Harun Yahya

DIE VERBREITUNG DES DARWINISMUS UND DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN KOMMUNISMUS UND KAPITALISMUS


Wenn wir Darwin’s polititischen Einfluss untersuchen, müssen wir in Erinnerung behalten, dass diese Theorie nicht nur mit einer einzigen Ideologie verbunden ist, sondern mit vielen scheinbar verschiedenen Ideologien. Außer dem Kommunismus umfasst das weite Spektrum der Ideologien, die auf dem Darwinismus beruhen, den Rassismus, Imperialismus, Kapitalismus und Faschismus. Das gemeinsame Merkmal dieser auf den ersten Blick voneinander unabhängigen, sogar gegensätzlichen Ideologien ist ihre Opposition gegenüber monotheistischen Religionen und den moralischen Werten, die diese Religionen vertreten.

 

Die Führer dieser Ideologien sehen den religiösen Glauben und religiöse Werte als Hindernisse an, und benutzen den Darwinismus, um diese zu zerstören.

 

Ironischerweise unterstützen sie damit nur konkurrierende Ideologien. Kapitalisten zum Beispiel benutzen die darwinistische Sichtweise, um den skrupellosen "Überlebenskampf" in der freien Marktwirtschaft zu rechtfertigen. Ohne es zu wollen, versorgen sie damit den Kommunismus, den sie doch eigentlich bekämpfen, mit Argumenten.

 

Anton Pannekoek's Buch Marxismus und Darwinismus erwähnt dieses interessante Paradoxon. Er beschreibt die Argumente, die die Bourgeoisie (nach Marx die Klasse der kapitalistischen Gesellschaft, die im Besitz der Produktionsmittel ist) dem Darwinismus liefert, mit diesen Worten:

 

Dass der Marxismus seine Bedeutung und Position nur der Rolle verdankt, die er im proletarischen Klassenkampf einnimmt, ist allgemein bekannt… Doch es ist nicht schwer, zu erkennen, dass der Darwinismus dieselben Erfahrungen machen musste, wie der Marxismus. Der Darwinismus ist keine blosse abstrakte Theorie, die nach angemessener Diskussion und Überprüfung von der wissenschaftlichen Welt übernommen wurde. Nein, sobald der Darwinismus aufgekommen war, fand er enthusiastische Befürworter und leidenschaftliche Gegner… Der Darwinismus spielte auch eine Rolle im Klassenkampf, und dieser Rolle verdankt er, dass er sich so rapide ausbreitete und enthusiastische Befürworter und vehemente Gegner fand.

 

Der Darwinismus diente der Bourgeoisie als Werkzeug im Kampf gegen die feudale Klasse, gegen den Adel, die Geistlichkeit und Feudalherren. … Was die Bourgeoisie wollte, war, sich der ihnen im Weg stehenden regierenden Kräfte zu entledigen… Mit Hilfe der Religion hatten die Priester die grosse Masse in Unterwürfigkeit gehalten, immer bereit, sich den Forderungen der Bougeoisie entgegen zu stellen… Naturwissenschaft wurde zur Waffe im Kampf gegen Glaube und Tradition; Wissenschaft und die neu entdeckten Naturgesetze wurden aufgefahren; Mit diesen Waffen kämpfte die Bourgeoisie… Der Darwinismus kam zur rechten Zeit; Darwin’s Theorie, der Mensch sei Nachkomme eines niederen Tieres, zerstörte das gesamte Fundament christlicher Dogmatik. Das ist der Grund, warum die Bourgeoisie sich des Darwinismus sofort nach seinem Auftauchen mit Feuereifer bemächtigte… Unter diesen Gegebenheiten wurden selbst wissenschaftliche Debatten mit der Leidenschaft und dem Zorn eines Klassenkampfs geführt. Die Pro-und-Contra-Darwinismus Schriften jener Zeit haben deswegen den Charakter sozialer Polemiken, ungeachtet der Tatsache, dass sie die Namen wissenschaftlicher Autoren tragen.

 

So breitete der Darwinismus sich aus. Europas Machthaber sahen den Darwinismus als selten gute Gelegenheit, die von ihnen in ihren Ländern errichtete kapitalistische Ordnung und ihre weltweiten imperialistischen Kolonialsysteme zu legitimieren. Die wissenschaftliche Inkonsistenz des Darwinismus, seine haltlosen Vermutungen und unsinnigen Behauptungen wurden vollständig ignoriert. Aus rein ideologischen Gründen wird er als Waffe gegen Religion und Moral eingesetzt.

Doch die Bourgeoisie – die für die Verbreitung des Darwinismus verantwortliche kapitalistische Klasse – half sowohl dieser Theorie als auch ihren Rivalen. Warum? Weil der Darwinismus und die damit einhergehende Zerstörung des religiösen Glaubens dem Marxismus genauso in die Hände spielten wie dem Kapitalismus. Die Religion lehrt Werte wie Mässigung, Bescheidenheit, Brüderlichkeit, Selbstaufopferung und Mitleid. Ohne diese Werte wird die Gesellschaft zur Arena, in der der “Überlebenskampf” der Kapitalisten stattfindet, genauso wie der Klassenkampf zwischen Kapitalisten und Kommunisten.

 

Im Herbst 1871 warnte der deutsche Politiker und Mediziner Rudolf Virchow auf einem internationalen Kongress: “Sehen Sie sich vor dieser Theorie vor, sie ist ganz eng verwandt mit der Theorie, die in unserem Nachbarland für soviel Grauen sorgte.” Das Land, von dem er sprach, war Frankreich, und bei der Theorie handelte es sich um den französischen Kommunismus, der für die blutigen Tage der Pariser Kommune desselben Jahres verantwortlich gewesen war. (Die Kommune war eine von Kommunisten in der Stadt angezettelte Revolte zu einer Zeit, als Frankreich durch den deutsch-französischen Krieg geschwächt war. Monatelang regierten Direktoren der Kommune die Stadt. Es wurden gross angelegte Überfälle auf religiöse Zentren und den Klerus oganisiert.)

 

 
Kapitalisten und Kommunisten fanden trotz ihrer Differenzen gemeinsame Grundlagen in ihrer Opposition gegen die Religion, wobei sie grossen Rückhalt im Darwinismus fanden. Daher glauben Kommunisten, bevor eine Gesellschaft kommunistisch werden könne, müsse sie zuvor kapitalistisch gewesen sein. Nach dieser Auffassung, die mit der kapitalistischen Moral einhergeht (wobei darwinistische Propaganda eine wesentliche Rolle spielt), muss eine Gesellschaft zuerst die Religion aufgeben, bevor der Kommunismus sich entwickeln kann. Lenin’s Artikel “Die Haltung der Arbeiterpartei zur Religion” von 1909 beschreibt die Rolle der kapitalistischen Bourgeoisie in der Opposition gegen die Religion:

 

"Die Aufgabe, die Religion zu bekämpfen fällt historisch der revolutionären Bougeoisie zu. Im Westen wurde diese Aufgabe in hohem Mass von den bourgeoisen Demokratien erfüllt und zwar in der Epoche ihrer Revolutionen gegen den Feudalismus und den Geist des Mittelalters… Frankreich und Deutschland haben eine Tradition bourgeoisen Kriegs gegen die Religion, die lange vor dem Sozialismus begann (Die Enzyklopädisten und Feuerbach). In Russland lastet diese Aufgabe aufgrund des Zustands der bourgeois-demokratischen Revolution nahezu vollständig auf den Schultern der Arbeiterklasse."

 

Lenin sagt, die Kapitalisten hätten die Verpflichtung, Krieg gegen die Religion zu führen, wie sie es in Europa getan haben und dass, da eine kapitalistische Klasse in Russland nicht existiere, er und seine Partei den Krieg gegen die Religion zu führen hätten. Seine Worte zeigen, dass der Widerspruch zwischen Kapitalismus und Kommunismus in wesentlichen nur ein "innerer Konflikt" ist. Tatsächlich ist die Religion der gemeinsame Feind dieser beiden Kräfte.

 

Die Kommunisten versuchen, die Gesellschaften zu zerfressen, die Menschen der Wahrheit zu entfremden, Moral und humanes Denken zu schwächen, damit die Gesellschaften das antireligiose System des Kommunismus leichter akzeptieren. Doch keiner ihrer Angriffe gegen die Religion wird erfolgreich sein. Vergessen wir nicht, schon in der Vergangenheit haben viele versucht, Gottes Apostel missachtend und sich abwendend von Seinen heiligen Büchern, die wahre Religion zu zerstören. Doch sie alle ereilt dasselbe Schicksal: Gott bestraft manche, die Seine Religion bekämpfen, bereits in dieser Welt, während andere bis zum Jüngsten Tag auf ihre qualvolle Strafe warten müssen, wie es der Qur'an (40:4-6) ankündigt:

 

Die Botschaft Allahs bestreiten nur die Ungläubigen; doch lass dich nicht dadurch irremachen, dass sie frei und ungestraft im Lande ein- und ausgehen. (Schon) vor ihnen bestritten dies das Volk Noahs und danach die Verbündeten. Jedes Volk plante, sich an Seinen Gesandten zu vergreifen. Und sie stritten mit trügerischen Beweisen, um die Wahrheit dadurch zu widerlegen. Darum erfasste Ich sie, und wie war Meine Züchtigung! Und so wurde der Spruch deines Herrn über die Ungläubigen fällig, dass sie das Feuer bewohnen würden.

Desktop View