Harun Yahya

Ein Schiite in der Türkei zu sein


Ein Schiite in der Türkei zu sein

Jedes Mal, wenn ich ein Artikel über die arabische Welt von westlichen Analytikern lese, fällt es mir auf, dass die Betonung auf die jeweiligen Konfessionen im mittleren Osten, enorm ist. Wenn wir versuchen einen Sinn für die Gewalttaten zu finden, wie zum Beispiel für den Völkermord in Ruanda (1994) oder den Konfession Konflikten nach dem Irak Krieg, sind wir auf der falschen Fährte. Wir sind dazu verleitet folgende Entschlüsse daraus zu ziehen: „ Die eine Gesellschaft ist mehr geneigt zu Gewalttaten“, „Der Grund für die Probleme im Irak ist die arabische Mentalität“, „Innerhalb des islamischen Glaubens gibt es Gewaltimpulse“, „Völkermord ist ein afrikanisches Phänomen“ Wir scheitern daran zu verstehen, dass der Grund die Bildung ist.Wie schon Nelson Mandela 1993 sagte: „Bildung ist die beste Waffe, die sie benutzen können, um die Welt zu verändern“.

 Die türkische Regierung muss über diese Angelegenheit nachgedacht haben, denn neuerdings starteten sie eine Kampagne, die die Aleviten und die Schiiten in die türkische Gesellschaft noch intensiver integriert, sie noch näher bringt und umarmt. Die AKP-Regierung hat beschlossen ein „Djemewi“ (das Gebetshaus der Aleviten) und ein Nahrungsmittelgeschäft, im selben Gebäudekomplex zu bauen. Die Türkei ist einer der wenigen und wichtigen Beispiele dafür wie friedlich Sunniten und Aleviten zusammenleben können. Aleviten und Sunniten leben gemeinsam in Wohnappartements und haben starke soziale Kontakte zueinander, in den meisten Fällen wissen die Türken nicht einmal, welche Konfession der Gegenüberstehende hat, bis einer von ihnen danach fragt. Denn die Unterschiede zwischen den Konfessionen kann man nicht am Lebensstiel erkennen.

 

 Nichts Neues hier

Es ist kein neues Phänomen in der Türkei, dass Sunniten und Schiiten harmonisch zusammen leben, denn es  begann bereits im osmanischen Reich,  als Toleranz noch Luxus galt. Im sunnitischen Imperium waren die leitenden Generäle häufig Schiiten. Obwohl unter der Herrschaft von Sultan Selim III, sunnitische Osmanen gegen die alevitische Bevölkerung kämpften, innerhalb der Grenzen

des 16. Jahrhunderts. Es war kein Konfessionskrieg, sondern ein politischer. Eine Gruppe von Aleviten bevorzugten es dem Safawiden Imperium anzugehören, welche zu dieser Zeit entschlossen war das osmanische Reich zu teilen. Es gab eine Offensive der Osmanen, aber nicht, um die Aleviten zu unterdrücken, sondern um die Safawid unterstützenden Protestierenden innerhalb der Grenzen zu bekämpfen. Der Grund für diese Auseinandersetzung war nicht die Konfession, sondern der Verrat dieser Gruppe. Außer den politischen Zusammenstößen war es die tolerante Suffi - Lehre (laut dem historischen Kontext) und die Bildung der Sunniten und der Aleviten, welche die Bevölkerung, die meiste Zeit zusammen hielt.

Heute jedoch sehen wir im mittleren Osten die sunnitischen und schiitischen Muslime nicht so tolerant, wie sie sein sollten. Der syrische Bürgerkrieg, der einen anderen (nicht so heftigen) Bürgerkrieg mit sich brachte, wurden die Konfessionen zur Streitfrage. Heute ist der Irak wie ein Schlachtfeld gewalttätiger Konfessionskriege. Der Libanon versucht seine im Mehrzahl schiitische Bevölkerung daran zu hindern, dass es sich zu einer überwiegend sunnitischen Bevölkerung verwandelt, mit seiner nie endenden Flüchtlingszufuhr. Al Kaida und die Hizbollah sind die Hauptvertreter im Sunnitisch – Schiitischen Konflikte. Wenn wir uns aber die Türkei, mit ihrer hervorragenden Außenpolitik anschauen, sehen wir, dass die Konflikte trotz der sunnitischen Mehrheit in Kleinasien überwunden sind. Obwohl die Verbündeten in Iran strenge Sanktionen unterziehen, brach die Türkei nie Handel und diplomatische Verbindungen zum schiitischen Iran ab.

Als die amerikanischen Truppen in Bagdad waren, war ich auch dort, in einem Taxi, als im Radio ein Lied von einem türkischen Sänger namens Tarkan lief, der Taxifahrer und ich sahen es für ganz selbstverständlich an. Bis zu der Entführung der zwei Piloten waren die Beziehungen zu Libanon gut und sogar als Libanon Assad Hilfe anbot. Oft genannt als die Schweiz des mittleren Ostens, nähert sich die Türkei dem schiitischen, sunnitischen und dem kurdischen Irak gleichermaßen an. Dieser Ansatz platziert die Türkei in eine spezielle Position, sie ist nämlich in der Lage Vereinbarungen zwischen feindlichen Regionen zu tätigen. Die Türkei war Vermittler der Gespräche zwischen der Regierung von Bashar al-Assad und Israel im Jahr 2003, hinter den Kulissen war die USA mit von der Partie. Nächste Woche erwartet die Welt eine besänftigende Rede vom neuen Präsidenten Irans im U.N. Rat, dies ist eine willkommene Neuigkeit für die Region, die in Konfessionen ertrinkt. Wie oben bereits erwähnt, zeigt die Türkei, dass die Nation von einer Konfession dominiert werden kann (in diesem Fall Sunnitisch), aber in Sachen Innenpolitik, regionale und internationale Beziehungen die Konfession nicht im Vordergrund steht. Die Türkei und der Iran sollten ihre guten Beziehungen dazu nutzen, einen Weg dahin zu bahnen, den mittleren Osten vom Fluch der Konfessionen zu befreien.

 

Das Bild im Ganzen betrachten

Die folgenden Personen sagten, dass wir das Bild im ganzen betrachten müssen, denn die Feindseligkeit und die Gewaltbereitschaft ist nicht nur wegen den verschiedenen Konfessionen. 1977, als die Rivalität zwischen den christlichen Miliz Anführern  Pierre Gemayel Suleiman und Franjeh  seinen Höchstpunkt erreichte. Ihre Söhne nahmen bei den blutigsten Gefechten Libanons teil. Gemayel´Sohn Bashir schickte bewaffnete Männer in das Haus des Rivalen Tony Franjeh zur Ermordung des jungen Führers, doch als Erstes brachten sie sein Baby und seine Frau um - das Blutvergießen muss ein Ende nehmen.

Im Irak hat die interne Schiiten Rivalisierung, eine Menge Menschen das Leben gekostet. Ab dem ersten Tag an, als die USA Bagdad eroberte, haben die Parteianhänger von Muqtada al-Sadr den Sohn von Ayatollah Abu al-Qasem al Khoei ermordet. Anscheinend hatte Muqtada die  Fehde zwischen seinem Onkel und dem verstorbenen Khoei nicht vergessen, von denen beide geistliche waren.

Das Problem sind nicht die Konfessionen, sondern die Wahrnehmung, dass die Gewalttätigkeit akzeptabel ist. Konfession ist nur ein Vorwand. Dies kann sich nur ändern, wenn die Masse anders erogen wird. Das Problem ist, dass Feindseligkeit und Gewalt wie ein Naturphänomen des Lebens betrachtet wird. Die Konfession wird ausgenutzt. Zum Beispiel hat die türkische Bildung unseren `Islamisten` Pluralismus gelehrt. Es gibt 931 ´Dschemewi`(alevitisches Gebetshaus) in der Türkei, 837 wurden in den vergangenen 11 Jahren gebaut, während die AKP regierte.

 Ich freue mich auf den Tag, wenn sunnitische Muslime in den Irak oder in den Iran einreisen können ohne ein Visum beantragen zu müssen, sodass wir unser kollektives Erbe zusammen genießen können und wenn Muslime in den Golfstaaten arbeiten können, während sie ihre eigene Religion in Freiheit ausleben können. Dies wird nur geschehen, wenn wir unsere Einstellungen zu einander ändern und das in der ganzen Region. Bildung ändert Einstellung.

Ceylan Özbudak

Dieser Artikel wurde übersetzt: http://english.alarabiya.net/en/views/news/world/2013/09/21/Being-a-Shiite-in-Turkey.html

 

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