Harun Yahya

Wir sind Geschwister, keine Erzfeinde!


Der in der Islamischen Welt vorherrschende und unaufhaltsame Bruderzwist, ist ein schwerwiegendes Problem, an dessen Lösung man sich seit Jahren auf keine Art und Weise annähern konnte.

Westliche Länder hingegen bagatellisieren die interne Konfusion der Islamischen Welt. Selbst die Todesfälle innerhalb der Islamischen Länder, weisen für sie keinerlei Wertschätzung auf. Ein Delfin oder ein Walfisch, das ans Land gespült wird und mit dem Tode ringt, strahlen mancherlei Medienunternehmen als erste Nachricht aus und übermitteln par excellence ein Heer von Berichterstattern zum Schauplatz, während Massensterben in den Islamischen Ländern in der Rubrik der abgebrauchten Nachrichten gesehen wird.

Andererseits sind einige Islamische Länder durch interne Probleme dermaßen erblindet, sodass sie nicht einmal in der Lage sind, das Wesen der erlebten Qualen in den Nachbarländern zu erkennen.

Derart Umstand herrscht auch im Irak und obwohl derzeit die Frist der Bedingungen für die Besatzung abgelaufen ist, unterliegt das Land praktisch einem kontinuierlichen Blutrausch. Nahezu täglich kehrten, aufplatzende Bomben beladene Fahrzeuge, sich in Menschenmassen untermischende Selbstmordattentäter, ringsherum flatternde sterbliche Überreste und in großen Mengen fließendes Geschwisterblut das Land in ein Purgatorium um. Dabei können die Gräueltaten nicht einmal in die Tagesordnung der Weltöffentlichkeit gelangen, noch weniger wird über Lösungswege disputiert. Gegenwärtig ist Irak, der Okkupation der radikalen Vereinigung ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) ausgesetzt. Den, seitdem Irakkrieg nicht nachlassenden, Katastrophen fügte sich somit eine weitere hinzu.

Allein im Jahre 2013 beträgt die Anzahl der Todesopfer, die von den Gewalttaten im Irak hervorgingen, nahezu 7 Tausend. Die im Jahre 2003 begonnene und 2011 beendete Besatzungsära im Irak, weist keine genauen Daten über erfasste Todesfälle auf. Ferner berichtet die BBC (British Broadcasting Corporation), laut Angaben der Iraq Body Count Gruppe, über 461 Tausend ums Leben gekommene Personen (http://blog.radikal.com.tr/Sayfa/bbcden-yeni-bir-rapor-irakta-kac-sivil-oldu-36374). Der in der Tageszeitung ‚The Guardian’ publizierten ORB-Studie zufolge, verloren 1,2 Millionen Menschen ihr Leben (http://yenisafak.com.tr/Dunya/?t=16.09.2007&i=68967). Entgegen der Erwartung, dass sich nun die Stimmung nach der Besatzung abregen würde, nehmen die Freveltaten auf diese Weise nach wie vor Menschenleben ein.

De facto bereitete Patrick Cockburn in der britischen Tageszeitung ‚The Independent‘ ein Dossier mit dem Titel „Wie vergaß die Welt den Irak“ auf, indem er darüber schreibt, wie der politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise erlebende Irak, allmählich sich noch mehr abspaltet. Cockburn resümiert die Lage im Lande folgendermaßen: „Als die USA und Großbritannien vor 10 Jahren in den Irak einmarschierten, ganz gleich was sie bezweckten, wurde anfallend das Land nicht von Erfolg begleitet und nicht wohlhabend“ (http://hepsi10numara.com/irakda-10-yilda-1-milyon-kisi-oldu/). Dessen Auswirkungen sind gegenwärtig weitaus präzise ersichtlich. Die konfessionelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen im Lande, bildeten den idealen Nährboden für die Entwicklung des Landes, zum Front der radikalen Organisationen.

Nicht nur in den letzten zehn Jahren, sondern mit Inbetrachtnahme der Brachialgewalt und des Massakers in der Zeit des Saddam und davor, hinterlies der andauernde krieg und Bruderzwist, Berechnungen zur Folge, rund eine Millionen verwitwete Frauen im Irak. Die keinerlei Zusicherung besitzenden Frauen haben zugleich eine unsichere Stellung. Kurzum, Irak geriet in ein sich eigenhändig eleminierendes Gefüge (http://tr.euronews.com/2012/06/13/savasin-yalniz-biraktigi-kadinlar/).

Unter den erdölexportierenden Ländern (OPEC) erklomm der Irak den zweiten Platz. Während die Spuren des wirtschaftlichen Aufschwungs auf den Straßen von Bagdad stellenweise zu sehen ist, wird der Wohlstand des Landes durch die zunehmende Gewalt vernichtet. Obwohl der Irak für jeden seiner Staatsbürger ausreichend geräumiges Territorium, finanzielle Perspektive und Gelegenheiten besitzt, richten andauernde Verbrechen, lediglich wegen abweichende Ansichten und Unwissenheit, ein kolossales Land in ein Blutbad an.

Nun, lohnte sich das erlebte Leid oder wendete sich das Land zum Besseren? Wo auf der Welt wurde durch kämpfen und kollidieren, Ordnung und Bestand bewerkstelligt, sodass es im Irak erreicht werden soll? Noch dazu, während die Zurechenbarkeit der Spaltung des Iraks in drei Teile, ernsthaft zur Tagesordnung wird. Offensichtlich führt diese Logik zur Inkonsequenz. Die Notwendigkeit ist, dass sanftmütige Muslime hierzu, vordringlich einen Schritt machen, die Lage besänftigende Erläuterungen geben und einen Gesinnungswechsel der radikalen Gruppen antreiben.

Wieso sollten Meinungsunterschiede den Streit, das Morden, die Gehässigkeit und Feindseligkeit bedingen?

Selbstverständlich ist alldies unnötig. Auf der anderen Seite bringen Auseinandersetzungen Unruhen, Gewalttaten Erbitterung hervor, die nichts anderem außer der Erhöhung von Todesfällen, Groll und Hass dienen. Es darf nicht vergessen werden, dass die Art offensive Annäherung sich stets zu einem einzigen Fitz verwirrt. Solange die Menschen sterben dominiert der von Generation zu Generation übertragene Hass, wovon ausschließlich Islamische Länder und Muslime abträglich sind. Der Irak wird, unter diesen Umständen, den Frieden und das Behagen auch nach hunderten von Jahren nicht finden, angesichts dessen wird der Nahe Osten von dieser Situation ausnehmend ominös beeinflusst werden. Eine Atmosphäre, in der verwahrloste und verfeindete Geschwister aufstoßen, wird niemand zu Ruhe kommen und eine Politik der Gewogenheit zubilligen.

Im Endeffekt sollte der Hauptnenner, im eigenen Land, friedlich, wohllebend und froh, gemeinsam mit den für die Gesamtheit genügsamen Ressourcen zu leben sein. Demzufolge ist evident, dass für eine Kollision keine vernünftige und bündige Ursache vorhanden ist.

Mit Rücksicht, Einsicht und Nachsicht aneinander zu rücken ist einfacher als miteinander zu kollidieren. Den radikalen Gruppen wie zum Beispiel ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien), die Gräuel und Ärger verursachen, kann mit Bildung entgegnet werden. Es kann mit Belegen aus dem Koran manifestiert werden, dass der Islam keine Religion von Schrecken, Grimm und Streit, sondern ganz im Gegenteil das Bekenntnis von Gewogenheit, friedlichem Zusammenleben und brüderlicher Liebe ist. Noch dazu, wenn man diesen Werten gebührend mit Entschiedenheit Einsatz aufwiese, müsste niemand folgenschwer bezahlen. Niemand wäre in der beschwernissetragenden Rolle. Wenn es bequemer und angenehmer geht, wozu soll der ausschließliche Ansatz von Unmut und Drangsal gut sein. Dies läuft der Vernunft, dem Verstand und Gewissen zuwider.

Insbesondere in gegenwärtiger Zeit sollte jeder Muslim noch mehr für Mäßigkeit appelieren und anstelle von Streit sich für Respekt, Toleranz und Verständnis engagieren. Denn dies ist eine gemeinsame Angelegenheit. Wenn nicht durch Kooperation nach einer Lösung gesucht wird, werden sich die Probleme unvermeidlich noch weiter subsummieren. Diese Angelegenheit betreffend sollte die Bürokratie der islamischen Organisation „İslam İş Birliği Teşkilatı (IIT)“ (Organisation für Islamische Zusammenarbeit) bei weitem mehr befördert und eine „Islamische Union“ nach dem Vorbild der EU gebildet werden. Wenn es zu einer Islamischen Union kommt, bieten die Konflikte in Syrien und im Irak, bevor sie sich noch weiter erstrecken, Aussicht auf Lösung, mit Allahs Segen.

 

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