Harun Yahya

DER ISLAM UND DIE BUCHRELIGIONEN IN DER GESCHICHTE


Jeder, der mit einem unabhängigen Blick die Beziehungen von Muslimen mit unter Islamischer Herrschaft lebenden Christen und Juden seit Beginn der Geschichte des Islam untersucht, wird eindeutig feststellen: Die Anhänger der Buchreligionen lebten unter Islamischer Herrschaft immer in Ruhe und Sicherheit. Juden und Christen, die oftmals durch die Herrschaft unterschiedlicher Religionen und Glaubensrichtungen der Unterdrückung ausgesetzt waren, fanden Zuflucht und Sicherheit in Muslimischen Ländern. Der wichtigste Grund, weshalb die Anhänger der Buchreligionen auf Islamischen Boden ein ruhiges und ungestörtes Leben führen konnten, ist die Tatsache, dass das Verhalten der Muslime gegenüber den Anhängern der Buchreligion entsprechend der Quranischen Moral festgelegt ist.

Der Islam, der eine Religion des Friedens und der Toleranz ist, fordert alle Menschen auf, sich gerecht und in guter Absicht zu verhalten. Fromme Muslime sind der von Allah befohlenen Moral gemäß tolerant, nachsichtig, bescheiden, verständnisvoll, von angenehmen Betragen und sind herzliche und aufrichtige Menschen. Allah befahl den Gläubigen gerecht zu sein, sich selbst und den eigenen Angehörigen gegenüber, zuerst Waisen und Gefangene zu ernähren auch wenn die Gläubigen selbst bedürftig sind, opferbereit und geduldig zu sein und entschlossen die gute Moral zu vertreten. Ein Gläubiger, der diese Moral lebt, ist gleichzeitig auch tolerant gegenüber Andersgläubigen und Andersdenkenden. In dem Bewusstsein, dass es in der Religion keinen Zwang gibt, ist man beim Einladen der Menschen auf den Weg der rechten Religion stets höflich; das Ziel dabei ist, den rechten Weg zu weisen, das Gewissen des Gegenübers anzusprechen und Anlass dafür zu sein, dass dieser eine gute Moral lebt. Doch dies ist nur möglich, wenn Allah den Menschen den rechten Weg zeigt. Mit dem Vers , "... Wissen die Gläubigen etwa nicht, dass Allah alle Menschen rechtleiten würde, wenn Er es wollte? ..." (Sure ar-Ra'd, 31) erinnert Allah die Muslime daran, dass ihre Herzen in Seiner Hand sind und dass der Mensch nur mit Seinem Willen den rechten Weg erreichen kann. In einem anderen Vers wird folgendermaßen befohlen:



Du kannst gewiss nicht jeden rechtleiten, den du liebst, sondern Allah leitet recht, wen Er will. Und Er kennt am besten diejenigen, welche sich rechtleiten lassen. (Sure al-Qasas, 56)
 


 

Die Aufgabe der Muslime besteht darin, die Tatsachen zu erklären und die Menschen auf den rechten Weg einzuladen. Ob andere Menschen dies akzeptieren oder nicht, ist ihrem eigenen Gewissen überlassen. Im Quran berichtet Allah:



Kein Zwang im Glauben! Klar ist nunmehr das Rechte vom Irrtum unterschieden. Wer die falschen Götter verwirft und an Allah glaubt, der hat den festesten Halt erfasst, der nicht reißen wird. Und Allah ist hörend und wissend. (Sure al-Baqara, 256)


Diese Moral der Muslime gilt natürlich auch für die Beziehungen zu den Anhängern der Buchreligionen. Überdies beschrieb der Herr den Gläubigen im Quran ausführlich, wie sie sich den Anhängern der Buchreligionen gegenüber zu verhalten haben. Untersucht man diese Verse, dann wird deutlich, dass die Muslimische Gesellschaft die Existenz von Juden und Christen anerkennt und dass deren Rechte von den Muslimen zu schützen sind. Muslime müssen Juden und Christen äußerst barmherzig betrachten. Aufrichtig glaubende Juden und Christen – wie sehr sich in deren Glauben und deren Gebete auch so manche Verwirrung eingeschlichen hat – sind Menschen, die an die Existenz Allahs glauben, an die Engel, die Propheten und den Tag des Gerichts und die das Leben nach der religiösen Moral als Notwendigkeit erkennen. Diese Tatsache ist ein wichtiges Maß bei der Annäherung der Muslime an die Anhänger der Buchreligionen.

In einem Vers berichtet Allah, dass Juden und Christen, die an Allah und die Endzeit glauben und fromme Werke verrichten, die Gegenleistung dieser dafür in bester Weise erhalten werden:



Siehe, die da glauben, auch die Juden und die Christen und die Sabäer- wer immer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht kommt über sie, und sie werden nicht traurig sein. (Sure al-Baqara, 62)


Die Bedeutung dieses Verses ist klar und deutlich. Muslimen, Juden und Christen, die an Allah und die Endzeit glauben und fromme Werke verrichten, wird die Freudenbotschaft überbracht; dies ist die Nachricht, dass die genannten Gläubigen Rettung und Wohlbefinden erreichen werden. Im 48. Vers der Sure al-Ma’ida wird berichtet, dass den Menschen ein Gesetz und ein Weg gegeben wurde, und dass jeder in diesem Sinn “im Guten wetteifern” (Sure al-Ma’ida, 48) soll. Dies zeigt, dass Juden, Christen und Muslime, die aufrichtig an Allah und die Endzeit glauben, notwendigerweise für das Wohlgefallen Allahs um gute Taten wetteifern. Daher ist es für Muslime unmöglich, sich hart und intolerant zu verhalten gegenüber Menschen, die wie sie selbst an Allah glauben, fromme Werke verrichten und ein moralisches Verhalten an den Tag legen. Der Beweis für Muslimische Toleranz findet sich überall in der Islamischen Geschichte.

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