigotten kein Druck ausgeübt, künstlerische und wissenschaftliche Aktivitäten ohne Schwierigkeiten ausgeführt, sich amüsieren, lachen und Frauen ohne Kopftücher respektvoll begrüßt werden, so könnte die Situation der Türkei eine ganz Andere sein.

Bulgarien, Rumänien oder die baltischen Staaten sind wirtschaftlich viel schwächer als die Türkei und haben eine viel geringere strategische Bedeutung. Dennoch haben sie schon sehr viel früher einen Platz in der EU erhalten. Denn man kann weder in Bulgarien noch in Rumänien oder anderen europäischen Staaten von einer bigotten Mentalität sprechen. Die Möglichkeit, dass sich die Bigotterie von der Türkei aus ausbreitet, reicht aus, um Europa zu beunruhigen, auch wenn der Anteil sehr gering ist. Um diese Beunruhigung auszuräumen muss die Türkei diesbezüglich Europa Garantie geben und eine ernstere Erziehungspolitik gegen die Bigotterie im Land durchführen.

Die Türkische Regierung hat in vielen Fällen wie z.B. der Aufhebung der Bevormundung in der Demokratie, Unterbindung der Folter oder in der Verbesserung der Minderheitsrechte erhebliche Fortschritte erreicht. Fortschritte wurden auch in der Bekämpfung der Bigotterie erzielt. Es ist zumindest Notwendig der europäischen Community effektiv zu verdeutlichen, dass die furchteinflößende Mentalität des Verbietens und des Zwangs die Anschauung einiger Bigotten ist; der Quran und der Islam aber diese Anschauung nicht unterstützen und dass Hemmungen nicht vor dem Islam und den Muslimen sondern vor der bigotten Mentalität existieren müssten.

Als Mustafa Kemal Atatürk die Türkische Republik errichtete war eines seiner größten Ziele, sein Land auf das Niveau der kultivierten Zivilisation Europas zu steigern. Ein greifbares Pendant zu Atatürks Ziel ist heute die Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union. Auch wenn die ständige Meinungsänderung der türkischen Öffentlichkeit, abhängig von der Tagesentwicklung, ominös ist, ist der Beitritt für die Türkei ein nationales Ziel, dass niemals aufgegeben werden darf.


 

Adnan Oktars in der Al Hadath veröffentlichter Artikel:

http://www.alhadath.ps/ar_page.php?id=9209ZSPB7Wa399420ADwXaNHx4ex#sthash.72QhTaUs.cZcJjNZy.dpbs

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